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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1895.
Pango gedampft. Trotz der längere Zeit geheißsten Lootsenflagge wurde von
einem Lootsen nichts bemerkt. Am Strande von Anuu war das Erscheinen
S. M. S. „Bussard“ offenbar gesehen worden. ;
Die 'Küstenkarte Tit. XII, No. 163 (Anuu-— Sailing Rock), enthält mit
Bezug auf die Küstenkonturen zweifellos Ungenauigkeiten; z. B. wurde gesehen,
dafs die bei Round Bluff gezeichneten drei kleinen Inseln in Wirklichkeit deutlich
mit dem Lande zusammenhängen. Die wichtigen und markanten Küstenpunkte
liegen jedoch, soweit Peilungen einen Mafsstab dafür bilden, richtig. Tower Rock
macht sich bei der Ansegelung von Panga Pango aus dadurch bemerkbar, dafs
ein Theil dieses Felsens mit Grün nicht bedeckt ist und sich so im Gegensatz
zu dem durchaus grünen Hintergrunde als bräunlich abhebt.
Das Einlaufen nach Pango Pango war leicht und mühelos. Grampus und
Whalerock wurden — auch vom Topp aus — nicht gesehen.
Geankert wurde etwas östlich von dem Ankerplatz der Karte mit beiden
Bugankern und Heckanker, Gelandet wurde an mehreren Stellen der Bucht
ohne Mühe.
Während der Nacht machten sich einige heftige, stofßsweise auftretende
Böen (Stärke 5 bis 6) bemerkbar.
Ein Amerikaner namens Forster betreibt in Gemeinschaft mit seinem
Bruder einen einträglichen Bootsbau, Zur Zeit standen zwei noch nicht ganz
vollendete Boote auf Stapel.
Am Nachmittag des 29. Juli wurden die Anker gelichtet, um nach Apia
in See zu gehen. Es wurde die Passage zwischen der Taema-Bank und Tutuila
ewählt.
5 Als gute Peilobjekte an diesem Theil der Küste markirten sich Tower
Rock, Sail Rock, Steps Point, West-Kap.
An Strömungen wurde während der Kreuztour eine schwache westliche
bezw. südwestliche Stromversetzung bemerkt.
Nichtauffindung der Colonia-Untiefe und die Samanä-Bai.
Aus dem Reisebericht S, M. S. „Moltke“, Kommandant Kapt. z. S. KocH.
Am 7. Januar 1895 kam S. M. S. „Moltke“ 9 Uhr morgens vor dem Kap
Samanä an, Dieses Kap ist eine vorzügliche Ansteuerungsmarke, weil es fast
senkrecht mit einem kleinen Absatz in der Mitte ins Meer abfällt. Das Land ist
sehr hoch bis Vacca Point, von dort fällt es in mehreren scharf markirten Ab-
sätzen nach Süden etwa der Mitte nach Balandra zu ab, um sich im Süden zur
Höhe des Mount Diablo, mit drei Bergkuppen zu erheben und von hier allmählich
nach dem Kap Balandra abzufallen. Die Wassertiefe ist bis ganz dicht unter
Land eine aufserordentliche,
Die Zeit vom 7. bis 10. wurde zu Nachforschungen nach der Colonia-
Untiefe verwandt, die nach No. 718 der diesjährigen „Nachrichten für Seefahrer“
in der Nähe des östlichen Endes der Canadaigua-Bank liegen soll.!) Am 7., 8.
und am Vormittag des 9. war jedoch die Stärke des Windes, des Seeganges und
der Oceandünung eine derartige, dals an eine Entsendung von Booten zum Lothen
und Winkelmessen nicht gedacht werden konnte, dieselben hätten weder arbeiten
können, noch wäre ihre Rückkehr gegen Wind, Seegang und Strom sicher gewesen.
Erst am 9. Januar 2 Uhr nachmittags flaute der Wind ab, so dafs ein Anker-
latz aufgesucht werden konnte, der ungefähr 1 Sm nördlich der aufzufindenden
Untiefe lag in der Peilung: Kap Samanä N’/sW, Kap Balandra W%AN, 45 m
Wasser, Grund: Korallen. Sofort wurden die beiden Kutter ausgeschickt, die-
selben lotheten an der betreffenden Stelle. Die Untiefe konnte jedoch nicht
gefunden werden. Ein planmäfsiges Absuchen der ganzen Umgegend wurde
durch die in dieser Jahreszeit meist hohe Dünung sehr erschwert. Die Boote kamen
mit Dunkelwerden wieder an Bord, und ging S. M. S. „Moltke“ für die Nacht
wieder ankerauf.
1) „Nachr. f. Seef.“, 1895, No. 647.