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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1895. 
Die Neigung der beiden Kurven, welche den Schallschatten begrenzen, 
ist eine solche, dafs beiderseits die Hörbarkeit des Signals räumlich um so größer 
wird, je höher das Ohr steht. (Fortsetzung folgt.) 
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Die neue Mündung der Weichsel, 
In den letzten Jahrzehnten sind die ausgedehnten Niederungen an der 
unteren Weichsel wiederholt durch schwere Ueberschwemmungen infolge von 
Eisstopfungen im Frühling heimgesucht worden. Um diesen Uebelständen ab- 
zuhelfen, ist durch Gesetz vom 20. Juli 1888 ein Kostenbetrag von 20 Millionen 
Mark zur Regulirung der Weichsel-Mündung bereitgestellt, von welchem etwa 
ein Drittel von den zunächst betheiligten Niederungen getragen wird. Nach den 
nöthigen Vorarbeiten sind die Bauten im Jahre 1890 kräftig in Angriff genommen, 
and am 31. März d. J. ist der Weichsel-Strom glücklich in die neue Mündung 
hineingeleitet. 
Der Hauptzweck dieses grofsartigen Unternehmens ist, für die ganze Eis- 
führung der ungetheilten Weichsel einen geeigneten Weg ins Meer zu schaffen 
unter Verzicht auf die Mitwirkung der dazu ganz ungeeigneten Nogat. Zu diesem 
Behufe ist das Weichselbett von der Abgangsstelle der alten Elbinger Weichsel 
an von 17km auf 7 km verkürzt und gerade gelegt, und oberhalb dieser Stelle 
durch Zurücklegung des linken Deichs auf einer Strecke von 8!/2 km die Breite 
les Hochwasserquerschnitts auf das Doppelte vergrößert. In dem Vor- 
antwurf war für den Durchstich eine Linie gewählt, die erst beim Dorfe Einlage 
den alten Stromlauf verliefs, Nach genaueren Vorarbeiten zog man es dann 
vor, die Länge des Durchstichs fast doppelt so grofs zu machen, um ihm eine 
Jacher gekrümmte Gestalt zu geben und ihn in die sogenannte alte Binnen- 
aehrung zu legen, die fast 2 m tiefer liegt als die westlich davon befindliche 
aeue Binnennehrung, die erst im Anfang dieses Jahrhunderts eingedeicht und 
Jaher so viel höher aufgelandet ist (vgl. die nebenstehende Kartenskizze). Im 
Centralblatt der Bauverwaltung vom 3. April 1895 finden sich interessante 
Angaben über die Ausführung des großen Werkes mit mehreren Plänen und 
Profilen, auf die wir hier nur verweisen können. 
Der Durchstich ist nicht gerade, sondern nach Westen zu ein wenig konvex, 
um den Stromstrich und infolgedessen das dauernd tiefe Wasser auf der linken, 
westlichen Seite zu erhalten, auf der gegenüber dem Dorfe Einlage eine Schleuse 
nach der Danziger Weichsel nebst Hafen für Flulsfahrzeuge angelegt ist. Diese 
linke Seite ist durch ein starkes Steindeckwerk geschützt, zu dem das Material 
theilweise von den Granitbrüchen von Bornholm auf kleinen Seedampfern durch 
die Weichsel-Mündung bei Neufähr unmittelbar bis an die.Krahne oberhalb 
Einlage gebracht wurde. 
Eine wichtige Frage war, wie weit die Räumung des Stromquerschnitte 
nach Herstellung der Deiche dem Strome selbst überlassen werden Konnte. Es 
ergab sich, dafs der Boden aus so wechselnden Schichten von Thon, Sand und 
Schlick bestand, dafs die eigene Arbeit des Stromes zu langsam gewesen wäre 
und ein zu unregelmäfsiges Bett gegeben hätte, so dafs für die Schiffahrt auf 
längere Zeit grofse Störungen zu befürchten waren. Es wurde daher das Bett 
in voller Breite bis auf 2 m unter dem künftigen Mittelwasser ausgegraben, 
welche Arbeit durch mehrere, allmählich beim Nord-Ostsee-Kanal frei werdende 
Trockenbagger in sehr befriedigender Weise ausgeführt wurde. Nur im Bereich 
der Dünen begnügte man sich mit einem 50 m breiten Leitgraben, dessen Sohle 
eben bis zum Meeresspiegel hinabging und der die Dünenkette an einer nur 9m 
hohen Stelle durchschnitt, während die nebenliegenden Hügel bis zu 21m an- 
stiegen. Um dem Strom die fernere Vertiefung des Bettes auf seinen normalen 
Querschnitt zu erleichtern, wurde im oberen Theil des Durchstichs, wo sich eine 
sehr feste Thonschicht findet, diese durch einen 50 m breiten Graben, der bis 
4m Tiefe unter den künftigen Mittelwasserspiegel hinabreicht, durchstochen, um 
dem Strom Gelegenheit zu geben, die Thonbarre von der Mitte des Bettes aus 
zu unterspülen und zum Abtrieb zu bringen. 
Bezüglich der Zeit für die Eröffnung des Durchstichs war beschlossen worden, 
den Frühjahrs-Eisgang 1895 noch seinen alten Weg nehmen zu lassen, unmittelbar
	        
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