Die neue Mündung der Weichsel.
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darauf aber den Verschlufsdamm in der Düne zu. durchstechen,!) um das dem
Eisgang gewöhnlich folgende Hochwasser bereits in den neuen Weg zu leiten,
den kräftigen Strom für die Spülung des neuen Mündungsarmes auszunutzen und,
nachdem dies geschehen, im folgenden Sommer die beiden alten Stromarme zu
verschliefsen, Dieser Plan konnte genau durchgeführt werden. Nachdem das
Weichsel-Eis durch die Eisbrechdampfer. bis fast nach "Thorn aufgebrochen
worden war, erfolgte dort am 27. März 2*p der Aufbruch des oberen Eises,
und erreichte der Eisgang am 29. abends die Danziger Weichsel. In der folgenden
Nacht bildete sich beim Heringskrug, 7 km unter dem neuen Durchstich, eine
dichte Eisstopfung, die sich schnell bis oberhalb Dirschau fortsetzte und sehr
hohen Wasserstand verursachte. Am folgenden Tage kam indessen infolge des
Wasserdruckes und angestrengter Thätigkeit der Eisbrecher das Eis wieder in
Bewegung, so dafs bei stetig steigendem Hochwasser um 3* 45"p am 31. März
die Durchstechung. des Dünendammes in feierlicher Weise durch den Ober-
präsidenten v. Gofsler vorgenommen werden konnte. Mit weithin hörbarem
Brausen stürzten sich die Wasser in den neuen Weg, und bereits am Morgen
des i. April war der Dünen-Leitgraben durch die gewaltige Strömung auf 300 m
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erweitert. In 16 Stunden hat dabei der Strom etwa 2 000 000 cbm Dünensand
ins Meer geführt. Für die Gröfse dieser Leistung erhält man einen Mafsstab,
wenn man erfährt, daß die größte Tagesleistung bei diesem Durchstich (am
6. Juni 1893) 19031 cbm Erdreich betrug; es arbeiteten damals sieben Trocken-
bagger in Verbindung mit drei Handladeschächten,
Acht Wochen später, am 25. Mai, nachmittags 3% Uhr, wurde der untere
Sperrdamm ‚der Coupirung bei Bollenbude geschlossen und damit, wie die „D. Z.“
berichtet, die Danziger Weichsel aus der Reihe der Weichsel-Mündungsarme
gestrichen. „Der mächtige Strom, der vordem den Anwohnern bei jedem Eis-
gang und Hochwasser sorgenvolle Tage und schlaflose Nächte bereitete, selbst
wenn er gnädig waltete, ist seit Sonnabend ein stilles, harmloses Gewässer, das
nicht mehr schreckt, aber auch ferner geduldig und segenspendend Schiffe tragen
und sich die Holztraften in endloser Reihe und sicherer Ruhe auflegen lassen
wird. Der westpreufsische Architekten- und Ingenieurverein, der am Sonnabend
mit seinen Damen die Durchstichsbauten besichtigte, war auf der Baustelle an-
wesend und hatte Gelegenheit, zu beobachten, wie sich der Spalt zwischen den
-) Der Daınm gegen die: Weichsel hin war bereits am‘ 6. November 1894 durchstochen und
die Baugrube mit Wasser gefüllt worden, die bis dahin durch eine Dampfpumpe ohne Schwierigkeit
trocken gehalten worden war.