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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Köppen: Der Sturm vom 22. Dezember 1894. 
Dünenhügel bei sehr hohem Wasserstande verlieren, wodurch jedoch im Allge- 
meinen kein Verlust am Dünenterrain entsteht. Die bei Sturmfluth verdoppelte 
Strömung versetzt nur die südlich gelegenen Dünen immer mehr nach Osten, 
Die Gemeinde zweifelt nicht, dafß es ihr gelingen wird, freilich nur. unter viel 
gröfseren Geldaufwendungen wie in sonstigen Jahren, durch fleifsige und umsich- 
tige Arbeit die Düne auf ihrer alten Größe zu halten. Dabei hoffen wir freilich, 
daßs wir von der schnellen Wiederholung furchtbarer Sturmfluthen, wie sie von 
den ältesten Leuten nicht erinnert werden, bewahrt bleiben. Material zur 
Wiederherstellung ist in dem grofsen vorgelagerten Badestrande genügend vor- 
handen. Die Summe der erforderlichen Gesammtaufwendungen wird natürlich 
der kleinen durch ihre neuesten umfangreichen Bauverbesserungen im Interesse 
des Badeverkehrs schon so stark in Anspruch genommenen Gemeinde eine sehr 
schwere neue Last aufbürden.“ 
In den Vierlanden ist zwar auch schon in der Nacht zum Sonntag das 
Wasser sehr hoch gestiegen, und eine Menge Fahrzeuge, welche vor allzu kurzen 
Ankerketten lagen, wurde theils vollgeschlagen, theils losgerissen. Allein 
seinen höchsten Stand erreichte das Wasser hier, wie man auch erwarten mufste, 
erst später als in Hamburg, und zwar erst spät am Nachmittag des Sonntags, 
als der Sturm längst vorüber war; so dafs die Arbeiten an der Verstärkung 
der allerwärts sich zeigenden schwächeren Stellen in den Deichen bei Laternen- 
schein stattfinden mufsten. Stellenweise rieselte das Wasser über die Kappe der 
hier nicht mehr sehr hohen Deiche, stellenweise bahnte es sich seinen Weg 
durch Ratten- und Maulwurfslöcher, an einzelnen Stellen wurden auch gröfsere 
Lücken in den Deich gebrochen, 
Hinter dem grofsen Gebiet niedrigen Luftdrucks, an dessen südlichem 
Rande sich der eben beschriebene unheilbringende Wirbel fortpflanzte, folgte ein 
Hochdruckgebiet, das am 27. so hohe Barometerstände auf den Britischen Inseln 
herbeiführte, wie sie dort bisher nur einmal zur Beobachtung gekommen waren 
(Valentia 785 mm). 
Genau eine Woche nach dem großen Sturm, wiederum in der Nacht vom 
Sonnabend zum Sonntag (29. zum 30. Dezember), brach an der deutschen Nord- 
seeküste abermals ein Sturm los, der mit SSW begann und auf Borkum und 
Sylt rasch nach NW, in Hamburg aber nur langsamer bis nach WSW umging, 
obwohl auch hier das Fallen des Barometers von Freitag Mittag bis Sonnabend 
5 Uhr früh volle 27 mm betrug. Von da an bis Mitternacht fiel das Quecksilber 
Jangsamer um weitere 10 mm, mit zwei kurzen charakteristischen Rücksprüngen 
in Regenböen; erst dann ging es dauernd in Steigen über. 
Da auch gerade eine Woche vor dem grofsen Sturm, am 15. bis 16. De- 
zember eine ähnliche barometrische Welle über Norddeutschland dahinging, so 
könnte man darin eine Bestätigung der in neuerer Zeit auftretenden Behauptungen 
über die Existenz einer Wochenperiode in den meteorologischen Erscheinungen 
sehen wollen. Aber selbstverstäudlich besagt eine zweimalige Wiederholung 
noch nicht das Geringste für die Gesetzmäfsigkeit eines solchen Intervalls; und 
leider zeigen Untersuchungen, die an einem viel gröfseren Material angestellt 
wurden, dafs wenigstens in unseren Gegenden in Luftdruck, Wind und Temperatur 
keine solche Periode zu finden ist. Es ist dies gewiß zu bedauern, weil es einen 
grofsen Fortschritt in der Herrschaft des Menschen über die Natur bedeuten 
würde, wenn man neben der allgemein bekannten täglichen und jährlichen 
Periode der atmosphärischen Erscheinungen noch eine dritte finden könnte, die 
hinreichend klar und ausgesprochen wäre, dafs man sie zu Wetterprognosen 
benutzen könnte. Bis jetzt aber sind alle Bemühungen in dieser Richtung, ob 
sie nun monatliche, wöchentliche oder vieljährige Perioden betrafen, ohne 
Ausnahme mifsglückt, indem Alles, was wirklich nachgewiesen werden konnte, 
in geringen und leicht verwischten Spuren bestand, die wohl ein wissenschaft- 
liches, aber fürs Erste noch kein praktisches Interesse beanspruchen können, 
Nach dem Umstande zu urtheilen, daß die Anzahl der Schiffsunfälle an 
den Küsten der Britischen Inseln in der Woche vom 27. Dezember bis 2. Januar 
mit 91 Seglern und 28 Dampfern noch größer war, als in jener vom 19. bis 
26. Dezember (83 Segler und 34 Dampfer), könnte man auch .den Sturm vom 
29. bis 30. Dezember zu den gröfsten seiner Art zählen; allein trotz vieler 
traurigen Nachrichten, ‚die auch über. diesen Sturm vorliegen, dürfte jene Ziffer 
Ann, d, Hydr. etc... 1895, Heft 111. 
105
	        
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