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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Hygienische Meteorologie, 
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Hygienische Meteorologie. ) 
In der Vorrede zu diesem eben erschienenen Werke führt der Verfasser 
Prof. Dr. W. J. van Bebber, Abtheilungsvorstand bei der Deutschen Seewarte, 
etwa Folgendes aus: 
Meteorologie und Hygiene sind zwei Wissenszweige, welche erst in 
neuester: Zeit einen den übrigen Wissenschaften ebenbürtigen Rang erhielten. 
Beide haben für die menschliche Wohlfahrt eine aufserordentlich grofse Bedeutung, 
beide wurden schon seit dem grauesten Alterthume auf dem Erfahrungswege 
gepflegt, allein zu selbständigen Wissenschaften konnten sie sich nicht hinauf- 
schwingen. Erst in neuerer Zeit, als ein frischer naturwissenschaftlicher Geist, 
frei von Vorurtheilen, das geistige Leben der Völker durchwehte, als der 
doktrinäre Autoritätsglaube ins Wanken gekommen war und als man anfing, von 
objektivem, rein wissenschaftlichem Standpunkte aus die Naturerscheinungen zu 
erforschen, da konnte man daran denken, an Stelle der alten überlieferten, viel- 
fach zweifelhaften Erfahrungslehren die durch wissenschaftliche Durchforschung 
erlangte Ueberzeugung zu setzen. 
Zwar blieben bei beiden Wissenschaften noch manche Unklarheiten und 
daher manche Meinungsverschiedenheiten, und noch jetzt harren bei dem kom- 
plicirten Zusammenwirken vieler Faktoren noch viele Räthsel der Lösung, aber 
immerhin ist eine feste wissenschaftliche Grundlage geschaffen, und es sind die 
unbestimmten Hypothesen und subjektiven Meinungen, von denen sie lange be- 
fangen waren, zum großen Theil gründlich hinweggeräumt worden, 
Auf dieser wissenschaftlichen Grundlage sich entwickelnd, haben beide 
Wissenschaften in neuester Zeit bedeutsame Erfolge erzielt, und so dürfen wir 
hoffen, dafs ihre weitere Entwicklung ein reicher Segen für die ganze Mensch- 
heit sein werde. 
Dafs die Witterungserscheinungen und das Klima in innigster Beziehung 
zu den Gesundheitsverhältnissen der Menschen stehen, kann wohl von Niemandem 
ernstlich geleugnet werden, wenn auch die Meinungen darüber noch auseinander- 
gehen, auf welche Art und Weise und in welchem Grade das Wetter den mensch- 
lichen Organismus in jedem einzelnen Falle beeinflufst. 
Schon seit alter Zeit sah man im den Witterungserscheinungen die Ur- 
sachen einer ganzen Reihe von Erkrankungen. So wurden die vermehrte oder 
verminderte Häufigkeit der Erkrankungen und der Sterblichkeit, das Entstehen 
und die Ausbreitung der Epidemien vielfach den Witterungsvorgängen zur Last 
gelegt, und wenn auch viele dieser Behauptungen nach genauerer Untersuchung 
als auf Irrthum beruhend oder als übertrieben nachgewiesen wurden, so kann 
doch wohl nicht geleugnet werden, dafs dabei das Wetter, sei es auch nur 
mittelbar, vielfach die Hand im Spiele hatte. 
Mit einem gewissen Rechte hat man die gegenwärtige Phase in der Ge- 
schichte der medicinischen Wissenschaft das Zeitalter der Bakterien genannt, 
und in der That, nie ist die Lehre von den Ansteckungskrankheiten so sehr in 
den Vordergrund getreten und mit solch grofßsem Erfolg gefördert worden als 
gerade jetzt, seitdem man mittels des Mikroskopes jene kleinsten Lebewesen 
kennen und untersuchen gelernt hat, welche die Entstehung und Verbreitung 
unserer gefürchtetsten Krankheiten bedingen, so dafs hierdurch der Medicin ein 
neues und außerordentlich fruchtbares Feld eröffnet ist, aus dessen Bearbeitung 
jedenfalls ein reichlicher Segen für die ganze Menschheit entspriefsen wird. In- 
dessen ist hier wohl zu bedenken, dafs einerseits die Entwicklung und das Ver- 
halten der schädlichen Organismen, wenigstens zum Theile, vom Wetter abhängt, 
und dafs andererseits es nicht genug ist, dafs ein Krankheitsstoff vorhanden ist 
und sich anhäuft; zum wirklichen Zustandekommen der Krankheit bedarf es 
noch der Empfänglichkeit für die Krankheit, und diese wird in vielen Fällen 
durch äufsere Umstände, insbesondere aber durch das Wetter, gegeben. 
Jeder Mensch besitzt eine mit den äufseren Umständen dem Grade nach 
wechselnde Widerstandsfähigkeit gegen die Infektionskrankheiten, die ihn mehr 
1) Bei Enke, Stuttgart 1895, Preis Mk. 8,
	        
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