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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Knipping: Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der aufsertropischen Cyklonen. 57 
schliefslich fällt das Thermometer beträchtlich mit Einsetzen des schweren Süd- 
südoststurmes um 4° in 12 Stunden, und zwar von Mitternacht bis Mittag. 
Die theoretische Frage, wie die erste flache Depression entsteht, mul 
vermuthlich dahin: beantwortet werden, dafs sie in manchen Fällen der Haupt- 
sache nach der. lokalen Erwärmung ihre Entstehung verdankt, in anderen mehr 
den vorherrschenden Winden. Unter welchen Bedingungen sich eine solche flache 
Depression zu gröfßerer Intensität weiter entwickelt oder auflöst, hängt in 
manchen Fällen davon ab, ob die betheiligten Winde fast ohne Reibung über 
eine Wasserfläche wehen oder ihre anfänglich immer nur geringe Kraft an Hügel- 
und Bergketten aufzehren. Innerhalb der Tropen wird ferner die Weiter- 
entwickelung von flachen Depressionen in manchen, vielleicht in vielen Fällen 
aufserordentlich gefördert durch eine nicht zu grofse Insel im Meere, über welcher 
der aufsteigende Strom eine gröfsere Bedeutung als in der Umgebung erhält. 
Die Beobachtungen der „Dorothea“, Kapt. H. '"*h. Möller, zeigen also, 
dafs sich aufsertropische Cyklonen im Winter an der Meeresoberfläche entwickeln 
können. . 
Mit Bezug auf die Erfahrungen in Japan und Indien kann man also sagen: 
Aufsertropische winterliche Cyklonen entwickeln sich ebenso 
an der Meeresoberfläche, wie tropische Orkane und Taifune. 
Beaufort’s Windstärke-Skala in Metermafs, hauptsächlich nach 
dem „Gazelle‘““-Werk. 
Diese zu Wasser und zu Lande weit verbreitete Skala, von dem Komman- 
danten I. Br. M. S. „Woolwich“, Beaufort, 1805 erdacht, geht aus von dem 
Druck, den der Wind auf die Segel eines Schiffes, genauer eines vollgetakelten 
Segelkriegsschiffes aus dem Anfange unseres Jahrhunderts, ausübt. 
Da die wörtliche Fassung für die vorliegende Frage von Wichtigkeit ist, 
möge sie hier nach Scott folgen. ') 
Beaufort’s Skala, 
Stärkegrade 
Stille 
Leiser Zug 
Leicht 
Schwach 
Mälsig 
Frisch 
Stark 
Hart 
Stürmisch 
Sturm 
Starker Sturm 
Grade Steuer im Schiff 
f So viel Wind, dafs ein in jeder Beziehung tüchtiges 1—2 Knoten 
Kriegsschiff mit allen Segeln gesetzt und gut voll 3—4 ,” 
\ beim Winde in glattem Wasser machen würde 5—6. 
( So viel Wind, dals es \ Oberbramsegel 
anufderJagdnach einem Einfach gereffte Marssegel und Bramsegel 
anderen Schiffe, voll \ Doppelt gereffte Marssegel, Klüver u. s, W. 
end bei, noch eben Dreifach gereffte Marssegel u. 8. w. 
L führen könnte } Dicht gereffte Marssegel und Untersegel 
So viel Wind, dafs es kaum Dicht gerefftes Grofsmarssegel und gereffte 
noch führen könnte Fock 
Harter Sturm Alle Segel fest?) bis auf die Sturmstagsegel . 
Orkan Kein Segel hält mehr Stand 
J 
11 
12 
Während also bis B 4 die Fahrt des Schiffes mafsgebend ist, tritt an 
deren Stelle bei den höheren Graden die eben noch mögliche Segelführung; 
in beiden Fällen gilt aber die Bedingung: „beim Winde“. Auch B 10, der 
höchste Grad, bei dem nach der Skala noch Raasegel geführt werden können, 
NR. H. Scott: Elementary Meteorology. — Fitzroy:; Weatherbook, u. A. 
2) Wenn auf Segelschiffen der Handelsmarine die Untermarssegel aus den Lieken fliegen, ist 
demnach wenigstens B 11 zu notiren, nicht B 10, wie es öfters geschieht. Ueberhaupt dürfte auf 
den neueren Schiffen dieser Art die Windstärke bei hohen Graden leicht zu niedrig geschätzt werden, 
‘heils infolge der weitgehenden Verwendung von Stahl, bis zu den Lieken der Segel, theils infolge 
der verbesserten Einrichtungen zum schnellen Segelbergen, Die starken und stürmischen Winde 
können so von energischen Kapitänen ganz anders ausgenutzt werden als früher; man gewöhnt sich. an 
schwereres Segeln und schätzt unwillkürlich niedriger. 
Ann. d. Hydr. etc., 1894, Heft II.
	        
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