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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

II 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1895 
Da nun die gewöhnliche Hochwasserhöhe in Cuxhaven 486 cm, in Hamburg 
514 cm über Null steht, so wollen wir, um die Wirkung des Windes annähernd zu 
erkennen, diese abziehen; wir erhalten dann: 
Höhe über mitt]. 
Hochwasser: 23.Dez.1894 12.Febr.1894 15.Okt.1881 2, Jan.1855 4.Febr. 1825 
in Cuxhaven 266 cm 242 cm 294 cm 293 cm 344 cm 
in Hamburg 287 246 ,, 302 ,, 348 360 
An allen drei Orten kam das Hochwasser in der Weise zu Stande, dafs 
zuerst das Wasser bei schwerem Südwestwinde infolge der Gestirnfluth stieg, und 
zwar stärker, als dieser zukam, dann aber die Ebbe, die auf Helgoland und bei 
Cuxhaven am Abend des 22., in Hamburg um 1* 53” a des 23. eintreten sollte, 
ganz ausblieb und das Wasser, statt zu fallen, theils stehen blieb, theilg weiter 
stieg, im Ganzen 16 bis 18 Stunden Jang, bei nach West und NW umgehendem 
Winde, der in Hamburg zwar, wie oben gezeigt, dabei an Stärke abnahm, auf 
Helgoland aber zunächst noch mit orkanartiger Gewalt aus NW wehte und erst 
um 10 Uhr morgens plötzlich abflaute. Der höchste Wasserstand wurde am 23. 
auf Helgoland um 8, in Cuxhaven um 9 Uhr vormittags erreicht, in Hamburg 
um 12/2 Uhr mittags. In normaler Zeit braucht die Fluthwelle von Helgoland 
bis Hamburg 5'/« Stunde. 
Den genaueren Verlauf der Sturmfluth schildert ein anschaulicher Bericht 
von Helgoland im „Hamburg. Korrespondenten“, der hier Platz finden möge. 
„Schon am Sonnabend, den 22. Dezember, abends 9 Uhr, wehte ein heftiger 
Sturm (10 der Stärke-Skala) aus Westen, der sich plötzlich nach Norden drehte 
und das Wasser verhinderte, mit der Ebbe abzulaufen. Es stieg im Gegentheil 
‚ortwährend fast 16 Stunden lang, und selbst zur Zeit der tiefsten Ebbe, nachts 
3 Uhr, stand es am Strande des Unterlandes bis zum Musikpavillon vor dem 
Konversationshause. Das noch vor Kurzem weiter unten am Strande stehende 
Denkmal Hoffmanns von Fallersleben war wenige Tage vorher auf einer 
sicheren Stelle am Südstrand aufgestellt worden, weil nach den Erfahrungen mit 
der Sturmfluth am 12, Februar 1894 seine alte Stelle nicht sicher genug erschien. 
Von 4 bis 5 Uhr früh schien es, als wenn ein Stillstand im Steigen der Fluth 
eingetreten wäre; jedoch von 5 bis 7 Uhr stieg das Wasser wieder unaufhaltsam. 
Es brach vom Nordstrand des Unterlandes über die Jütlands-Terrasse herein in 
lie Viktoriastraße, und flofs um das Kurhaus herum in die Kaiserstraße. Auch 
der untere Theil der Mellinstrafßse, die parallel der Kaiserstraße zur Bindfaden- 
allee führt, war überschwemmt, und viele Keller liefen voll Wasser. Das alte 
Postgebäude an der Jütlands-Terrasse mufste geräumt werden, da die Wellen von 
der Seeseite die Fenster zerschlugen und sich dort Eingang verschafften. Der 
Nordstrand des Unterlandes ist sehr verwüstet, und es wird viel Geld kosten, 
das Bollwerk und die Promenade wieder herzustellen. Der Südstrand, worauf 
das neue Badehaus und viele Hötels stehen, ist durch die von der Fortifikation 
an der Südspitze erbaute sehr feste Mole, an der sich die Wucht der Wellen 
orach, bedeutend geschützt worden; die aus dem Wasser gezogenen Boote und 
Fahrzeuge lagen dort ganz sicher. Ein Theil war auch noch höher hinauf in die 
angrenzenden Strafen gezogen worden.“ 
„Während der überaus finsteren Nacht war die Aufregung unter der Be- 
völkerung natürlich eine sehr grofse; man hörte aber von älteren und erfahrenen 
Leuten die Ansicht aussprechen, dafs auf der Insel Sturm und Wasser keinen 
übermäfsigen Schaden thun könnten, um so mehr sei aber für die Düne zu fürchten.“ 
„Als um 8 Uhr morgens das Wasser seine gröfste Höhe und vernichtende 
Kraft erreicht hatte, konnte jedoch festgestellt werden, dafs die Düne den Fluthen 
gut Widerstand geleistet hatte, und, Gott Lob, ist sie, wenn auch an einigen Stellen 
stark beschädigt, vollkommen erhalten worden. Es hat nur überrascht, dafs auf 
dem nach Norden gelegenen Theil bei Bredau’s Pavillon, wo die Düne in den 
letzten Jahrzehnten durch die Natur und sorgfältige Pflege der Helgoländer 
vedeutend gewachsen war, der stärkste Verlust zu verzeichnen ist. Die Ursache 
ist darin zu suchen, daß der Wind gegen Morgen beim höchsten Wasserstande 
etwas nördlicher lief und deshalb der Hauptansturm sich auf diesen Punkt 
richtete. Es ist eine altbekannte Thatsache, dafs auch auf der Südwestseite die
	        
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