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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Wislicenus: Die Küste von Tonkin. 
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' Kua Bang. Nordwärts von Bien-Shon zeigt die Küste eine weite sahdige 
Buchtung. Zwei Kaps, das „runde Kap“ (cap Rond) und ein spitzes, das Kap 
Bang, das einen Spitzberg und eine auffällige Zacke hat, überragen den Sand- 
strand.‘ - 
Westwärts, am Fulse des runden Kaps, mündet der Kua Bang, der nur für 
Boote zugänglich ist; seine Einfahrt ist sehr eng. Die Leitmarke für die Einfahrt 
war im Januar 1886 die Linie: der Gipfel von Hon Dot in Eins mit der linken 
Kante von Hon Bong. Der innere Ankerplatz ist nicht sehr tief und auch nicht 
sehr geräumig. . An der Küste liegen große Dörfer. Eins der wichtigsten Dörfer 
ist Lang Diann an der Lagune zwischen dem runden Kap und dem Kap Bang; 
es ist ein christliches Dorf, seine Kirche hat einen sehr gut sichtbaren Kirchthurm, 
den man über den Baumgruppen sieht. 
Klippen. Nordwärts vom Kap Bang beginnt ein groöfßser Sandstrand und 
dehnt sich bis zum Kap Kiao aus. Drei Seemeilen nordwärts vom Kap Bang liegt 
eine Klippenplatte, die zwei von einer schmalen Durchfahrt getrennte Spitzen hat; 
die Spitze an der Seeseite liegt !/z Sm von der Küste ab und fällt nur bei 
Niedrigwasser trocken (bis zu 1,1 m); die Klippe an der Landseite wird nur 'aus- 
nahmsweise von Wasser bedeckt, sie fällt 3,8 m trocken. 
Gebirge. Im Innern erhebt sich der Nui-Tow-Vi (565 m hoch); dieser 
auffällige kegelförmige Gipfel liegt an der Südkante einer Bergkette, von der 
der Nut Diaz (517 m) die Nordkante bildet. Diese beiden Gipfel sind fast gleich 
hoch und nur wenig höher als die dazwischenliegende Kette; diese Umstände 
erleichtern es, sie zu erkennen. 
Beim Nui Diaz dreht der Bergzug plötzlich nach WNW; dann beginnt die 
große Ebene von Than Hoa, die von zwei wichtigen Flüssen, dem Lakh. Yap 
und dem Song Ma bewässert wird. Die beiden Flüsse sind durch viele Kanäle 
miteinander verbunden, 
Lakh Yap oder Kua Mom. Der Lakh Yap oder Kua Mom bietet 
einen guten inneren Ankerplatz. Seine Barre hat 1,3 m Wasser, so daß sie also 
bei mittlerem Hochwasser für Schiffe von mehr als 3 m Tiefgang passirbar ist; 
aber die Einfahrtrinne istsehr schmal, nur 200 m breit, auch giebt es keine 
klare Deckpeilung zum Passiren der Barre; übrigens ist die Rinne durch die 
Bänke, auf denen es stellenweise brandet, ziemlich gut bezeichnet. Man kann 
bei der Südspitze, an der Biegung des Flusses ankern; weiter oberhalb liegt eine 
Schlickbank, die den Fluß fast ganz sperrt und die nur eine ganz schmale Rinne 
von 2 bis 3 m Tiefe längs des linken Ufers frei läfst. 
Der Fluß läuft auf einer Strecke von 4 km der Küste parallel nordwärts, 
dann dreht er plötzlich nach WSW. Diese scharfe Biegung wird von einer 
einzelnen Bergmasse begrenzt, die die Masse von Lakh Yap (Massif du Lakh 
Yap) oder Nui-Teo-Vang genannt wird; die Ostspitze der Bergmasse ist der 
130 m hohe Nut- Vok. 
Das Kap Kiao oder Nui Gam. Weiter nordwärts liegt das Kap Kiao, 
das frei von Gefahren ist; es ist nicht sehr hoch (40 oder 50 m) und hat einen 
rundlichen Gipfel; dicht beim Nordabhange des Kaps steht eine kleine Pagode, 
die sehr gut von See aus zu erkennen ist. Im Norden und im Süden des Kaps 
liegen zwei kleine bei Niedrigwasser trockenfallende Buchten, worin man bei 
Hochwasser ziemlich bequem landen kann; namentlich kann die südliche nützlich 
sein, weil. sie gegen Nordostwinde geschützt ist. 
Der Lakh Kiao oder Song Ma. Sechs Kilometer weiter nordwärts mündet 
der Fluß von Than Hoa, der Lakh Kiao oder Song Ma; er ist nach dem Kua Hoi 
der bedeutendste Fluß der Küste im Süden des Deltas. Der Fluß hat zwei Ein- 
fahrten, die durch eine bei Niedrigwasser trockenfallende oder brandende Bank 
getrennt werden. Die eine, die nordwärts nach dem Gipfel des Lakh Tran hin 
gerichtet ist, ist ziemlich eng und flach (0,7 m), die andere, die bei Weitem 
breitere, ist nach NW gerichtet und ist ungefähr 1,5 m tief. 
‚Jiese Angaben stammen .aus dem Jahre 1886; es kann sein, dafs die Pässe 
und die Bänke sich inzwischen geändert haben. Man bleibt frei von den Bänken
	        
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