Ballonfahrten in die Region der Cirruswolken.
nach seiner Rechnung 8840 m, bei Zugrundelegung der wahrscheinlich richtigeren
Temperatur (vgl. unten) aber ca 8500 m, Tissandier hat schon in ca 7000 m
das Bewufstsein und. seine beiden Begleiter in ca 8200 m das Leben. verloren.
2. Die Feststellung einer ungemein niedrigen Temperatur, — 48° C, in
dieser Höhe und einer viel stärkeren Temperatur-Abnahme zwischen 1500 m und
9200 m (0,7° C auf 100 m), als man bisher für den Winter angenommen hat. In-
folge wohl des nicht genügenden Ausschlusses der Strahlung hatte Glaisher als
niedrigste Temperatur in 8000 m — 20,6° € gefunden, in welcher Höhe auf der
„Phönix Fahrt — 881/2° waren, und Tissandier in 7000 m sogar angeblich
nur — 11° C.
3. Die Umkehr der vertikalen Temperatur-Abnahme unterhalb 1500 m 8o-
wohl am Morgen als am Abend — ein interessantes, wenn auch im Winter schon
oft beobachtetes Phänomen.
4. Verhältnifsmäfsige Feuchtigkeit der höchsten Schichten und feiner Dunst
am Himmel bis über 10000 m hinauf und, wahrscheinlich im Zusammenhange
damit, sehr schwache Insolation, selbst auf der gröfsten Höhe, im Gegensatz zu
vielen anderen Fahrten.
5. Die Schneeflocken-Struktur der Cirrostratuswolke in 9000 m.
6. Die starke Zunahme der Windgeschwindigkeit nach oben: bei nahezu
Windstille auf der Erde legte der „Phönix“ in 5 Stunden 17 Minuten über
310 km zurück, was einer mittleren Geschwindigkeit von 16’/s m p. S. entspricht.
Die Wetterkarte ergiebt am 4. Dezember ein barometrisches Minimum am
Kanal, Maxima am Schwarzen Meere und in Schweden, eine östliche schwache
Luftströmung am Erdboden über ganz Mitteldeutschland und südlichen Zug der
oberen Wolken in Kaiserslautern (Cir-str) und in Bamberg (Cir-cu). Dement-
sprechend war auch der Flug des Ballons in der untersten Schicht nach WNW,
in der obersten nach Nord gerichtet. W. K.
185
Studien über Nebelsignale.
Dritte Mittheilung.
Von Prof. Dr. H. MOHN in Christiania.
(Hierzu Tafel 3.)
Die Untersuchungen über Nebelsignale, welche ich imJahre 1890 Gelegenheit
hatte bei Färder zu machen,!) führten mich zu dem Studium der Fortpflanzung
des Schalles in einer über dem Meere liegenden Luftschicht, in welcher die Fort-
pflanzungsgeschwindigkeit sich gleichförmig mit der Höhe änderte und auf .der-
selben Weise in allen in Frage kommenden Vertikallinien.
Unter diesen Studien war es mir nicht unbekannt, dafs man Schall-
erscheinungen beobachtet hatte, welche nicht wohl erklärt werden könnten durch
solche Zustände in der Atmosphäre wie diejenigen, welche ich in meinen Färder-
Studien betrachtet hatte. Namentlich aus Amerika lagen Beobachtungen der
Hörbarkeit des Schalles von Nebelsignalstationen vor, welche als „anomale“
Phänomene bezeichnet wurden, und unter diesen wurde hervorgehoben als das
auffallendste die keineswegs seltene Beobachtung, dafs der Schall zu Luvard
vom Schallgeber in einem gröfseren Abstand gehört werden könnte
als in Lee. Der Gedanke war naheliegend, dafs man in solchen Fällen mit
einem oberen Luftstrom zu thun hätte, welcher in entgegengesetzter Richtung des
Windes an der Erdoberfläche wehte.
. nie Untersuchungen über Nebelsignale, welche in Amerika von Prof,
Joseph Henry von 1865 bis 1877 gemacht worden sind, finden sich im Zusammen-
bang beschrieben in „Annual Report of the Board of Regents of The Smithsonian
Institution for the year 1878“, Seite 455 bis 559. In diesen interessanten Ab-
handlungen findet man eine Reihe von Beobachtungen, welche auf dieselbe Weise
erklärt werden können wie diejenigen von mir bei Färder gemachten.
1) Diese Annalen, 1892, S. 85,
Ann. dä. Hydr. ete.. 1895. Heft V.