138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1895.
metrischen Funktionen von 10 zu 10 Sekunden enthalten. Mit ihrer Hülfe lassen
sich ungefähr alle Rechnungen mit einer für die Praxis hinreichenden Genauig-
keit durchführen, weshalb man sich ihrer früher durchweg bediente. Mehrstellige
Logarithmen finden fast nie Verwendung. Das Rechnen mit diesen grofsen
siebenstelligen Tafeln ist aber mit recht erheblichen Unbequemlichkeiten ver-
bunden. Die Logarithmen sind wegen des grofsen Umfanges der Tafeln schlecht
zu finden, das Einschalten ist wegen der grofsen Unterschiede zweier benach-
barter Logarithmen umständlich und ein Verrechnen dabei sehr leicht möglich.
Beim Niederschreiben der Logarithmen wird man, wenn man nicht sehr geübt
ist, mindestens zweimal in die Tafel blicken müssen, da es ziemlich schwer hält,
die sieben Ziffern zu behalten. Schliefslich ist die Addition der siebenstelligen
Zahlen zeitraubend und unbequem.
Dies war Veranlassung, die Decimalstellen der Logarithmen zu vermindern.
An Stelle der siebenstelligen Tafeln traten die sechsstelligen, die noch eine
Genauigkeit der Rechnung auf ganze Sekunden ermöglichten,
Für die zahlreich in der Praxis vorkommenden Aufgaben, bei denen es auf
eine so grofse Genauigkeit gar nicht ankommt, bei denen man das Resultat nur
auf Minuten genau haben will, kann man noch einen Schritt weiter gehen und
die Anzahl der Logarithmen um noch eine Einheit vermindern, da man mit
fünfstelligen Logaritkmen bei geschickter Wahl der Methoden einen Winkel
noch bis auf ein bis zwei Zehntelminuten genau bestimmen kann. Da diese Tafeln
die Logarithmen der trigonometrischen Funktionen nur für Winkel von Minute
zu Minute zu enthalten brauchen, so ist ihr Umfang auf den 6. Theil der vorigen
reducirt, wodurch die Rechnung mit ihnen bedeutend erleichtert wird. Sie haben
sich allmählich eine grofse Beliebtheit erworben, so dafs sie heute die am meisten
gebrauchten Tafeln sind,
In neuerer Zeit machen die vierstelligen Logarithmentafeln den fünf-
stelligen mit Erfolg Konkurrenz. Die Fälle, wo es auf einen Fehler von einer
Minute und mehr nicht ankommt, oder wo wegen ungenauer Beobachtung von
vornherein auf einen Fehler von einigen Minuten gerechnet werden mufs, sind
äufserst zahlreich, und in diesen Fällen erfüllen vierstellige Logarithmentafeln,
mit denen es sich besonders bequem rechnen lälst, vollständig ihren Zweck.
In der Nautik haben sie sich merkwürdigerweise noch nicht das Bürger-
recht erworben, obwohl hier bei der gröfsten Anzahl der Aufgaben anstandslos
eine Unsicherheit von einigen Minuten zugegeben wird. Hier hat man vielfach
noch nicht den Schritt von sechsstelligen zu fünfstelligen Logarithmentafeln
gemacht. Bei einer Aufgabe der Nautik — bei der Längenbestimmung aus Mond-
distanzen — handelt es sich ja allerdings um Sekunden, Soll man aber wegen
dieser einen Aufgabe, die doch nicht zu den täglichen gehört und die mit der
gröfseren Vervollkommnung der Chronometer immer mehr an Bedeutung verliert,
die Berechnung aller übrigen um ein Bedeutendes mühevoller machen? Sollen
sich die Tafeln nicht in erster Linie nach dem täglichen Bedürfnis des See-
manns richten? Und soll man nicht lieber die Methoden der aufsergewöhnlichen
Aufgaben so wählen, dafs man die Berechnung derselben mit denselben Hülfs-
mitteln ausführen kann wie die der täglich wiederkehrenden Aufgaben? Von
liesem Gedanken geleitet, hat man gröfstentheils auch schon längst die direkten
Methoden der Reduktion der Monddistanzen, die mindestens sechsstellige Loga-
rithmentafeln erfordern, aufgegeben und an ihre Stelle die indirekten Methoden
(Witchell, Mendoza y Rios u. A.) treten lassen, die mit Hülfe vierstelliger
Logarithmen viel bequemer zum Ziele führen,
Man wende nicht ein, dafs man es beim Gebrauch sechsstelliger Tafeln in
der Hand habe, mit wie viel Decimalstellen man eine Rechnung durchführen
wolle, da man nur eine oder zwei Stellen fortzulassen habe, um mit fünf- bezw.
vierstelligen Logarithmen zu rechnen. Kine derartige Reduktion der Stellen
bedeutet kaum eine Erleichterung in der Rechnung. Es fehlt die Uebersichtlich-
keit der vierstelligen Tafeln, bei denen ein Blick genügt, um einen Logarithmus
30 aufzufassen, dafs man ihn niederschreiben kann.
Lassen sich die Berechnungen der nautischen Astronomie mit Hülfe vier-
stelliger Logarithmen genau genug durchführen, so sollte man nicht länger zögern,
dieselben zu gebrauchen. Bei einzelnen Aufgaben, wie bei Breitenbestimmungen
aus Gestirnshöhen in der Nähe des Meridians, bei Azimut- und Amplituden-