Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1895,
Das Klima der Inseln Pemba, . Zanzibar und Mafia ist trotz der geringen Ent-
[ernung von etwa 25 Sm ein wesentlich anderes als das der Festlandsküste. Die
täglichen Temperaturunterschiede sind an der Küste gröfser; die Tagestemperatur
ist auf dem Festlande ein wenig höher, die Temperatur der Nächte ein wenig
niedriger. Auf den Inseln fällt mehr Regen. Ihre Westküsten sind der Seebriese
weniger zugänglich, dieselbe hört dort am Abend früher auf, und es tritt öfter
Windstille ein. Andererseits haben ihre Ankerplätze nicht die gesundheitsschäd-
liche Landbriese der Küstenhäfen und Ankerplätze.
Strömung, Ebbe und Fluth.
Der ostafrikanische Küstenstrom läuft während des ganzen Jahres ununter-
brochen parallel der Küste in nördlicher Richtung. Er erreicht seine größte
Stärke gegen Ende des Südwestmonsuns und läuft am schwächsten im Nordost-
monsun. Diese Strömung erstreckt sich bis auf einen Abstand von etwa 100 Sm
von der Küste, Sie tritt besonders stark an den Ostküsten von Zanzibar, Pemba
and Mafßa auf und kommt hier im Südwestmonsun auf 3 bis 4 Sm Stärke. Beein-
Aufst wird der Küstenstrom in der Nähe des Landes durch Ebbe und Fluth. Die
Fluth setzt an der Festlandsküste nach Norden und die Ebbe nach Süden. In-
folgedessen wird der Küstenstrom durch die Fluth verstärkt, durch die Ebbe
Jagegen abgeschwächt oder auch ganz aufgehoben. Bei schwachem Küstenstrom
und starker Ebbe (Springfluth) kommt es auch vor, daß die Ebbe den Küsten-
3atrom überwindet und dicht unter Land südlicher Strom auftritt.
Im Zanzibar- und Mafia-Kanal werden die Stromverhältnisse dadurch ver-
ändert, dafs die Fluth sowohl von Süden als auch von Norden aus in die Kanäle
eindringt und demgemäfs in den südlichen Hälften die Fluth nach Norden, die
Ebbe nach Süden, in den nördlichen Hälften dagegen die Fluth nach Süden und
lie Ebbe nach Norden setzt. (Im Pemba-Kanal ist dies nicht der Fall.)
In den in das Land einschneidenden engen Buchten und Häfen der Fest-
landsküste setzen Fluth und Ebbe in der Richtung des tiefsten Fahrwassers aus
und ein.
Der Unterschied zwischen Spring- und Nippfluth ist ein sehr bedeutender.
Die Springfluth steigt durchschnittlich 3,5 bis 4m, die Nippfluth dagegen nur
2,5 m über den mittleren Springfluth-Niedrigwasserstand.
Die wechselnden und unsicheren Stromverhältnisse sowie die zahlreichen
Korallenriffe und Untiefen erschweren die Schiffahrt sehr. Solange noch keine
Befeuerung vorhanden, ist dieselbe des Nachts nahe an der Küste und in den
Kanälen überhaupt unmöglich.
Der Gebrauch des Lothes ist bei den steil abfallenden Korallenriffen
nutzlos. Am Tage sind die Riffe dagegen bei guter Beleuchtung stets sichtbar.
Ist die Beleuchtung schlecht, d. h. steht die Sonne niedrig oder ist sie
von vorn, so thut man beim Aus- und Einlaufen in enge Hafeneinfahrten oder
in engen Passagen stets gut, Niedrigwasser abzuwarten. Bei Niedrigwasser
sind die Korallenriffe fast immer sichtbar.
Im Jahre 1891 sind durch S. M. Krzr. „Möwe“ in Tanga, Pangani,
Bagamoyo, Dar es Salam, Kilwa, Kivinje und Lindi meteorologische Stationen
eingerichtet worden, auf welchen durch Angestellte des Kaiserlichen Gouverne-
ments Beobachtungen ausgeführt werden.
Beschreibung der Küste Deutsch-Ostafrikas von der Mündung des
Umba-Flusses bis zur Insel Ulenge.
Vom Kommando S. M. Krzr. „Möwe“.
Küstenbildung, Landgrund.
Die Mündung des Umba-Flusses bildet die Grenze zwischen dem deutschen
und englischen Gebiete in Ostafrika. Die Küstenstrecke von hier bis zur Insel
Ulenge zeigt gleich der ganzen übrigen deutschen Küste überall Korallenbildung.