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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1895. 
Bei Rundbrennern läfst sich auch leicht eine Sichtweite von 3 Sm ohne 
Anwendung von Linsen erzielen, Beim Gebrauch von Flachbrennern dagegen 
wird das Licht einer Kugellaterne mit schlichtem Glase für gewöhnlich nicht 
über eine Entfernung von 2 Sm hinaus gut sichtbar sein. Wenn man demnach 
auch für Ankerlaternen auf die Verwendung von Linsen verzichten kann, so 
sollte man doch auf gröfseren Seeschiffen auch diese Laternen mit Linsen ver- 
sehen. Ebenso erscheint dies für Hochseefischer, deren weißes Licht 3 Sm weit 
scheinen soll, schon ihrer eigenen Sicherheit wegen geboten. Es wird Niemand 
im Ernste und mit Recht behaupten können, dafs ein Fischerfahrzeug, und wenn 
es auch noch so klein ist, die Kosten für die einmalige Beschaffung einer 
guten Kugellaterne, deren Licht 3 Meilen scheint, nicht wird tragen können. 
Die Preisdifferenz zwischen einer guten und einer schlechten Kugellaterne ist so 
gering (nur wenige Mark), dafs diese Ausgabe gegenüber der vergröfserten Gefahr, 
dei Führung eines schlechten Lichtes übergerannt zu werden, nicht in Betracht 
kommen kann, 
B. Gefärbtes Licht. 
Beziehung zwischen Sichtweite und Helligkeit. 
Grüngefärbtes Licht. 
Wie bei den photometrischen Messungen im Berichte Seite 29 des Näheren 
ausgeführt, ist es nicht möglich, die Helligkeit der farbigen Positionslaternen 
direkt in Einheiten der Hefner-Lampe zu geben, sondern nur in Bezug auf ein 
bestimmtes gefärbtes Glas. Da nun das Hefner-Licht, wenn dessen Strahlen 
durch ein grüngefärbtes Glas gegangen sind, eine zu kleine Lichteinheit giebt, 
30 wurde bei den Messungen der besseren Ausführbarkeit und der Einfachheit 
wegen die Helligkeit der Normallaterne der Seewarte, die bei gut durchsichtiger 
Luft und in dunkler Nacht eine Sichtweite von nahezu 2 Sm hat, als Vergleichs- 
einheit genommen. 
Stärkere Absorption grüngefärbten Lichtes durch die Atmosphäre. Eine 
weitere Untersuchung ergiebt, dals, wenn man die Sichtweite als proportional 
der Kubikwurzel aus der Lichtintensität annimmt, die vorliegenden Beobachtungen 
innerhalb der Fehlergrenzen, die in der Bestimmung der Entfernung liegen, fast 
yenau dargestellt werden können. Damit soll aber keineswegs gesagt werden, 
dafs dieses aus den vorliegenden Beobachtungen gewonnene Resultat über 
die Emission grüngefärbten Lichtes als physikalisches Gesetz aufgestellt werden 
kann. Dazu sind die vorliegenden Beobachtungen nicht zahlreich und der Natur 
der Sache entsprechend auch wohl nicht genau genug. Es kann aber jedenfalls 
ür die Praxis als Anhalt dienen, um die ungefähre Sichtweite einer Laterne 
mit grüngefärbtem Glase durch photometrische Messungen zu bestimmen und 
umgekehrt, die Lichtintensitäten anzugeben, welche erforderlich sind, um eine 
bestimmte Sichtweite zu erreichen. 
L. 
Auswahl eines grünen Normalglases und Bestimmung der Lichteinheit. 
Für diesen Zweck ist es allerdings nöthig, irgend ein grün gefärbtes, durch sein 
Absorptionsspektrum bestimmtes Glas zu Grunde zu legen und als Einheit die 
Summe derjenigen Strahlen der Hefner-Lampe zu nehmen, welche durch dieses 
Glas hindurchgelassen werden. 
Aus verschiedenen weiter unten (siehe Färbung der Gläser) näher erörterten 
Gründen wurde das Glas No. 23 (nahezu gleich mit No. 0) für diesen Zweck 
ausgewählt. Die Beobachtungen ergaben alsdann (vgl. photometrische Messungen, 
Seite 31 des Berichts), daß die Lichtintensität der Normallaterne der Seewarte 
— 13,5 dieser Einheiten betrug. 
Um die Helligkeitszahlen in den Tabellen des Originalberichtes auf diese 
Einheit zu reduciren, müssen dieselben also mit 13,5 multiplicirt werden, und 
man erhält zur Bestimmung der Sichtweite (S) einer Laterne nach dieser Einheit 
die Formel: 
Ss VI = 048 3 
V13,5 
d. h. die angenommene Einheit für grüngefärbtes Licht ist 0,78 Sm sichtbar.
	        
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