Meteorologische Verhältnisse der Küste von Deutsch-Ostafrika,
Orkane und Böen,
Bis jetzt ist ein Orkan, der vom 14. April 1872 bekannt geworden,
welcher über die Insel Zanzibar hinwegging und die Küste des Festlandes in
der Gegend von Bagamoyo erreichte. Der nördliche Theil der Küste liegt
eigentlich zu nahe am Aequator, als dafs hier Orkane anders als ganz ausnahms-
weise vorkommen könnten, doch sind im südlichen Theile solche schon eher zu
befürchten,
Regenböen kommen fast nur zu Beginn des Südwestmonsuns oder während
der grofsen Regenzeit vor und sind selten heftig.
Jahreszeiten und gesundheitliche Verhältnisse.
Man kann für Ostafrika nur zwei Jahreszeiten, eine heile und eine kühlere,
unterscheiden. Die erstere fällt ungefähr mit der Zeit des Nordostmonsuns zu-
sanımen und ist zugleich die regenlose, die letztere tritt während des Südwest-
monsuns ein und ist die regnerische Zeit des Jahres.
Infolge der starken Regengüsse im Monat Mai und der gleichzeitig zu-
nehmenden Norddeklination der Sonne tritt eine bedeutende Abkühlung ein. Im
Juni beginnt dann die kühle dem KEuropäer zusagende Jahreszeit, welche bis
Oktober anhält. Die Nächte sind in dieser Zeit besonders kühl und angenehm.
Die Luft ist trocken und daher selbst die immerhin noch bedeutende Mittagshitze
nicht allzu empfindlich.
Im Oktober wird es wieder heifs, und die Temperatur steigt von da ab
langsam bis zum KEintritt bedeckten Himmels und der ersten Regengüsse im
April, In den Monaten Januar, Februar, März und April ist es sehr heiß, die
Luft feucht und drückend schwül. Im April 1891 betrug in Dar es Salam das
Mittel der täglichen Maxima 31,0° C., das Mittel der Minima 24,5°; im Monat
Juni betrugen dieselben 25,2° und 20,1°. Die höchste beobachtete Temperatur
des Jahres war im April 32,0° C. und die niedrigste im Juni 18,9°. In einer
Entfernung von nur wenigen Stunden von der Küste landeinwärts traten jedoch
schon bedeutend höhere Temperaturen auf.
Es ist schwer zu sagen, welche Jahreszeit für den Europäer die gesündere
ist. Erkrankungen an Malaria kamen während des ganzen Jahres vor, sind aber
gerade in den kühlsten Monaten, im Juni und Juli, am Lande entschieden am
häufigsten. .
Die Ursache liegt wohl darin, dafs in dieser Zeit das Austrocknen des
Bodens nach dem starken Regen stattfindet. In den heißen und regenlosen
Monaten des Jahres, Dezember, Januar, Februar, März, kommt am. wenigsten
Malaria vor. Dagegen leiden in dieser Zeit die Europäer sehr unter der Hitze
und feuchten Luft. . |
_ Ein regnerisches Jahr bringt mehr Erkrankungen an Malaria als ein
trockenes.
Am Lande kommt naturgemäfls mehr Malaria vor als an Bord. In Bezug
auf die gesundheitlichen Verhältnisse der verschiedenen Häfen kann man an-
nehmen, dafs in dem betreffenden Hafen um so mehr Malaria herrschen wird, Je
weiter er landeinwärts gelegen und je mehr er von Land umgeben ist. Diese
Unterschiede sind jedoch nicht bedeutend. Als auffallend ungesund erwies sich
die nördlich von Dar es Salam gelegene Msasani-Bai im Südwestmonsun, gesünder
als der Durchschnitt dagegen die Mansa-Bai nördlich von Tanga. Sehr zu
berücksichtigen ist der Umstand, dafs die Malaria verursachenden Keime bei
längerem Aufenthalt in einer Fiebergegend auch in den Räumen des Schiffes
selber entstehen können, wie zweifellos festgestellt ist. So traten z. B, auf
S. M. Krzr. „Schwalbe“ in zwei Fällen auf der Rhede von Zanzibar innerhalb
weniger Tage 40 Erkrankungen ein, während alle anderen dort befindlichen
Kriegsschiffe zu derselben Zeit keine. oder sehr wenig Malariakranke hatten.
Infolge der grofsen Breitenausdehnung weicht naturgemäls das Klima des
südlichen Theiles etwas von dem des nördlichen ab. So setzt der Nordostmonsun
im Norden etwa eine Woche früher ein als im Süden und umgekehrt der Süd-
westmonsun und damit auch die Regenzeit um ebensoviel früher im Süden als
im Norden ein. Auch hat der Norden durchschnittlich eine höhere Temperatur
als der Süden, was sich besonders in der kühlen Jahreszeit. bemerkbar macht.