Wislicenus: Die Küste von Tonkin,
N
eine sehr gefährliche Klippe, die beim niedrigsten Wasserstande nur 2 m Wasser
über sich hat und von Tiefen über 20 m umgeben ist; die Spitze dieser Klippe
hat nicht mehr als 4 bis 5 m Durchmesser. Sie trägt keine Bake; es giebt auch
Keine guten Marken, die ihre Lage bestimmen könnten. Der annamitische
Fischer, der die Klippe entdeckt hat, behauptet bestimmt, es gäbe keine andere
in diesen Gewässern, außer denen, die man nordwärts von Hon Nieu findet und
die später beschrieben werden.
Kua Hol. Der Kua Hoi ist die Mündung eines Flusses, der nächst dem
Rothen Flusse der wichtigste Zufluls des tonkinesischen Golfs ist.
Der Flufs entspringt wahrscheinlich in den Gebirgen Süd-Chinas; wegen
der Gebirgsgegend, aus der er heraustritt, kann man glauben, das Flufsbett
müsse schon in geringer Entfernung vom Meere mit Klippen, die die Schiffahrt
sperren, angefüllt sein. Indessen ist der Fluß doch weithin zugänglich, so
dafs das Kanonenboot „Estoc‘“ von 1,4 m Tiefgang ziemlich weit ins Innere vor-
dringen konnte, i
Die Barre des Kua Hoi ist Verschiebungen und Höhenänderungen unter-
worfen, trotzdem sie ziemlich entfernt vom Fluthbecken liegt. Nach den letzten
Vermessungen sind die Tiefen 0,3 m geringer als die auf der französischen Karte
No. 4331 angegebenen; die Fahrrinne sowohl wie die Bänke haben sich seit
{887 beträchtlich geändert. Auch kann man die Barre nicht mehr mit der auf
der Karte angegebenen Peilung überschreiten, Man thut stets gut, die Ortslootsen
zu Hülfe zu nehmen.
Gewöhnlich ist die Barre von den annamitischen Fischern mit Bambus-
stangen, die an den Spitzen Besen tragen, ausgeprickt; diese Besen bezeichnen
beide Seiten des Passes ganz gut und können beim Einlaufen und Auslaufen sehr
gute Dienste leisten; aber diese Besen sind nicht immer genügend sichtbar, wenn
sie vom Strom niedergedrückt werden.
Die Deckpeilung des Kaps Sainte-Anne mit der Südostspitze von Hon Nieu
begrenzte im Jahre 1887 die Barre von der Seeseite aus und führte über Tiefen
von über 5m hinweg. Jetzt kann die Barre zu jeder Zeit von Schiffen mit
weniger als 3 m Tiefgang passirt werden; ausnahmsweise können Schiffe. von
4,5 m bei Springtide-Hochwasser darüber laufen.
Man steuert in die Fahrrinne ein in der Peilung: eine grofse Klippe (le
Grand Rocher) in Eins mit dem Inselchen Hon Truan, das am weitesten seewärts
von Hon Matt liegt. Dann richte man sich nach den Anweisungen des Lootsen
and des Loths, bis man die Landspitze des linken Ufers passirt hat. Diese Huk
fällt steil ins Wasser und ist frei von Gefahren. Dann drehe man etwas nach
Backbord und ankere nicht weit hinter dem Fort, wobei der nordöstliche Gipfel
von Hon Nieu mit der linken Kante des Forts in Eins sein muls.
Dort findet man auf 6 bis 7 m, Grund Schlick, einen guten Ankerplatz,
der etwa 250 m breit ist. Bei Springtide sind die Ebbströme hier sehr stark,
Die Seeschiffahrt hört bei Bin Tuy, 10 Sm landeinwärts, auf. Bin Tuy ist
ein Punkt von beträchtlicher strategischer und kommerzieller Bedeutung.
Die Mandarinenstrafse zwischen Hanoi und Hug überschreitet hier den Fluß.
Man hat von hier aus nur eine Stunde Weges nach Vinh, der Hauptstadt der
Landschaft Nge-An. Bin Tuy liegt am Fuße der Berge; der Hügel, der das
linke Flufßsufer beherrscht, trägt ein Fort.
Die Schiffahrt zwischen Bin Tuy und der Mündung ist sehr bequem.
Schiffe von 2,5 bis 3 m Tiefgang können mit der Fluth hinauflaufen. Der Flufßs
hat nur eine Gefahr, eine Klippenplatte, die auf halbem Wege liegt; auf ihrer
höchsten Spitze bleibt bei Niedrigwasser nur 0,2 m. Man vermeidet sie, wenn
man mitten im Flusse bleibt. Die Klippenplatte wird vom rechten Ufer durch
einen sehr engen Kanal getrennt; man findet darin 6 bis 7 m. Dem linken Ufer
darf man auch nicht nahe kommen, weil an derselben Stelle ein todter Arm
mündet, dem eine nur 0,4 m tiefe Bank vorgelagert ist. Es wäre also nützlich,
diese Stelle mit Baken zu versehen. Eine andere Klippenplatte liegt gegenüber
dem Ankerplatze von Bin Tuy am rechten Ufer; sie behält bei niedrigstem
Wasserstande noch 2 m Wasser.
Hon Nieu. Ankerplatz. Die Insel Hon Nieu wird von zwei runden
Gipfeln, die eine niedrige Landenge trennt, gebildet; von Weitem glaubt man
Ann. d, Hyär. etc., 1894, Beiheft IM.