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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Eggers: Das Küstenklima von Ecuador. 
1583 
drei; Monate Juli—September: 1893 : auf. Recreo im. Ganzen nur, 245 Stunden 
Sonnenschein beobachtete, oder nur 2'/a Stunden durchschnittlich im Tag, und 
dies obendrein fast immer nur in den späteren Nachmittagsstunden gegen Sonnen- 
untergang, während die Morgen meistens die gleich zu erwähnenden Staubregen 
brachten und der übrige Theil des Tages zwar trockenes, aber durchweg trübes 
Wetter hatte. Dies gilt indefs nicht von der ganzen äufseren Küstenzone, wie 
ich sogleich bei der näheren Besprechung der Niederschläge erörtern werde, 
indem ein grofser Theil derselben zwar bewölkten Himmel, aber keinen.Staub- 
regen während der genannten Periode aufweist. Die Ursache dieser Bewölkung 
ist ebenso wie .an der peruanischen Küste im KEinflufs der Humbolät-Strömung 
zu suchen; während aber in Peru diese Ueberwölkung mit den sporadisch auf- 
tretenden, als Garuas bekannten Potenzirungen. derselben, welche die Formen 
von Nebel und zuweilen eines feinen Sprühregens annehmen, der Hauptsache 
nach die. einzige Form der atmosphärischen Niederschläge ist, hat das ganze 
Küstengebiet von Ecuador aufserdem noch eine seiner Intensität und Dauer nach 
zwar sehr verschiedene, jedoch selbst an den am wenigsten begünstigten Orten 
noch immer deutlich ausgesprochene Regenzeit, den Invierno, die vom Dezember- 
Januar bis zum Juni dauern kann. Der Einflufs der kälteren Meeresströmung 
zeigt sich in analoger Weise wie in Peru mit Bezug auf die solstitiale Regenzeit 
im ecuadorianischen Tieflande in der Weise, dafs die aufserhalb des Bereiches 
der Strömung befindlichen Gegenden, also die innere Küstenzone längs der Ost- 
seite des Golfes ebenso wie die äufsere nördliche, von Cojimies bis nach Columbien 
hin und das ganze hintere Tiefland eine lange, oft bis über sechs Monate an- 
haltende Regenzeit mit reichlichen Niederschlägen hat, während das äufsere 
Küstengebiet, welches mehr oder. weniger noch die Wirkungen des Humboldt- 
Stromes spürt, im Wesentlichen eine weit kürzere Regenzeit von häufig nur 
2 bis 3 Monaten und mit unbedeutenden Niederschlägen besitzt. 
Obgleich sich bei der gänzlichen Abwesenheit von sicheren Messungen 
der Niederschläge keine genauen Angaben in Zahlen über die Regenmengen der 
verschiedenen Gegenden machen lassen, bietet doch der scharf ausgesprochene 
Charakter der Vegetation, sowohl der spontanen als der angebauten, hinlänglich 
sichere Anhaltspunkte, um in dieser Beziehung einigermafsen zuverlässige Schlufs- 
folgerungen machen zu können. Während einerseits der frische, tiefgrüne Urwald 
und die reichen Anpflanzungen von Kakao, Kaffee u. A. von ausgiebigen Nieder- 
schlägen zeugen, sprechen andererseits das dornige Gestrüpp, die hohen Kaktus, 
die den gröfsten Theil des Jahres laublosen Bäume sowie die Abwesenheit des 
Ackerbaues ebenso deutlich von dem Mangel der atmosphärischen Feuchtigkeit. 
Diese dürre Zone, die sich über drei Breitengrade von Pund bis zum 
Aequator erstreckt, hat indeßs einzelne Gebiete, die zwar mit Rücksicht auf den 
allgemeinen Charakter der Regenzeit von den übrigen Theilen nicht sehr ver- 
schieden sind, durch das völlig abweichende Gepräge des Veranos aber sich so 
sehr unterscheiden, dafs dieselben eine ganz andere Natur darstellen und in ihrer 
Vegetation sich stark dem inneren Küstengebiet und dem hinteren feuchten Tief- 
lande anschliefsen. 
Es sind dies die Gebiete der Garuas, in welchen während der Monate 
Juni— November fast tägliche, meistens Staubregen ähnliche, häufig aber auch 
den Charakter von starken Landregen annehmende Niederschläge stattfinden, 
welche der Pflanzenwelt auch aufserhalb der Regenzeit die zum ununterbrochenen 
Gedeihen nöthige Feuchtigkeit sichern und selbstverständlich der ganzen Natur 
ein von den regenarmen Gebieten sehr abweichendes Gepräge aufdrücken, 
Diese Garuas, die im Gegensatz zu den peruanischen fast nie als eigentliche 
Nebel auftreten, sind am häufigsten während der Nacht und in den Morgenstunden, 
was sich aus der niedrigeren Temperatur dieser Tageszeiten erklärt, gegen 
Mittag. wird der Tag infolge der größeren Erwärmung der Luft gewöhnlich 
trocken, aber nicht heiter, sondern, wie bereits erwähnt, fast durchgehend über- 
wölkt, im Gegensatz zu der eigentlichen Regenzeit, in welcher die Niederschläge 
zwar auch in der Regel des Nachts und in den Morgenstunden stattfinden, der 
übrige Tag aber meistentheils sich durch starken Sonnenschein kennzeichnet. Es 
läfst sich denken, dafs unter diesen Umständen der Feuchtigkeitsgehalt der Luft 
ein sehr bedeutender sein ‚muß, was sich auch sowohl an der reichen Flechten- 
und Luftalgenvegetation der Küste als an dem schnellen Verrosten des Eisens; 
Ann, d. Hydr. ete., 1895, Hoft IT.
	        
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