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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Wislicenus: Die Küste von Annam., 
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Der Flufßs hat den niedrigsten Wasserstand im Februar und den höchsten 
im November. Man ankert im Inneren unter dem westlichen Fort von Thüan-an; 
ostwärts von diesem Ankerplatze nehmen die Tiefen plötzlich von 10m auf 4 
und. 5 m’ ab. 
; Betonnung. Nordnordwestwärts von der Einfahrt, ungefähr 1!/2 Sm see- 
wärts davon, liegen zwei grofse rothe Spitztonnen, die den Örtskundigen dazu 
dienen, sich auf der Barre zu orientiren. 
Lootsen. Während der schönen Jahreszeit, d. h. vom März bis zum Oktober, 
ändet man in Thüan-an eingeborene Lootsen, die, nachdem sie den Kinfahrts- 
kanal mit Bambusstangen bebakt haben, das Schiff aufserhalb der Barre 
empfangen. Es ist gefährlich, mit mehr als 3 m Tiefgang nach Thüan-au ein- 
zulaufen. 
Die Lootsen können bis nach Hug hinauf lootsen; aber der Flufs ist 
wegen seiner Sandbänke, wegen der Fischbuhnen u. 8. w. in seinem schiffbaren 
Laufe sehr unregelmäfsig und nur für kleine Fahrzeuge zu benutzen, die nicht 
tiefer als 1,5 m gehen. 
—_  dezeiten. Fluthbeobachtungen sind in Thüan-an noch nicht gemacht worden; 
der Verlauf der Tiden scheint derselbe zu sein, wie in Tourane. . | 
Vorsicht. Es ist sehr gefährlich, mit Booten bei Nacht die Barre zu 
passiren, namentlich während der ganzen Dauer des Nordostmonsuns. Da man 
gar keine Landmarken hat, können die Boote auf die Bänke versetzt und von 
der Brandung zum Kentern gebracht werden. 
Aue. Die Stadt Hug oder Hud Phu liegt ungefähr 12 Sm aufwärts von 
der Flußfsmündung. Sie ist die Hauptstadt der Könige von Annam. Die Stadt 
besteht aus einer äufseren Stadt, worin die Hauptzahl der Bevölkerung lebt, und 
einer inneren Stadt. Die innere Stadt ist eine ausgedehnte viereckige Festung, 
nach Vauban’s Bauweise von französischen Baumeistern erbaut; sie ist der Sitz 
der französischen Schutzherrschaft und liegt am linken Ufer des Flusses, der sie 
an zwei Seiten begrenzt. Ein 30 bis 40 m breiter Graben umschließt die übrige 
Umwallung. 
Die Bevölkerung von Hug soll 100000 Köpfe zählen. ; 
Witterung. Die‘ gröfste Sommerwärme ist in Hue 38°C, die größte 
Winterkälte geht nicht unter + 18,7° hinab. Aber die Regenfälle dieser Jahres- 
zeit machen den Winter ziemlich unangenehm. Die Monate September, Oktober 
und November sind milde.‘ Witterungsänderungen treten hier plötzlich ein. 
Von Thüan-an bis zum Kap Lay. Die Küste ist vom Flusse Hue an 
sandig und sieht wüster aus als ostwärts vom Flusse. Man sieht nur wenige 
Bäume; einige elende Fischerdörfer liegen an der Kante der blendend weifsen 
Dünen. Die einzigen Landmarken sind die Gipfel des Inneren, wovon aber die 
des Hintergrundes, die vom „Doppelspitz“ (Double Pic) von 1810 m Höhe 
überragt werden, oft vom Nebel oder von Wolken verhüllt werden. Zwischen 
diesen Gebirgen und der Küste liegen in der Nähe von Hue einige gut kennt- 
liche Berge; weiter westwärts davon sieht man nur eine Linie ziemlich gleich- 
mäfsiger Hügel... Aber die Küste hat hier keine Gefahren, man kann sich also 
auf das Loth verlassen. Man findet 19 bis 20 m Wassertiefe in 1!/a Sm Abstand 
von der Küste. 
_ Die Küste läuft zunächst fast ganz geradlinig nach rw. N 50° W, auf einer 
Strecke von 40 Sm. In 34 Sm Entfernung von Thüan-an sieht man die Mündung 
des „Palmenflusses“ (riviere des Palmiers oder Kua Viet); sie wird von zwei 
Palmbäumen bezeichnet. Die Barre vor der Flufsmündung kann nur mit 
Booten passirt werden. 
Die Küste dreht dann recht nordwärts und bleibt bis zum Kap Lay sandig; 
man findet in dieser Gegend nur 14m Tiefe in 1'/a Sm Abstand vom Lande, 
... Eine Klippenplatte, worauf 9m Wassertiefe gelothet worden sind, liegt 
6 Sm in rw.S27° 0 vom Kap Lay. 
Alle Richtungsangaben sind rechtweisend. 
Die Mifsweisung beträgt für 1894; 2° 30‘ Ost, 
gie nimmt jährlich etwa 1‘ zu.
	        
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