In
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1895.
Neben den beiden Eingeborenen- Stämmen wohnen in allen größeren
Dörfern indische Händler und aufserdem zerstreut im ganzen Gebiete einzelne
Araber. Letztere nehmen fast immer eine bevorzugte herrschende Stellung ein.
Eine Staatenbildung besteht nicht, gewöhnlich hat jedes Dorf seinen Häuptling
oder Aeltesten, Jumbe genannt, nur selten gebietet ein solcher Jumbe über
mehrere Dörfer. Zur Zeit untersteht das ganze Gebiet dem Bezirksamt Tanga.
Die Jumbe empfangen ihre Weisungen vom Bezirkshauptmann, der auch die
gesammte Gerichtsbarkeit ausübt,
Die landesübliche Bewaffnung sind Bogen und Pfeile, und die Eingeborenen
gehen nie über Land, ohne diese Waffen mit sich zu führen. Daneben sind
Gewehre, sowohl Vorderlader wie Hinterlader, in geringer Zahl vorhanden.
Bei einem zu Anfang des Jahres 1892 stattgehabten Aufstande haben die
Wadigo der Schutztruppe bedeutenden Widerstand geleistet,
Im Allgemeinen sind die Eingeborenen jedoch fügsam und wenig kriegerisch.
In der Nähe der Küste reisen Europäer überall in völliger Sicherheit.
Segelanweisung für die Moa-Bai.
Vom Kommando S. M. Krzr. „Möwe“.
Die Moa-Bai wird von den Eingeborenen Pani Kibombo genannt und ist
in den englischen Seekarten als Gomani-Bai angegeben. (Die Benennung Moa-
Bai wurde gewählt, weil dieselbe unter den hiesigen Deutschen bereits ge-
oräuchlich geworden ist.) Sie wird begrenzt im Norden von der Insel Kirui,
im Westen von der Küste des Festlandes, im Süden von der Halbinsel Gomani.
Nach Norden zu geht die Bai nach und nach in den die Insel Kirui vom Fest-
lande trennenden Kijiru-Kanal (Mto Kijiru) über. Im westlichen Theile liegt die
kleine Insel Mgosine, westlich von dieser die Mündung des Kidjirini-Kanals (Mto
Kidjirini) mit der Insel Gulio. Bei Hochwasser erscheint die Bai als ein ge-
räumiges Wasserbecken, ist jedoch zum gröfsten Theile von Korallenriffen aus-
zefüllt und nur in einer schmalen Rinne kleineren Dampfern zugänglich. An
ihren Ufern sind nur zwei Dörfer sichtbar, in der nordwestlichen Ecke Moa und
am Südufer, nicht weit von der Einfahrt, Gomani.
Die Insel Kirui ist ein gehobenes Korallenriff, dessen Oberfläche durch-
schnittlich 10 m über Hochwasser liegt. ‚Der Korallenfels wird überall nur von
einer dünnen Schicht Ackererde bedeckt. Trotzdem ist die ganze Insel mit
einem undurchdringlich dichten Buschwalde mit Bäumen bis zu 15 m Höhe über
dem Boden bestanden. Süfswasser ist nicht vorhanden. Die Eingeborenen fangen
das von den Dächern ihrer Hütten herablaufende Regenwasser in Thonkrügen
auf; fällt kein Regen, so mufs alles Trinkwasser vom Festlande geholt werden.
Im südlichen Theile liegt das Dorf Kirui, dessen Jumbe (Häuptling) Gebieter
mehrerer umliegender Dörfer zu sein behauptet. Das östliche Ufer besteht aus
senkrecht abfallendem nackten Korallenfels von durchschnittlich 8 m Höhe über
Hochwasser, die südlichen und westlichen Ufer sind von Mangroven umgeben.
Die Halbinsel Gomani ist gleichfalls durch ein gehobenes Korallenriff
gebildet worden, hat dieselbe Höhe und ist in derselben Weise bewaldet. Ebenso
fällt der Korallenfels an ihrer Ostküste steil ab, während die Ufer an der Bai
and den Kanälen von Mangroven umgeben sind. Auf dem nördlichen Theile
von Gomani befinden sich mehrere Dörfer, Trinkwasser ist auch hier nicht vor-
handen, die Eingeborenen behelfen sich ebenso wie auf Kirui mit aufgefangenem
Regenwasser oder holen ihr Wasser vom Festlande.
Die Ufer des Festlandes sind überall, wo sie an die Moa-Bai und die
mit dieser in Verbindung stehenden Kanäle grenzen, sehr niedrig und von Man-
groven eingefafst. Hinter dem Mangrovegürtel liegt fast überall eine mehrere
Hundert Meter breite Strecke, welche bei Springfluth überschwemmt wird. Der
Boden ist hier stark salzhaltig und ohne Pflanzenwuchs, jedoch nicht sumpfig,
besteht vielmehr aus festem Sand oder Kies. Hinter diesem Ueberschwemmungs-
gebiet steigt das Land allmählich an und zeigt den Charakter einer hügeligen
Baumgruppe mit einzelnen Pflanzungen (Mtama, Reis, Maniok und Sesam).