Fulst: Ueber die Berechnung nautisch-astronomischer Aufgaben,
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befinden. In diesem Falle kann man sagen, daß die Rechnung mit vierstelligen
Logarithmen die Genauigkeit des Resultats überhaupt nicht mehr merklich
beeinträchtigt. Hier leisten vierstellige Logarithmen dasselbe, was mehrstellige
Logarithmen leisten,
Dafs von den übrigen Aufgaben der nautischen Astronomie die Azimuth-
and Amplitudenbestimmungen, bei denen es auf einen Fehler von einigen
Minuten nicht ankommt, und die Nebenmittagsbreite, bei der ein sehr kleiner
Winkel mit Hülfe des Sinus bestimmt wird, sich mit vierstelligen Logarithmen
berechnen lassen, bedarf nach diesen Auseinandersetzungen kaum der Erwähnung,
Die Berechnung der Höhe eines Gestirns läfst sich nach verschiedenen Methoden
mit vierstelligen Logarithmen ausführen (vergleiche des Verfassers Abhandlung:
„Ueber die in der nautischen Astronomie gebräuchlichen Methoden zur Berechnung
der Höhe eines Gestirns“, Jahrgang 1894, Heft XII dieser Zeitschrift). Bei der
Mittagsverbesserung aus gleichen Sonnenhöben sowie bei den indirekten
Methoden der Reduktion der Monddistanzen, bei denen kein Winkel, sondern
eine Zahl logarithmisch bestimmt wird, ist die Verwendbarkeit vierstelliger Loga-
ritbhmen längst erwiesen, so dafs mehrstellige Logarithmen hier kaum noch Ver-
wendung finden.
Unter den zahlreichen Lösungsmethoden der Aufsenmittagsbreite
endlich werden sich die meisten ebenfalls mit Hülfe vierstelliger Logarithmen
mit genügender Schärfe berechnen lassen. Unzweifelhaft gilt dies von den
indirekten Lösungsmethoden, bei denen die Aufgabe zurückgeführt wird auf
eine mehrmalige Berechnung des Stundenwinkels (Sumner, Lalande) oder auf
eine Berechnung des Stundenwinkels, verbunden mit einer Nebenmittagsbreite
(Borda), da bei diesen Berechnungen vierstellige Logarithmen angewandt werden
können. Ob sich auch die direkten Methoden dieser Aufgabe mit Hülfe vier-
stelliger Logarithmen berechnen lassen, läßt sich nicht so leicht übersehen, da
hierbei eine Anzahl von Hülfswinkeln zu bestimmen sind, deren Fehler sich
nachher im Resultat sehr erheblich fühlbar machen können (vergleiche die oben
angeführte Abhandlung über die Methoden der Höhenberechnung). Aber selhst
wenn sich hier vierstellige Logarithmen als nicht genügend erweisen sollten, so
würde das nicht die Brauchbarkeit derselben beeinträchtigen, sondern es wäre
das nur ein Grund mehr, diese Methoden zu verlassen und an ihre Stelle andere
zu setzen, welche sich mit jenen Logarithmen berechnen lassen.
Hydrographische Bemerkungen über die Gardner-, Longuerue-
und Gressien-Inseln, den Bodin- und Angriffs-Hafen. )
Kapt. Reimers vom Schoner „Senta“ hat gelegentlich einer Arbeiter-
äanwerbetour festgestellt, dafs die östlich von Neu-Meckienburg gelegene Gardner-
Insel durch einen schiffbaren Kanal — die geringste gelothete Tiefe betrng
9 Faden — in zwei Theile getrennt wird; an beiden Ausgängen der Durchfahrt
befinden sich gute Häfen, der an der Ostseite ist vorzüglich. Auch hat es den
Anschein nach den Beobachtungen der „Senta“, dafs die kürzeste Entfernung
zwischen Gardner-Insel und Neu-Mecklenburg nicht 5, sondern 12 Sm beträgt.
Kapt. Fisser, Führer des Dampfers „Ysabel“, meldet, dafs von den auf
den Karten angegebenen fünf Inseln zwischen 7° 15‘ und 7° 20‘ S-Br nördlich
von den Longuerue-Inseln und östlich der Hessen-Bucht thatsächlich nur vier
vorhanden sind, und zwar liegt die südlichste derselben anscheinend so dicht bei
der Longuerue-Insel, dafs eine Passage zwischen beiden nicht vorhanden sein
dürfte; dagegen ist zwischen der vorerwähnten und der NNW davon liegenden
Insel eine ganz reine, rifffreie Passage, durch welche mau mit rein mw. SW-Kurs
direkt auf die auf der Karte angegebenen Dörfer, zwischen Kap Wrangel und
:;) Aus den „Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land und den Bismarck-Archipel“, 1894,
herausgegeben von der Neu-Guinea-Kompagnie in Berlin.