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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Köppen: Der Sturm vom 22, Dezember 1894, 
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schärfer hervor. Bei dem nun rasch vor sich gehenden Verfall des Wirbels 
nahm sie schnell zu, da die Depression in Lappland ihre Tiefe behielt. Das 
Kärtchen Figur 5 zeigt den Rest des kurz vorher noch so gewaltigen Wirbels 
zwar an den (schattirten) Abend-Iso- 
baren vom 23. noch deutlich bei Memel, 
am Morgen des 24. aber ist eine leichte 
Ausbuchtung der Isobare 760 in West- 
russland das Einzige, was von dem 
grofsen Phänomen noch übrig ist. 
Diesen Luftdruckverhältnissen 
entsprechend, war auch die Gewalt 
des Windes auf den Britischen Inseln 
eine ganz aufserordentliche, während 
an den holländischen und deutschen 
Küsten der Nordsee weniger der Sturm 
selbst als die Sturmfluth zu den historisch 
denkwürdigen Ereignissen gehört. Von 
der Nordsee selbst besitzen wir keine 
Beobachtungen über die Windstärke in 
diesem Sturm, und nur die traurige 
Liste der Schiffsverluste beweist, dals 
sie auch dort eine ungewöhnlich große 
gewesen sein muß, 
Nach einer Mittheilung von Ch. Harding im „Naut. Mag.“ (1895, Seite 120) 
wurde die Windgeschwindigkeit von 20m p. S. in diesem Sturme zuerst um 10" p 
des 21., und zwar in Valencia und Holyhead, überschritten. Am folgenden 
Morgen aber wehte über einem grofsen Theile der Britischen Inseln der Wind 
in völlig orkanmäfßigen Böen. Zu Fleetwood, nördlich von Liverpool, war die 
mittlere Windgeschwindigkeit der Stunde 81/2 bis 91/2" a 48m p.S., und während 
vier aufeinander folgender Stunden über 45 m p. S., was noch nicht vorgekommen 
ist, seit Anemometer in Großbritannien aufgestellt sind. In Liverpool stieg die 
Windgeschwindigkeit in der Stunde 10!/s bis 11" auf 40'/2 m p. S., und blieb 
sie fünf Stunden lang (7"a bis 2*p) über 38'/ m p. S. Auf Orkney blieb sie 
vier Stunden über dieser Grenze und war 37 m p. S. um 11*a. An den übrigen 
Anemometerstationen auf den Britischen Inseln blieb die stündliche mittlere Ge- 
schwindigkeit unter 36 m p. S., doch erreichte sie diese Größe beinahe zu 
Alnwick Castle. In einzelnen Stöfßen war die Windstärke natürlich noch weit 
gröfßfser, in Holyhead ergab das besonders für die Messung von Windstöfen ein- 
gerichtete Anemometer in mehreren Böen 67 m p. S. Im Sturm vom 16. bis 
30. November 1893 (vgl. diese Annalen 1893, Seite 498) waren die gröfsten 
gemessenen Windgeschwindigkeiten 43 m p. S. im Mittel einer Stunde auf den 
Örkneys und 51!/ m p. S. in der stärksten Böe zu Holyhead, 
In Südengland, wo der Sturm schwächer war, wurden immerhin sehr 
schwere Windstölse beobachtet; am meisten bemerkenswerth ist einer, der in 
Greenwich um 6" des 22. (mit 28 Pfund Druck per Quadratfufs) und wenige 
Minuten früher in Kew aufgezeichnet wurde. Nach den Aenderungen in Lult- 
druck, Temperatur und Wind scheint er identisch mit einer Böe gewesen zu 
sein, die Falmouth zwei Stunden früher traf und danach fast 200 km in der Stunde 
oder 54 m in der Sekunde zurückgelegt haben mus, 
Die schwersten Zerstörungen auf festem Lande erfolgten im Norden Irlands 
and Englands und im Süden Schottlands; der orkanmäfige Sturm war glücklicher- 
weise von mäliger räumlicher und zeitlicher Ausdehnung und dadurch auf den 
Inseln nicht entfernt so verhängnifsvoll wie jener vom 16. bis 20. November 1893, 
Immerhin sollen nach Zeitungsnachrichten mehrere Hundert Fabrikschornsteine 
ımgeweht, zahlreiche Häuser abgedeckt, Gebäude zusammengestürzt und Tausende 
von Fensterscheiben eingedrückt sein. In der Irischen See, besonders auf dem 
Mersey und dessen Umgebung, sind zahllose Schiffsunfälle geschehen und eine 
Anzahl von Schiffen verloren gegangen, so die Bark „Kirkmichael“ bei Holyhead, 
die Schonerbark „Minnie Brown“ auf der West-Hoyle-Bank, die Brigg „Löven“ 
bei Ardrossan u. 8. W. 
Ann, d. Hydr. etc., 1895, Hoft IL - 
zu.
	        
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