Wislicenus: Die Küste von Tonkin.
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' Kua Bang. Nordwärts von Bien-Shon zeigt die Küste eine weite sahdige
Buchtung. Zwei Kaps, das „runde Kap“ (cap Rond) und ein spitzes, das Kap
Bang, das einen Spitzberg und eine auffällige Zacke hat, überragen den Sand-
strand.‘ -
Westwärts, am Fulse des runden Kaps, mündet der Kua Bang, der nur für
Boote zugänglich ist; seine Einfahrt ist sehr eng. Die Leitmarke für die Einfahrt
war im Januar 1886 die Linie: der Gipfel von Hon Dot in Eins mit der linken
Kante von Hon Bong. Der innere Ankerplatz ist nicht sehr tief und auch nicht
sehr geräumig. . An der Küste liegen große Dörfer. Eins der wichtigsten Dörfer
ist Lang Diann an der Lagune zwischen dem runden Kap und dem Kap Bang;
es ist ein christliches Dorf, seine Kirche hat einen sehr gut sichtbaren Kirchthurm,
den man über den Baumgruppen sieht.
Klippen. Nordwärts vom Kap Bang beginnt ein groöfßser Sandstrand und
dehnt sich bis zum Kap Kiao aus. Drei Seemeilen nordwärts vom Kap Bang liegt
eine Klippenplatte, die zwei von einer schmalen Durchfahrt getrennte Spitzen hat;
die Spitze an der Seeseite liegt !/z Sm von der Küste ab und fällt nur bei
Niedrigwasser trocken (bis zu 1,1 m); die Klippe an der Landseite wird nur 'aus-
nahmsweise von Wasser bedeckt, sie fällt 3,8 m trocken.
Gebirge. Im Innern erhebt sich der Nui-Tow-Vi (565 m hoch); dieser
auffällige kegelförmige Gipfel liegt an der Südkante einer Bergkette, von der
der Nut Diaz (517 m) die Nordkante bildet. Diese beiden Gipfel sind fast gleich
hoch und nur wenig höher als die dazwischenliegende Kette; diese Umstände
erleichtern es, sie zu erkennen.
Beim Nui Diaz dreht der Bergzug plötzlich nach WNW; dann beginnt die
große Ebene von Than Hoa, die von zwei wichtigen Flüssen, dem Lakh. Yap
und dem Song Ma bewässert wird. Die beiden Flüsse sind durch viele Kanäle
miteinander verbunden,
Lakh Yap oder Kua Mom. Der Lakh Yap oder Kua Mom bietet
einen guten inneren Ankerplatz. Seine Barre hat 1,3 m Wasser, so daß sie also
bei mittlerem Hochwasser für Schiffe von mehr als 3 m Tiefgang passirbar ist;
aber die Einfahrtrinne istsehr schmal, nur 200 m breit, auch giebt es keine
klare Deckpeilung zum Passiren der Barre; übrigens ist die Rinne durch die
Bänke, auf denen es stellenweise brandet, ziemlich gut bezeichnet. Man kann
bei der Südspitze, an der Biegung des Flusses ankern; weiter oberhalb liegt eine
Schlickbank, die den Fluß fast ganz sperrt und die nur eine ganz schmale Rinne
von 2 bis 3 m Tiefe längs des linken Ufers frei läfst.
Der Fluß läuft auf einer Strecke von 4 km der Küste parallel nordwärts,
dann dreht er plötzlich nach WSW. Diese scharfe Biegung wird von einer
einzelnen Bergmasse begrenzt, die die Masse von Lakh Yap (Massif du Lakh
Yap) oder Nui-Teo-Vang genannt wird; die Ostspitze der Bergmasse ist der
130 m hohe Nut- Vok.
Das Kap Kiao oder Nui Gam. Weiter nordwärts liegt das Kap Kiao,
das frei von Gefahren ist; es ist nicht sehr hoch (40 oder 50 m) und hat einen
rundlichen Gipfel; dicht beim Nordabhange des Kaps steht eine kleine Pagode,
die sehr gut von See aus zu erkennen ist. Im Norden und im Süden des Kaps
liegen zwei kleine bei Niedrigwasser trockenfallende Buchten, worin man bei
Hochwasser ziemlich bequem landen kann; namentlich kann die südliche nützlich
sein, weil. sie gegen Nordostwinde geschützt ist.
Der Lakh Kiao oder Song Ma. Sechs Kilometer weiter nordwärts mündet
der Fluß von Than Hoa, der Lakh Kiao oder Song Ma; er ist nach dem Kua Hoi
der bedeutendste Fluß der Küste im Süden des Deltas. Der Fluß hat zwei Ein-
fahrten, die durch eine bei Niedrigwasser trockenfallende oder brandende Bank
getrennt werden. Die eine, die nordwärts nach dem Gipfel des Lakh Tran hin
gerichtet ist, ist ziemlich eng und flach (0,7 m), die andere, die bei Weitem
breitere, ist nach NW gerichtet und ist ungefähr 1,5 m tief.
‚Jiese Angaben stammen .aus dem Jahre 1886; es kann sein, dafs die Pässe
und die Bänke sich inzwischen geändert haben. Man bleibt frei von den Bänken