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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Beschreibung der Küste von Deutsch-Ostafrika, 
Der Landgrund, welcher bei der Insel Kirui etwa 10 Sm und bei Kuale 6,5 Sm 
breit ist und durchschnittlich Wassertiefen von 30 bis 50m hat, ist mit zahl- 
reichen Korallenriffen und Untiefen bedeckt. Die Ufer sind ununterbrochen von 
einem Strandriff umgeben. Der östliche Rand des Landgrundes fällt fast senk- 
recht zu Tiefen von 200 bis 300 m ab, und auch das Strandriff geht sehr steil 
an. Ein Theil der Riffe bildet westlich von der Insel Kirui und südlich von 
den Inseln Ssii und Wasini eine Gruppe, eine weitere Anzahl erstreckt sich in 
einer Reihe entlang dem Ostrande des Landgrundes. Zwischen diesen vor- 
gelagerten Riffen und dem Ufer befindet sich ein ziemlich freies Fahrwasser. 
Die Inseln und Halbinseln. 
Die eigentliche Küstenlinie wird durch eine Reihe niedriger und ebener, 
vom Festlande nur durch schmale Kanäle getrennter Inseln und Halbinseln 
gebildet, welche die Ufer des Festlandes verdecken. Diese Inseln und Halb- 
inseln sind sämmtlich gehobene Korallenriffe von durchschnittlich 6 bis 10 m 
Höhe. Auf dem Korallenfels lagert nur eine dünne Schicht Ackererde, trotzdem 
sind sie völlig mit undurchdringlichem Buschwalde bedeckt. Sie sind völlig 
wasserlos und entweder gar nicht oder doch nur spärlich bewohnt. Ihre östlichen 
Ufer zeigen zum gröfsten Theile nackte senkrechte Felswände, während die Ufer 
der Buchten und Kanäle mit Mangrove-Dickicht bedeckt sind; überall sind die- 
selben von einem mehr oder weniger breiten bei Ebbe trocken fallenden Strandriff 
umgeben, welches an seinem äufseren Rande sehr steil abfällt, 
Das Festland. 
Das Festland hat niedrige, fast überall von einem Mangrovegürtel ein- 
gefafste Ufer und flachen Strand. An mehreren Stellen werden bei Springfluth 
gröfsere Flächen überschwemmt. In. kurzer Entfernung vom Ufer erhebt sich 
der Boden zu etwa 10 bis 15 m Höhe und steigt von da ab landeinwärts langsam 
an. In einem Abstande von etwa 5 Sm von der Küstenlinie zieht sich ungefähr 
parallel zu derselben eine Hügelkette durch das Land. Der höchste Punkt der- 
selben ist der westlich von‘ der Moa-Bai gelegene Kilulu-Berg, ein bewaldeter 
Bergrücken mit zwei Gipfeln, von denen der nördlichere 280 m, der südlichere 
200 m hoch ist. Der nördliche kegelförmige Gipfel des Kilulu ist überhaupt die 
höchste Bodenerhebung der Gegend. Er ist nach allen Richtungen‘ gut sichtbar 
und nicht zu verkennen, so dafs er die hauptsächlichste und beste Landmarke 
bildet. (In den englischen Seekarten ist irrthümlich der Name Kiluli angegeben, 
in der Segelanweisung ist der Berg einmal richtig Kilulu und ein zweites Mal 
gleichfalls fälschlich Kiluli genannt.) 
Südöstlich vom Kilulu-Berge liegen die Kirimba-Hügel, 138, 140 und 
116 m hoch. Der südlichste 116 m hohe Hügel ist kegelförmig und erscheint 
etwas abgesondert von den beiden anderen... Südlich: von diesen Hügeln setzt 
sich die Bodenerhebung in ziemlich gerader Linie mit etwa 35 bis 40 m Höhe 
bis zu den westlich von der Kuale-Bai gelegenen Amboni-Hügeln fort. Letztere 
sind 150 m hoch und gleich dem Kilulu bewaldet. 
Das Festland trägt den Charakter einer Baumsteppe, d. h. eines Gras- 
landes, welches mit einzelnen Steppenbäumen und Gebüschen bedeckt ist. In 
nächster Nähe des Strandes befinden sich Kokospalmhaine, in der Nähe der Dörfer 
Mangobäume und Pflanzungen. 
Der Boden besteht aus einem röthlichen, stark mit Sand vermischten Thon; 
die auf demselben lagernde Ackerkrume ist. meist dünn und sandig. An den 
Bergabhängen und Gipfeln tritt Gestein zu Tage. 
; Wie aus der Inselbildung durch die Korallenriffe deutlich hervorgeht, 
befindet sich die Küste im Zustande langsamer Hebung. Wenn auch an einzelnen 
Stellen Abspülungen und Abbröckelungen des Landes stattfinden, so treten an 
anderen wieder Anschwemmungen an. Im Ganzen betrachtet, ist die Hebung 
nicht zu verkennen. 
Bei sichtigem Wetter erblickt man im Hintergrunde das Usambara-Gebirge, 
welches zeitweise von See aus schon auf grofse Entfernungen zu sehen ist. Da 
es jedoch sehr weit von der Küste entfernt und meist unsichtbar ist, so hat es 
keinen Werth als Landmarke.
	        
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