Eggers: Das Küstenklima von Ecuador.
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Jahreszeiten vornehmen möchten, wodurch unsere Kenntnisse der klimatischen
Verhältnisse dieser Gegenden ungemein bereichert werden würden.
Während die geringen Höhenunterschiede im Küstenlande von HEeuador
wie auch die verschiedene Beschaffenheit des Substrats nicht von hinlänglicher
Bedeutung sind, um größere Abweichungen in der Vegetation der .betrefenden
Gebiete zu verursachen, eind dagegen, wie bereits angedeutet, die grofsen Ver-
schiedenheiten in Bezug auf die atmosphärische Feuchtigkeit von desto durch-
greifenderer Wichtigkeit und bewirken, daß man in diesem Littoral oft auf
einander nahe gelegenen Landstrichen ganz verschiedene Vegetationsformen an-
trifft, vom feuchten triefenden Urwalde am Fufse der Anden durch trockene
Buschwälder und Savannen auf Pund zu den fast wüstenartigen Einöden um
Sta. Elena und wiederum durch die laubfällenden Wälder von Manta und Bahia
bis zu den ewig grünen Hochforsten und wildwachsenden Kakaogruppen
hinter Canoa. !)
Notizen.
1. Untiefe auf der Campeche-Bank. Kapt. W. Frerichs von der
deutschen Bark „Aeolus“ berichtet: „Am 3, Mai 1894 um 3 Uhr nachmittags,
als wir uns, nach Tabasco bestimmt, auf der Campeche-Bank nach guten Beob-
achtungen in 22° 2’ N-Br und 88° 30‘ W-Lg befanden, segelten wir über eine
Korallenbank hinweg, die, wie es schien, mit Seetang bewachsen war und in
südlicher Richtung sich weit ausdehnte. Von Ost nach West erstreckte sich die
Bank nur etwa drei Schiffslängen”) weit. Die gelothete Wassertiefe betrug
5 Faden (9 m), doch war dem Anscheine nach der Boden sehr uneben; die Er-
höhungen und Vertiefungen ‚verliefen, wie man deutlich sehen konnte, von
Nord nach Süd. Nach späteren guten Beobachtungen ergab sich der angenommene
Stand und Gang unseres Chronometers als richtig.
Höchst wahrscheinlich ist diese Untiefe identisch mit der im „West India
Pilot“, Vol. I, als zweifelhaft bezeichneten Iphigenia-Bank, deren Lage dort zu
21° 50‘ N-Br und 88° 36‘ W-Lg angegeben, in der von mir benutzten Karte vom
Jahre 1893 aber auf 21° 59‘ N-Br und 88° 35’ W-Lg verzeichnet ist.“?)
2. Ausbruch von Gelbfieber auf See. An Bord der von Kapitän
Moeller geführten Hamburger Bark „Dorothea“ herrschte im März 1894 während
der Reise von Guayaquil nach Punta Arenas das gelbe Fieber in hohem Grade.
Als dies Schiff nach vierwöchentlichem Aufenthalte den Hafen von Guayaquil
verliefs, war die ganze Mannschaft noch gesund, während bei anderen im Hafen
liegenden Schiffen durch gelbes Fieber verursachte Todesfälle vielfach statt-
gefunden hatten. Unter anderen Schiffen hatte dort die dänische Bark „Henny“
ihren Kapitän und zwei Mann, eine englische Bark den Kapitän und drei Mann
verloren; bei einem chilenischen Schoner waren der Kapitän und vier Mann
erkrankt. Kapt. Moeller nahm zu dem im Schiffe befindlichen Ballast in
Guayaquil nicht mehr hinzu, nur um den üblen Einflufs, den der in diesem Hafen
4) Nach Dr. Hettner („Regenvertheilung, Pflanzendecke und Besiedelung der tropischen
Anden“, Separat-Abdruck aus der v. Richthofen’schen Festschrift, 1893, S. 197 bis 233) hat die
Westküste von Columbien, südlich von 7° N-Br, doppelte Regenzeit, jene von Ecuador aber einfache
Regenzeit im südhemisphärischen Sommer und Herbst. Die Provinz Esmeraldas „ist regenreich, und
es regnet auch während der Trockenzeit ziemlich viel. Weiter südlich dagegen, in den Provinzen
Manabi und Guayaquil, ist, wenigstens im Tieflande, der Regenreichthum geringer, und es lassen
sich deutlich eine Regenzeit und eine Trockenzeit unterscheiden, von denen jene mit dem Sommer,
diese mit dem Winter der südlichen Halbkugel zusammenfällt, Während der Trockenzeit herrschen
südliche und südwestliche Winde, die gewöhnlich um Mittag zu wehen anfangen und bis 5 Uhr
morgens anhalten; am Morgen und am Vormittag stellt sich dann in der Nähe der Küste, ein
Schwacher Landwind ein. In dieser Jahreszeit regnet es selten, obgleich der Himmel mitunter
Wochen lang mit Wolken bedeckt ist; nur in unmittelbarer Nähe der Küste bilden sich dichte Nebel,
die sogenannten Garuas, Die Regenzeit ist westlich von Guayaquil und im südlichen Theil von
Manabi sehr kurz, denn sie beginnt erst im Februar und zieht sich nach sechs Wochen, in denen
vier oder sechs starke Güsse und einige schwache Regen fallen, schon wieder zurück; der Wind
weht in dieser Zeit von Nord und NW, ist aber viel schwächer als der Sommerwind, und häufig
tritt völlige Windstille ein“. D. Red.
®) Nach den Dimensionen des „Aeolus“ ungefähr 120 m. ;
3) Laut „Nachrichten für Seefahrer“, Jahrg. 1889, No. 2079, stiels in ungefähr derselben
Länge, aber weiter südwärts, auf 21° 46‘ N-Br und 88° 24' W-Lg der Dampfer „Alert“ auf eine
Untiefe mit 4,6 m Wasser.