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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1895, 
Versuche über das Glätten der See durch Seifenwasser, aus- 
geführt an Bord von S. M. Schiffen. © 
Von dem Kommando der Kreuzer-Division gingen folgende Berichte ein: 
1. Bericht des Kommandos 5. M. $S. „Iltis“. 
Am 3. Oktober 1894 bot sich eine Gelegenheit, auf der Rhede von Tshifu 
einen Versuch mit Seifenwasser zum Glätten der See anzustellen. Der Wind 
war böig, Stärke 5 bis 7, Seegang 4 bis 5. Zur Anwendung gelangte Seifen- 
wasser von der Mannschaftszeugwäsche; dasselbe war weich, enthielt eine grofse 
Menge Seife und trat aus an den Backspieren aufgehängten Blechbüchsen 
durch Löcher aus. Die anfänglich feinen Löcher verstopften sich bald infolge 
der in dem Seifenwasser enthaltenen Schmutztheilchen. Auch als die Löcher 
so grofs gemacht waren, dafs die Ausflulsmenge 5 1 in 5 Minuten betrug, 
trat bald Verstopfung ein; selbst in diesem Falle war die Wirkung des 
Seifenwassers noch sehr gering. Erst als 101 in 5 Minuten ausliefen, wurde 
ein glatter Streifen von 4 bis 5 m Breite und ca 100 m Länge erzielt. Dieselbe 
Wirkung wurde jedoch durch eine geringe Menge Schmieröl, welches tropfen- 
weise aus einem Oelsack austrat, hervorgerufen. Die zur Anwendung gelangte 
Seife war gewöhnliche Stangen-Waschseife. 
2. Bericht des Kommandos 5. M. 8. „Alexandrine‘“. 
Am 6. März 1894, während S. M. S. „Alexandrine‘“ auf der Rhede von 
Flores im La Plata vor Anker lag, wurde mit dem von der Zeugwäsche der 
Mannschaft zurückgebliebenen Seifenwasser der erste Versuch gemacht, die See 
zu glätten... Es wehte zu der Zeit ein Pampero von Stärke 8, die See lief 
1,0 bis 15m hoch und der geringen Wassertiefe entsprechend kurz. Als 
geeignetes Versuchsobjekt bot sich ein Kutter der österreichischen Korvette 
„Grinyi“, welcher im Kielwasser S. M. S. „Alexandrine“ aufzupullen versuchte, 
gegen Wind, See und Strom aber nicht mehr ankam. Gleichzeitig mit dem 
Ausstecken einer Manilaleine mit Boje wurde das Seifenwasser in reichlichem 
Mafse über Bord gegossen. Das Seifenwasser vertheilte sich nur wenig auf 
der Oberfläche der See, ein bemerkbares Glätten der See fand nicht statt. 
Am 8. November 1894, während einer Fahrt von Ta-Lien-Whan nach 
Tshifu wurde ein zweiter Versuch mit besonders zu diesem Zweck aus weißer 
Marineseife angerührtem Seifenwasser gemacht. Es wehte Nordnordwestwind 
von Stärke 8, der Kurs des Schiffes war SzW'/sW, die Fahrt 12 Sm, die See 
lief so hoch, dafs Spritzer auf die Kampagne kamen. Das Seifenwasser wurde 
durch beide Ausgüsse auf die See geleitet. Von einer Vertheilung des Seifen- 
wassers auf der See und einem Glätten der See war nichts zu bemerken, auch 
nicht, nachdem die Seifenlösung auf 6°%o verstärkt war. Das Seifen der See 
wurde ohne Wissen der Beobachter wiederholt unterbrochen und wieder auf- 
genommen, die Unterbrechungen wurden nicht bemerkt. Oel ist wiederholt an 
Bord gebraucht worden. 
So wurden auf der Reise von Kapstadt nach Rio de Janeiro bei schwerem 
Südweststurm, während das Schiff unter Dampf und Sturm-Schratsegeln beilag, 
DOelsäcke zum Glätten der See benutzt, die neben bequemer. Handhabung auch 
eine sichtbare Wirkung hatten, wenn letztere auch nicht vollkommen sein konnte, 
weil dem Schiff infolge seiner großen Neigung zum Abfallen zu viel Fahrt ge- 
geben werden mulfste, 
Mit sehr gutem Erfolg wurde ferner ein Oelsack zum Glätten der See 
verwandt, als am 26. November 1894 ein Detachement auf der Taku-Rhede mit 
einem Kutter vom verankerten Schiff nach einem Schleppdampfer übergesetzt 
werden mulfste, der sich an einer über das Heck ausgesteckten Trosse festgemacht 
‚ Vgl, Annalen 1894, S. 232
	        
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