Wislicenus: Die Küste von Tonkin,
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gewunden, aber keine der Biegungen hat Schwierigkeiten für das Durchsteuern,
Er führt ostwärts vom Index, südwärts von la Tourelle (Thürmchen), westwärts
von la Toque (Filzmütze) und südwärts von den Inseln: Campement (Feldlager),
Repos du Cöne (Kegelabsatz) und Chenal (Kanal).
Die Barre von 3,4 m, die südwärts von der Kegelinsel liegt, besteht aus
Schlick und ist sehr schmal; sie ist kaum 40 m breit und wird gewöhnlich durch
eine schwarze Tonne bezeichnet. La Palourde (Seemuschel), eine kleine, niedrige
Klippe, die vereinzelt mitten in der Bucht von Halong liegt, giebt die Marke für
das Passiren der Barre, wenn sie frei kommt oder verdeckt wird von den Inseln,
die die Südseite des Kanals begrenzen.
Port-Courbet oder Hone-Gay. Der Einfahrtspafß in diesen Hafen, der
Kua Luk genannt wird, ist 2 Kabllg. breit; die Gezeitenströme sind darin sehr
heftig, deshalb mufs man so weit wie möglich im Norden und westwärts von der
Insel Bayard ankern. Der Grund besteht aus Schlick; er hält den Anker
weniger gut als der Grund in der Bucht von Halong.
Ausgezeichnete und leicht zu erkennende Landmarken sind: das auf der
linken Seite der Einfahrt erbaute Fort, die Baumgruppe von Kua Luk, der
Gipfel Buissöon im nordwestlichen Theile des Hafens, der gelbe Gipfel (Sommet
Jaune) an der Nordostseite des Hafens. Die Südküste des Hafens ostwärts und
westwärts von Kua Luk hat einige Frischwasserplätze.
Der Minenflufß, der ostwärts von der Insel Hone - Gay mündet, ist 1 Sm
oberhalb seiner Mündung nur schwierig zu befahren, selbst für Boote.
Die Dörfer im nördlichen Theile des Hafens können nur wenige Hülfs-
mittel gewähren; doch in Phu- Troi, am nordwestlichen Arme, wird ein Markt
abgehalten; im nordöstlichen Arme liegt ein chinesisches Dorf, wo grofer Holz-
markt abgehalten wird.
Kohlen. Kohlenlager hat man einige Seemeilen von der Mündung des
Minenflusses an der Ostseite von Port - Courbet erforscht. Eine Eisenbahn von
ungefähr 4 Sm Länge verbindet die Mine von Nagotna mit der Hafenmole; 1898
war der Ertrag sehr grofßs, etwa 600 Tonnen täglich. Die Beschaffenheit der
Kohle soll gut sein. Dampfer von 200 Tonnen können längsseit der Mole
flott bleiben. Es ist eine Werkstatt zur Ausführung kleiner Ausbesserungen
vorhanden.
Die grofse Bucht von Fai-tsi-long. Diese Bucht ist die gröfste des
Archipels; aber wegen ihrer Entfernung vom Flufdelta hat sie nicht die Bedeutung,
wie die Bucht von Halong. Sie bildet nur einen Durchgangsplatz, einen Kreuz-
weg von Kanälen. Die Bucht ist dem Nordostwinde so weit ausgesetzt, dafs
darin ein für Boote störender Wellenschlag entstehen kann.
In dieser Bucht giebt es weder verborgene Gefahren noch steinige Untiefen.
Die besten Landmarken der Bucht sind: die „Mittelinsel“ (I. du Milieu),
die ganz vereinzelt liegt, die „Kanalinsel“, das „Segel“ (la Voile), eine schmale,
leicht nach Süden geneigte Insel, der „Adler“ (!’Aigle), der, von Westen gesehen,
alle anderen Inseln überragt.
Von See aus gelangt man in die grofse Bucht von Fai-tsi-long durch ver-
schiedene Kanäle, deren Beschreibung hier folgt:
Zugänge. Mehrere Pässe führen in die grofse Bucht von Fai-tsi- long;
einige laufen unmittelbar in die Bucht, wie die Pässe l’Aspie, le Casque und la
Mouche: andere setzen sie mit dem Henriette-Pafs in Verbindung.
Passe de l’Aspie (Natterpafß). Dieser Pafs, dessen Einfahrt ostwärts vom
Henriette-Pafs liegt, zeichnet sich durch seine Geradheit aus.
Um von See aus hineinzulaufen, mufs man die Südostinsel suchen; diese ist
die letzte Klippe südostwärts vom Henriette - Pafs; hierzu steuere man so, dafs
man die Ostkante der östlichen Gruppe der Norway - Inseln in Süd achteraus
hält, oder die Fausse Quille in S 40° W achteraus; beide Peilungen führen
mindestens 1 Sm seewärts an den Inselchen vorbei. Nachdem man in diesem
Abstande um sie herumgedreht hat, hält man die Südostinsel achteraus zwischen
der Fausse Quille und der Westgruppe der Norway-Inseln in Peilung.