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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Wislicenus: Die Küste von Tonkin. 
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beiden Kaps Pak-long und Kuan-tao verbindet, ist in diesem Theile der Küste 
ungefähr die 10 m-Grenze. 
Pak-hoi. Pak-hoi liegt an der Nordküste einer Halbinsel, die sich süd- 
westwärts erstreckt und in dem Kap Kuan-tao endet. Von Süden her scheint 
dieses‘ Kap bei klarem Wetter eine Insel zu sein. Es ist 138 m hoch, schroff 
und kahl, während die Halbinsel niedrig und flach ist. Eine Sandbank, die Banc 
Along, schützt den Ankerplatz gegen Norden. Dabinter, bis zu dem etwa 8 Sm 
entfernten gegenüberliegenden Ufer hin, dehnen sich Sandbänke aus, wovon einige 
bei Niedrigwasser trockenfallen. Pak-hoi ist dem europäischen Handel im Jahre 1877 
geöffnet worden. Schiffe mit weniger als 6 m Tiefgang können bequem dort ein- 
laufen. Die Stadt, die aus zwei langen unregelmäfsigen Strafsen besteht, ist 
schmutzig und ungesund; sie soll 20 000 Einwohner haben. 1886 liefen in Pak- 
hoi 163 Schiffe mit einem Gesammt-Tonnengehalt von 60000 Tonnen ein. Die 
Ausfuhr besteht aus Indigo, Zinn, Zucker u. s. w.; sie hatte 1886 6 Mill. Fres. 
Werth, und die aus Baumwollstoffen und Reis bestehende Einfuhr hatte 11 Mill. 
Fres. Werth. 
Pak-hoi hat Telegraphenverbindung mit Honkong; auch Dampferlinien ver- 
binden diese beiden Häfen. 
Der Fluß Lei-shao-fu mündet im Innern der Bucht von Pak-hoi. 
Segelanweisung. Betonnung. Wenn man, von Süden kommend, sich 
Pak-hoi nähert, sieht man die Tiefen regelmäfsig bis zum Kap Kuan-tao ab- 
nehmen; !/ Sm von diesem Kap findet man 7m Wasser. Längs der ganzen 
Küste läuft man Gefahr, in grofsen Abständen vom Lande, oft in 42 Sm und 
mehr Entfernung davon, die Pfahlschwimmer der Fischnetze zu treffen; man mu(s 
sehr auf sie achten, weil ihr Stofs der Schiffsschraube gefährlich werden kann. 
Man mul in !2 Sm Abstand um die Spitze Kuan-tao, deren Westseite 
steil ins Wasser fällt, herumdrehen und dann nordwärts steuern, bis man in 
Ost —Westrichtung von dem 106 m hohen Hügel Nautilus (der %4 Sm nordost- 
wärts von Kuan-tao liegt) ist. Dann steuert man N 48° O0 bis zum Parallel der 
sandigen Spitze von Zykok (auch Tai-kok geschrieben). 
Vom äufsersten Ende der Spitze Tykok läuft eine Linie von Fischbuhnen- 
pfählen nach N 30° W, die etwa 1400 m lang ist; sie hat eine Durchfahrt von 
80 m Breite, deren Nordseite von einer schwarzen Tonne mit schwarzem Rauten- 
Toppzeichen, die auf 5,5 m Tiefe verankert ist, bezeichnet wird; an der Süd- 
seite der Durchfahrt liegt eine rothe Tonne mit schwarzem Kugeltoppzeichen auf 
6,4 Tiefe (bei Springtide-Niedrigwasser), die 850 m in N 30° W von der Spitze 
Tykok entfernt ist. 
Eine weiße Tonne mit drei schwarzen Kreisen bezeichnet die 4,5 m-Grenze 
an der Ostseite der Rhede. Diese Tonne liegt ungefähr 1%1:0 Sm in ONO von 
der Spitze Tykok. Wenn man die Durchfahrt durch die Fischereipfahllinie passirt 
hat, ankert man je nach dem Tiefgange in größerer oder geringerer Nähe der 
weißen Tonne, wobei man darauf achten mufs, stets nordwärts von der Ver- 
bindungslinie dieser Tonne mit der Spitze Tykok zu bleiben, 
Gezeiten. Das deutsche Kanonenboot „Nautilus“ hat 1877 40 Tage lang 
die Gezeiten beobachtet. Die Fluth setzt nach NO, die Ebbe nach SW; ihre 
Geschwindigkeit wechselt zwischen 1 und 1% Sm. In dem Zeitraume zwischen 
dem ersten Tage vor und dem fünften Tage nach Voll- und Neumond finden 
zwei Tiden innerhalb 24 Stunden statt. In der übrigen Zeit tritt nur eine Tide 
täglich- ein, wobei 14 Stunden Fluth und 10 Stunden Ebbe läuft, Der größte 
Fluthwechsel war 3,5 m. a 
Witterung. Die Regenzeit dauert vom Januar bis zum Juni; der Regen 
ist in dieser Zeit weder ununterbrochen noch sehr heftig. Vom Januar bis zum 
April wehen häufig heftige Böen aus Norden, die plötzlich einsetzen und zuweilen 
drei Tage lang dauern. Man erkennt ihr Herankommen am Steigen des Baro- 
meters und an der Durchsichtigkeit der Luft, die es zulälßst, die Nordküste von 
Pak-hoi klar zu erkennen, was bei gewöhnlichem Wetter selten vorkommt. Vom 
Juni bis zum. Oktober kann man Taifune erwarten, die aber nicht gefährlich sind, 
weil ihr Centrum weit südwärts vorbeigeht, 
Ann, d, Hydr. etc, 1894, Beiheft II.
	        
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