80 Annalen der Hydrographie und Maritımen Meteorologie, Februar 1894.
Tagen, zumal mehrfach am 2. an der Ostsee, am 3. an der mittleren Ostsee und
am 5. an der Nordsee und westlichen Ostsee.
Während dieser langen Frostperiode hatte das zunächst nahezu West—Ost
gestreckte Maximum am 5. eine NW—SE gerichtete Lage angenommen und
sich dann langsam ostwärts, späterhin in Russland südwärts verlagert, von wo
der hohe Druck nach Südeuropa vorbuchtete. Die im Westen gelegene Depression
gewann erst Einflufs auf die Küste, als ein vom Kanal kommendes Minimum am
15. über die Nordsee nach Skandinavien vorüberzog. Nunmehr breitete sich der
niedrige Druck auch über Nordeuropa aus, und erhielt sich diese Wetterlage bis
Monatsschlufß, bei vorwiegend im Nordwesten gelegenen Centren niedrigsten
Druckes, welchen über Südeuropa in wechselnder Mächtigkeit hoher Druck
gegenüberlag.
Südwestliche Winde und Thauwetter traten am 15. an der Nordsee, am
16. an der Ostsee ein, wo die Morgentemperatur in Neufahrwasser von — 16,6° auf
+0,8° angestiegen war; nur in Memel lag die Temperatur an diesem Morgen noch
anter 0°. Mit dem Frost war es nun mit wenigen Ausnahmen in diesem Monat
vorbei. Abgesehen von wenigen Tagen, an welchen flache Theilminima, von
Grofsbritannien nach Mittelskandinavien ziehend, vorübergehend eine schwache
Drehung der Winde nach Nordwest und etwas Abkühlung herbeiführten, verliefen
die Isobaren vorwiegend WSW—ENE, und bedingten die oceanischen Winde
anhaltend milde Witterung, in den ersten Tagen, vom 15. bis 17., zunächst viel
Nebel und bis Monatsschlufs ‚fast tägliche, geringfügige Niederschläge; die
Morgentemperaturen lagen während der zweiten Monatshälfte durchweg über der
Normale und zeigten nur wenige und meist geringe Schwankungen.
Stürmische Winde aus SW bis West, seltener aus NW, traten, aufser in
Brüsterort, wo stürmische Winde besonders häufig vorkommen, am 18. bis 24. und
29. an wenigen exponirten Stationen vereinzelt auf, häufiger am 25. bis 28. und
30., und herrschte zumal am 27. ein starker Südweststurm, der stärkste Sturm
dieses Monats, Stärke 8 bis 10 und vereinzelt sogar in Böen von der Stärke 11,
an der ganzen Küste; auch am 28. und 30. erstreckten sich die stürmischen süd-
westlichen Winde fast über die ganze Küste, doch wurde die Stärke 9 nur ver-
einzelt überschritten.
In den Monatsmitteln lagen der Luftdruck, mit Ausnahme der östlichen
Ostsee und die Temperatur am Morgen durchweg wenig unter den vieljährigen
Werthen, nur in Neufahrwasser war diese Abweichung gröfser und betrug 2,6°.
Die registrirte Windgeschwindigkeit überschritt im Monatsmittel die Normale,
während die Niederschläge in den Monatssummen meist etwas unter der Normale
blieben. Als häufigste Windgeschwindigkeit wurde an der Nordsee Südwest
beobachtet, während an der Östsee neben dieser Richtung meist auch die süd-
liche und südöstliche relativ häufig auftraten.
Berichtigung.
S, 23 des vorigen Heftes, Z. 7 vom Ende des Textes, lies 1882 statt 1892,
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