Segelanweisung für die Mansa-Bai.
Der nördliche zwischen der Halbinsel Boma und dem Festlande gelegene
Theil verengt sich nach und nach zum Mansa-Kanal (Mto Mansa).
Im Westen erweitert sich die Bai zur Mkumbi-Bucht (Pani Mkumbi), von
welcher der Mandussi-Kanal ausgeht. Letzterer schneidet in nordwestlicher
Richtung ziemlich weit in das Land ein; er wird in seinem mittleren Laufe
Mto Kombe und im nördlichsten Mto Ndogo genannt. Südlich und westlich
zweigen sich von ihm der Malehe- und Doda-Kanal ab. Im SW steht die
Mansa-Bai durch einen flachen Arm mit der Kiwokoni-Bucht und durch diese mit
der Kuale-Bai in Verbindung.
Die Insel Mnasini (in den englischen Seekarten Kuale genannt) ist ein
gehobenes Korallenriff, liegt durchschnittlich 6 m über Hochwasser und ist überall
mit undurchdringlichem Buschwalde bedeckt. Das östliche Ufer besteht aus steil
abfallendem Korallenfels, die an die Baien stofsenden Ufer sind von Mangrove-
dickicht umgeben, Die nordöstliche Ecke der Insel besteht aus mehreren zerstreut
auf dem Riff liegenden Felsen, von denen der nördlichste das Ras Mnasini bildet.
Mnasini hat kein Wasser und ist unbewohnt.
Die Halbinsel Boma ist von derselben Beschaffenheit wie Mnasini, aber
ein wenig höher, 8 bis 10 m, der südliche Theil ist gleichfalls wasserlos und
unbewohnt. Die Südspitze, Ras Mawe mawili (Kap der zwei Felsen), macht
sich durch zwei in 300 m Abstand vom Ufer auf dem Landriff liegende Felsen
bemerkbar.
Die Küste des Festlandes hat überall an der Bai einen flachen von
Mangroven umgebenen Strand. An mehreren Stellen stehen Strecken Landes bei
Springfluth unter Wasser. Der Boden ist hier salzhaltig und ohne Pflanzen-
wuchs, aber nicht sumpfig. Die Eingeborenen graben Löcher in denselben und
gewinnen aus dem stark salzhaltigen Wasser, welches sich hierin sammelt, durch
Kochen Salz. Abgesehen von diesen Stellen, steigt das Land hinter dem Man-
grovegürtel langsam an. In der Nähe der Dörfer befinden sich Kokospalmen,
Mangobäume..und Pflanzungen (meist Maniok), sonst herrscht überall die ein-
förmige Baumsteppe, d. h. ein Grasland, welches mit einzelnen Bäumen und
Sträuchern bestanden ist. Da diese Steppe an der Küste durch den dichten
Mangrovewald verdeckt wird, so hat es von See aus oft den Anschein, als ob
das ganze Land mit zusammenhängendem Walde bedeckt sei. Die englischen
Karten wenden daher auch häufig genug die falsche Bezeichnung densely oder
thikly wooded für solche Landstriche an, wo von einer dichten Bewaldung nicht
die Rede ist.
Ein undurchdringlicher Buschwald befindet sich dagegen auf allen den der
Küste vorgelagerten Inseln und Halbinseln, welche durch gehobene Korallenriffe
entstanden sind. Ein solcher Wald enthält wenige oder gar keine Stämme, die
als Nutzholz dienen könnten, dagegen einige als Brennholz verwendbare Baum-
und Straucharten. In diesen Dickichten kommen verschiedene Arten kleiner
Antilopen, Wildschweine, Leoparden und viele Schlangen vor.
Bäche und Quellen sind an den Ufern der Bai nicht vorhanden; auf dem
Festlande geben jedoch Brunnen oft schon in geringer Tiefe Wasser. .
Am westlichen Ufer und an den Kanälen liegen zahlreiche Dörfer, die
meistens durch Steinmauern befestigt sind. Der gröfste und bedeutendste Ort ist
das am Ende eines langen Kanals gelegene Mansa, welches 800 bis 1000 KEin-
wohner haben mag, worunter etwa 12 indische Händler. Bei Hochwasser gehen
die gröfsten Dhaus bis nach Mansa hinauf, und der Ort hat, nach der Anzahl der
aus- und einlaufenden Fahrzeuge zu schliefsen, einen beträchtlichen Handelsverkehr.
Die Produkte sind Hirse (mtama), etwas Reis, Kopra und Kautschuk.
Nächst Mansa sind Doda, Kitschalikani und Kuale die bedeutenderen
Dörfer, in welchen gleichfalls indische Händler wohnen. Kleinere Dhaus gehen
durch den Mandussi-Kanal bis nach Doda.
Die Eingeborenen der Küstendörfer sind Wassegeju, landeinwärts wohnen
die Wadigo. Die Gegend gehört zum Gouvernementsbezirk Tanga,
An Lebensmitteln sind Rindvieh, Schafe, Ziegen, Hühner, Eier und Fische
in kleinen Mengen käuflich, brauchbares Wasser ist dagegen nicht vorhanden,
Die Mansa-Bai bietet bei durchschnittlich 15 m Tiefe in völlig glattem
Wasser nach allen Seiten geschützte Ankerplätze. Sie ist trotzdem den See-
winden zugänglich und infolgedessen kühler als irgend ein anderer Hafen
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