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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Davis: Die Winde des Indischen Oceans, 
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Die Winde des Indischen Oceans. 
Von Prof. WILLIAM MORRIS Davıs.!) 
(Hierzu Tafel 2.) 
Auf die Monsune des Indischen Oceans wird gewöhnlich Bezug genommen, 
wenn man von dem störenden Einflufs eines Kontinents auf die im Uebrigen 
symmetrische Anordnung der Passate spricht; sie scheinen uns jedoch auch eine 
eigenthümliche Ablenkung der Passatwinde vorzuführen, welche von der Wirkung 
des Kontinents unabhängig ist. Diese Störung besteht in dem Auftreten eines 
schmalen Gürtels von Monsunwinden südlich vom Aequator, welchen der Name 
von terrestrischen Monsunen beigelegt werden kann, zum Unterschied von den 
kontinentalen Monsunen nördlich vom Aequator. 
Wenn die Achse des äquatorialen Gürtels niedrigen Druckes beständig auf 
dem geographischen Aequator bliebe, so würden die Passate symmetrisch von 
beiden Seiten sich ihm nähern und in den zwischenliegenden Mallungen abflauen. 
Aber wenn die Mallungen am Ende des nördlichen Sommers sich nordwärts vom 
Aequator entfernen, so wird der Nordostpassat gekürzt, und der Südostpassat 
wird veranlafßst, aus seiner Hemisphäre herauszutreten. Er fliefst auch weiterhin 
auf nordwärts gerichteten Gradienten, aber er tritt von Breiten, in welchen 
eine australe?) Ablenkung ihn nach links dreht, nach Breiten über, in welchen 
eine boreale Ablenkung ihn nach rechts dreht; infolge dessen schwingt der Süd- 
ostpassat der südlichen Halbkugel auf unserer Seite vom Aequator herum und 
wird zum Südwestwind. Es ist ein Jahreszeitenwind oder Monsun, denn in der 
entgegengesetzten Jahreszeit ist seine Stelle vom normalen Nordostpassat ein- 
genommen. Ebenso mufß durch die Ausdehnung des Nordostpassats ein Nord- 
westmonsun gebildet werden, wenn die Mallungen den Aequator im südlichen 
Spätsommer südwärts überschreiten. 
Soweit sind diese Monsune nicht an die Gegenwart von Festländern 
gebunden; sie sind einfach specielle Fälle von planetarischen‘ Winden auf einer 
Erde, deren Achse deutlich gegen die Ebene ihrer Bahn geneigt ist, und deren 
Jahr lang genug ist, um eine erhebliche Wanderung ihres Wärmeäquators zu 
bedingen. Festländer können sogar die normalen terrestrischen Monsune zer- 
stören; das ist der Fall im Südatlantischen Ocean, wo die unsymmetrischen 
Umrisse von Afrika und Südamerika eine solche Vertheilung der Meeresströmungen 
bedingen, dafs sie die Mallungen verhindern, den Aequator südwärts zu über- 
schreiten. Daher giebt es keine terrestrischen Monsune im Südatlantischen Ocean. 
Wo aber specielle störende Einflüsse fehlen, darf man terrestrische Monsune er- 
warten. Beispiele ihres Auftretens sollen weiterhin angeführt werden. 
Andererseits wird dort, wo die Lage der Festländer zum Aequator geeignet 
ist, die Wanderung des Gürtels hoher Temperatur und niedrigen Druckes über viele 
Breitengrade zu veranlassen, der jahreszeitliche Wechsel der Monsune besonders 
grofs. Eine Serie von monatlichen Isobaren- und Isothermenkarten, wie die von 
Buchan im „Challenger“-Werke, kann uns angeben, wo der Wärme- und Luft- 
druckäquator nach Landflächen in ungewöhnlich weiter Entfernung nördlich oder 
südlich vom geographischen Aequator wandert, sowie auch dessen Wanderung unter 
normalen terrestrischen Bedingungen zu bestimmen. Die Nord- und Südwanderung 
des Wärmeäquators im Gefolge der Sonne ist grofs über Afrika, und dort dürfen 
wir wohl ausgeprägte Beispiele von kontinentalen Monsunen auf beiden Seiten 
des Aequators erwarten; aber im Innern des dunklen Kontinents sind die Winde 
wenig erforscht. Die Wanderung nach Norden ist stark über Indien in unserm 
Sommer, jene nach Süden ist deutlich über Australien im Sommer der südlichen 
Halbkugel; in diesen beiden Regionen müssen Monsune unsymmetrisch in nörd- 
1) Aus dem „American Meteorol. Journal“, 1893, Vol. X, S. 333, mit einigen Kürzungen 
übersetzt, D. Red, 
2) Wie es für die Nordlichter üblich ist, wollen wir die Ausdrücke boreal und austral 
anwenden für „nordhemisphärisch“ und „südhemisphärisch“. W. M. D. 
Ann. d. Hydr. eto., 1894, Heft IL
	        
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