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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1895.
Dabei regnete es in Strömen. Von 3 Uhr nachmittags an nalım der Wind
allmählich ab, ohne vorerst seine Richtung weiter zu ändern, während der Regen
noch ungeschwächt anhielt. Um 8 Uhr abends hatte die Windstärke bis 6 ab-
genommen, als die Richtung des Windes SSE war und der Luftdruck wieder
bis 756,9 mm zugenommen hatte. Da die Gefahr damit vorüber war, so lichteten
wir den einen Anker wieder.
Manila lag auf der rechten Seite der Bahn des Orkanfeldes, welches sich
anscheinend in nordnordwestlicher Richtung vorwärts bewegte. Die Berichte
von drei Segelschiffen, welche am 18. November in der Bai von Manila ankamen,
bestätigten die obige Annahme und ließen ferner erkennen, dafs das Centrum
nahezu über die Insel Corregidor oder eben aufserhalb derselben passirt sel.
Das eine dieser Schiffe, welches etwa 5 Sm im Westen der genannten Insel
stand, hatte zuerst eine Windänderung von NNW auf NNE, dann eine halb-
stündige Windstille und darauf Orkan aus WSW. Bei den beiden anderen
Schiffen, die noch etwas westlicher standen, fand eine Windänderung von NNW
durch West nach Süd statt. Das erste Schiff befand sich ungefähr recht in der Bahn
des Centrums, die beiden anderen standen links von derselben. Die Schiffe hatten
in dem Orkane mehrere Segel, Raaen und sonstige Gegenstände verloren. Eins
derselben war erst tags zuvor von Manila in See gegangen und mufste nun
zurückkehren.
Taifun am 24. und 25. November 1891. Am 21. November 6 Uhr
abends wurde die Rhede von Manila verlassen und die Reise nach Marseille
angetreten. In der China-See wurde zunächst ein frischer bis starker südöstlicher
Wind angetroffen, der bei schwankendem Barometer und böigem regnerischen
Wetter im Laufe des Nachmittags des 23. November auf Ost holte und in der
folgenden Nacht bis zum Sturme ’zunahm. Um 12 Uhr in der Nacht vom 23.
zum 24, November stand „Africa“ auf 11,8° N-Br und 113,7° O-Lg, woselbst bei
sinem Luftdruck von 756,0 mm (red.) der von heftigen Regenböen begleitete
Wind Ost 8 war. Bei nur verhältnilsmäfsig geringer Abnahme des Luftdrucks
entwickelte sich der Sturm in den folgenden Wachen zu einem Orkane. Am
24. November 4 Uhr morgens zunehmender Sturm, bei drohender Luft mit
Regenböen; hohe wilde See. Gegen 10'% Uhr vormittags nahm der Sturm eine
orkanartige Stärke an, die See war sehr wild und hoch, so dafs das Schiff schwer
arbeitete und viel Wasser an Deck nahm. Die Marssegel waren schon vorher
zerrissen. Da wir befürchteten, in die Nähe des Centrums zu gerathen, so
drehten wir über Backbordbug bei und fuhren langsam. Um 12 Uhr mittags
den 24. war der Schiffsort nach der Loggerechnung 10,8° N-Br und 112,4° O-Lg;
der Wind wehte mit der Stärke 11 aus EzN bei einem Luftdruck von 750,9 mm.
Sobald das Schiff beigedreht lag, begann das Barometer etwas zu steigen, die
Stärke des Windes liels etwas nach, und die See wurde ruhiger, Von 1* 30" p
an wurde wieder unter voll Dampf nach SW gesteuert; eine halbe Stunde
später war aber auch das Barometer bereits wieder um 0,5 mm gefallen und der
Sturm hatte abermals Orkanstärke angenommen. Die See lief gewaltig hoch,
und die Luft war dick von Regen. Um 3* 30" p erreichte das Barometer
mit 748,6 mm seinen niedrigsten Stand, um 4" p war es bereits wieder um
1,1 mm gestiegen, wohingegen der Wind aus ESE mit Stärke 12 noch zuge-
nommen hatte. Da es somit schien, dafs wir auf Südwestkurs recht in das
Centrum hineinlaufen würden, so drehten wir wieder über Backbord bei und
liefsen die Maschine langsam arbeiten. Wir lagen bis 10 Uhr abends nordwärts,
während welcher Zeit das Barometer im Steigen verblieb und der Orkan bis zur
Stärke eines vollen Sturmes abnahm und nahmen dann unsern Südwestkurs
wieder auf. Um 12 Uhr nachts war der Schiffsort 10,8° N-Br und 112,0° O-Lg;
der Wind wehte noch mit der Stärke eines vollen Sturms von EzS bei 755,8 mn
Luftdruck. Am Morgen des 25. November nahm er jedoch wieder zu und um
10 Uhr vormittags war er bereits wieder orkanartig. Die Windstärke (11) blieb
unverändert bis 12 Uhr mittags, auf 10,3° N-Br und 111,1° O-Lg, während das
Barometer bis 756,4 mm (red.) gestiegen war. Da das Schiff in der fürchterlich
hohen See schwer arbeitete und dem Ruder nicht ordentlich gehorchen wollte,
350 wurde es um 8'a über Steuerbord beigedreht. Es traten häufig schwere
Böen mit heftigem anhaltenden Regen auf. Das Barometer war unter leichten
Schwankungen im Steigen begriffen. Von Mittag an wurden Wind und See