Jaluit (Marschall-Inseln), Ponapi und Yap (Karolinen).
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Als ich am 15. Januar 1893, mit einer halben Ladung Steinkohlen und
Stückgüter von Sydney kommend, in die Nähe von Jaluit gelangt war, kamen
ungefähr 3 Sm aufserhalb der Südostpassage der Kaiserliche Lootse —. ein
geborener Flensburger, namens Reyer — und der Arzt an Bord. Ersterer
erkundigte sich danach, ob Fallen und Schoten der Segel klar ‚auf Deck lägen
und die Anker klar zum Fallen seien, Letzterer fragte nach dem Gesundheits-
zustand der. Mannschaft. Nachdem Alles in Ordnung befunden worden war,
wurde vollgebrasst, die Passage mit einer steifen Briese aus Ost durchsegelt. und
dann bei dem Winde unter geminderten Segeln nach Süden gesteuert. Um
12 Uhr mittags kamen wir glücklich gegenüber: der Hauptstation. der Jaluit-
Gesellschaft 3 Sm vom Lande auf einer Wassertiefe von 24m (13 Fad.) zu Anker
und vertäuten das Schiff,
Meines Dafürhaltens ist die Durchsegelung der Südostpassage mit einem
größeren Segelschife keine schwierige Aufgabe; aber zur Ausführung ist erforder-
lich, dafs eine frische stetige Briese nicht südlicher als Ost weht, die es auch
ermöglicht, den Ankerplatz zu beholen. Ferner muß mit grofser Sorgfalt darauf
geachtet werden, dafs Alles zum sofortigen Bergen der Segel und Fallenlassen
der Anker vorbereitet ist. Zur Bedienung des Ruders sind beim Einsegeln zwei
Mann nöthig. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, würde ich kein Bedenken
tragen, selbst ohne Lootsen mit einem Schiffe von der Gröfse des „Oscar“
(735 Reg, Tonnen) einzusegeln. Mit Bezug auf die Durchsegelung der Südostpassage
habe ich noch zu bemerken, dafs, wenn der Flaggenmast an der Aufsenkante der
Insel Jabor oder Bonham mw. WSW peilt, man gerade auf die mittlere der
innerhalb vor der Passage liegenden Inseln steuern mufs, welcher Kurs frei von
dem Jabor-Riff führt. Auf der Weiterfahrt nach Süden empfiehlt es sich, soviel
als irgend möglich die St. B.-Seite des Fahrwassers zu halten, weil man dicht
unter der obengenannten Insel Gefahr läuft, den Wind zu verlieren. Bei süd-
östlichem Winde kann man auch zwischen der langen (südlichen) und der kleinen
mittleren Insel hindurchsegeln, wodurch inde[s die Erreichung des Ankerplatzes
um ungefähr zwei Stunden verzögert wird.
Die Insel Jabor, auf welcher die Station angelegt ist, hat eine ungefähre
Länge von 3.Sm, eine gröfste Breite von 400 bis 500 m und erhebt sich in ihrem
höchsten Punkte 3m über das mittlere Hochwasser. Bei den gewöhnlichen
Witterungsverhältnissen steigt und fällt das Wasser zur Springzeit 3 m (10 Fuß).
Der Boden der Insel besteht ausschließlich aus Korallensand und bringt Brod-
frucht-, Pandanus-, Kokos- und Moma-Apfelbäume hervor. AKErstere entwickeln
sich zu einer bedeutenden Höhe und liefern das Hauptnahrungsmittel der Ein-
geborenen, von denen auch die Frucht der Pandanusbäume, „Bubb“ genannt,
gegessen wird. Die Momaäpfel eignen sich vorzüglich zum Einmachen in Zucker
oder Essig. Ferner gedeihen in geringem Mafse Bananen sowie drei bis vier
Arten von Nutzholz und ebensoviele Arten von Sträuchern. Es leben hier zur Zeit
16 bis 17 Europäer, von denen zwei mit deutschen ‚Frauen verheirathet sind.
Sie stehen, mit Ausnahme des Kaiserlichen Kommissars, des Sekretärs desselben
und des Arztes, alle mehr oder weniger im Dienst der Jaluit-Gesellschaft. Einer
von ihnen ist Schiffszimmermann, ein anderer, der auch Taucherdienste verrichtet,
Segelmacher.
Die Abfertigung der Schiffe geht sehr langsam von statten, weil nicht
Leichter genug vorhanden sind. Wir benöthigten daher auch 43 Tage, die Zeit
vom 15. Januar bis zum 27. Februar, um 310 Tonnen Steinkohlen und Stück-
güter zu. löschen und 500 Tonnen Kopra zu laden, viel zu lange für ein Segel-
schiff, welches noch dazu vier Plätze anzulaufen hatte. Im Uebrigen bin ich sehr
gut behandelt worden.
An Erfrischungen kann man außer den schon genannten Früchten gelegent-
lich einmal frisches Öchsenfleisch, Hühner und Eier bekommen, aber nur gegen
theuere Preise. Zum Essen und Trinken wird nur Regenwasser benutzt. .
Zum Aussegeln bedient man sich der Südwestpassage, welche einige
Schwierigkeit macht; denn erstens hat das Fahrwasser eine Anzahl Krümmungen,
zweitens läuft dort ein starker Strom von 3 bis 4 Knoten. Daher sollte ein
Unkundiger nicht den Versuch machen, ohne Lootsen in See zu gehen,
Ueber unsere Reise von Bonham nach Ponapi habe ich nichts weiter zu
bemerken, als daß wir sie bei frischem Nordostpassat in vier Tagen ausführten.