Wislicenus: Die Küste von Annam.,
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Der Flufßs hat den niedrigsten Wasserstand im Februar und den höchsten
im November. Man ankert im Inneren unter dem westlichen Fort von Thüan-an;
ostwärts von diesem Ankerplatze nehmen die Tiefen plötzlich von 10m auf 4
und. 5 m’ ab.
; Betonnung. Nordnordwestwärts von der Einfahrt, ungefähr 1!/2 Sm see-
wärts davon, liegen zwei grofse rothe Spitztonnen, die den Örtskundigen dazu
dienen, sich auf der Barre zu orientiren.
Lootsen. Während der schönen Jahreszeit, d. h. vom März bis zum Oktober,
ändet man in Thüan-an eingeborene Lootsen, die, nachdem sie den Kinfahrts-
kanal mit Bambusstangen bebakt haben, das Schiff aufserhalb der Barre
empfangen. Es ist gefährlich, mit mehr als 3 m Tiefgang nach Thüan-au ein-
zulaufen.
Die Lootsen können bis nach Hug hinauf lootsen; aber der Flufs ist
wegen seiner Sandbänke, wegen der Fischbuhnen u. 8. w. in seinem schiffbaren
Laufe sehr unregelmäfsig und nur für kleine Fahrzeuge zu benutzen, die nicht
tiefer als 1,5 m gehen.
—_ dezeiten. Fluthbeobachtungen sind in Thüan-an noch nicht gemacht worden;
der Verlauf der Tiden scheint derselbe zu sein, wie in Tourane. . |
Vorsicht. Es ist sehr gefährlich, mit Booten bei Nacht die Barre zu
passiren, namentlich während der ganzen Dauer des Nordostmonsuns. Da man
gar keine Landmarken hat, können die Boote auf die Bänke versetzt und von
der Brandung zum Kentern gebracht werden.
Aue. Die Stadt Hug oder Hud Phu liegt ungefähr 12 Sm aufwärts von
der Flußfsmündung. Sie ist die Hauptstadt der Könige von Annam. Die Stadt
besteht aus einer äufseren Stadt, worin die Hauptzahl der Bevölkerung lebt, und
einer inneren Stadt. Die innere Stadt ist eine ausgedehnte viereckige Festung,
nach Vauban’s Bauweise von französischen Baumeistern erbaut; sie ist der Sitz
der französischen Schutzherrschaft und liegt am linken Ufer des Flusses, der sie
an zwei Seiten begrenzt. Ein 30 bis 40 m breiter Graben umschließt die übrige
Umwallung.
Die Bevölkerung von Hug soll 100000 Köpfe zählen. ;
Witterung. Die‘ gröfste Sommerwärme ist in Hue 38°C, die größte
Winterkälte geht nicht unter + 18,7° hinab. Aber die Regenfälle dieser Jahres-
zeit machen den Winter ziemlich unangenehm. Die Monate September, Oktober
und November sind milde.‘ Witterungsänderungen treten hier plötzlich ein.
Von Thüan-an bis zum Kap Lay. Die Küste ist vom Flusse Hue an
sandig und sieht wüster aus als ostwärts vom Flusse. Man sieht nur wenige
Bäume; einige elende Fischerdörfer liegen an der Kante der blendend weifsen
Dünen. Die einzigen Landmarken sind die Gipfel des Inneren, wovon aber die
des Hintergrundes, die vom „Doppelspitz“ (Double Pic) von 1810 m Höhe
überragt werden, oft vom Nebel oder von Wolken verhüllt werden. Zwischen
diesen Gebirgen und der Küste liegen in der Nähe von Hue einige gut kennt-
liche Berge; weiter westwärts davon sieht man nur eine Linie ziemlich gleich-
mäfsiger Hügel... Aber die Küste hat hier keine Gefahren, man kann sich also
auf das Loth verlassen. Man findet 19 bis 20 m Wassertiefe in 1!/a Sm Abstand
von der Küste.
_ Die Küste läuft zunächst fast ganz geradlinig nach rw. N 50° W, auf einer
Strecke von 40 Sm. In 34 Sm Entfernung von Thüan-an sieht man die Mündung
des „Palmenflusses“ (riviere des Palmiers oder Kua Viet); sie wird von zwei
Palmbäumen bezeichnet. Die Barre vor der Flufsmündung kann nur mit
Booten passirt werden.
Die Küste dreht dann recht nordwärts und bleibt bis zum Kap Lay sandig;
man findet in dieser Gegend nur 14m Tiefe in 1'/a Sm Abstand vom Lande,
... Eine Klippenplatte, worauf 9m Wassertiefe gelothet worden sind, liegt
6 Sm in rw.S27° 0 vom Kap Lay.
Alle Richtungsangaben sind rechtweisend.
Die Mifsweisung beträgt für 1894; 2° 30‘ Ost,
gie nimmt jährlich etwa 1‘ zu.