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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Die Witterung an der deutschen Küste im Februar 1895, 
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übrigen Tagen vom 19. bis 25. über die normalen Werthe, während im deutschen 
Binnenlande die im Wetterberichte der Seewarte verzeichneten Stationen nur am 
22, mehrfach über den Mittelwerthen liegende Morgentemperaturen hatten. Winde 
aus NE--NW standen auf die Küste zu, aufser an den Tagen, wo diese im 
Bereich von Depressionen lag, doch traten die niedrigsten Temperaturen nicht 
während der Herrschaft der nördlichen Winde, aulßer in Keitum und ähnlich 
gelegenen Orten, wo die Winde aus Nord—Ost als Landwinde wehen, sondern 
meist auf der Südseite der die Küste berührenden Luftdruckminima ein; ebenso 
sank die Temperatur im Binnenlande am stärksten, wenn dieses, wie es für den 
Süden bei den nordöstlichen Winden meist der Fall war, dem Bereich der die 
Küste bestreichenden Winde entzogen blieb. 
Einen Ueberblick über die Wärmeverhältnisse giebt folgende Zusammen- 
stellung der mittleren monatlichen Abweichungen der Morgentemperaturen von 
den Normalwerthen für die im genannten Wetterbericht aufgenommenen deutschen 
Stationen, von denen die Normalwerthe berechnet vorliegen: 
Ostsee 
Memel 
Königsberg — 3.5 
Neufahrwasser — 2.£ 
Swinemünde — 3,0 
Wustrow — 4,3 
Kiel * — 7,0 
Im Mittel -— 4,5 
Nordsee 
Hamburg —61 
Keitum —6,0 
Wilhelmshaven — 5,9 
Borkum — 4,3 
= 5,6 
Nord- und Mittel- 
deutschland 
Münster — 383,0 
Kassel —7,9 
Hannover — 7,0 
Magdeburg —5,5 
Chemnitz = 8,7 
Berlin — 4,4 
Breslau — 5,8 
— 68 
Süddeutschland 
Wiesbaden — 7.1 
Karlsruhe —9,7 
Friedrichshafen — 8,2 
Bamberg — 8,7 
München — 8,1 
— 8,4 
In Norddeutschland wehten die Winde am 1. und 2. aus Ost, am 3. bis 16. 
zus NE und sodann seit dem 17. aus NW mit Unterbrechung an Tagen, wo 
Minima vorübergehend andere Winde hervorriefen. Von diesen Störungen ab- 
gesehen, lag gegenüber tiefem Druck über dem Mittelmeer im hohen Norden 
Europas während der ersten Dekade ein Hochdruckgebiet, das seine Isobaren 
bis zum Süden Skandinaviens ausbreitete, so dafs die Küste während dieser Zeit, 
durch ecyklonale Isobaren gekennzeichnet, dem Nordrand des südlichen Depressions- 
gebietes angehörte, und geringe Schneefälle fast täglich eintraten. Während am 
11. und 12. ein umfangreiches Minimum von der Biscaya-See durch Oberitalien 
nach der Balkan-Halbinsel fortschritt, stieg das Barometer im Westen Europas; 
es bildete sich ein Maximum über England, das sich bald nach Frankreich ver- 
lagerte und mit dem jetzt über Mittelskandinavien liegenden nördlichen Maximum 
in Verbindung trat. In den Tagen vom 14. bis 17. verschob sich das Haupt- 
maximum nach Schottland und behielt diese Lage, zeitweise etwas südwärts ver- 
schoben, bis Monatsschlufs bei, von dort mächtig nach Centraleuropa vorbuchtend. 
Während der Wanderung des Maximums beherrschte dieses am 13. bis 16. vor- 
übergehend fast ganz Europa, dann traten auf seiner Nordostseite mehrfach und 
zum Theil intensive Minima auf, Die Lage des Maximums im NW und zeitweise 
Westen bedingte das Vorherrschen der nordwestlichen Winde in der zweiten 
Monatshälfte. 
Da hiernach die Küste und zumal der Osten nur kurze Zeit im Bereich 
hohen Druckes lag, so traten Niederschläge häufig ein und zumal zu Zeiten der 
vorüberziehenden Minima. Als solches wanderte zunächst am 6. bis 8. ein 
Minimum von Polen durch die südliche Ostsee nach der Nordsee hin; auf seiner 
Südseite entwickelten sich an der Küste wie auch in Süddeutschland, hier durch 
die relative Ruhe der Luft bedingt, außerordentlich tiefe Temperaturen, in 
Swinemünde sank das Thermometer in der Nacht vom 27. zum 28. auf — 25°; 
ein zweites Minimum schritt am 9. bis 11. von Ungarn her über Westpreufsen 
nach der mittleren Ostsee. Intensivere Minima traten in der letzten Woche auf, 
durch die Lage des Maximums zu südostwärts gerichtetem Fortschreiten bestimmt. 
Am 21. bis 23. wanderte zunächst ein Minimum. vom Bottnischen Busen nach 
Polen, dann ein bedeutenderes Minimum am 23. bis 25. vom Norwegischen Meer
	        
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