accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

20 
Wislieenus: Die Küste von Annam. 
Tiefe. Von Norden oder von Süden kommend erkennt man schon von Weitem 
zwei Hauptgipfel. Der westliche, höchste trägt einen steilen Felsen, der Da Bia 
oder die Pagode (I@ Pagode) genannt wird; da der Gipfel 730 m hoch ist, so 
kann man ihn bei klarem Wetter schon in einem Abstande von 50 Sm erkennen, 
aber man darf nicht immer darauf rechnen, ihn zu sehen, weil der Gipfel während 
des Südwestmonsuns zuweilen von Nebel erfüllt ist, und weil er während des 
Nordostmonsuns fast stets in Wolken eingehüllt ist. Es sollen Silberminen in 
dieser Gebirgskette sein; eine heiße Quelle liegt ungefähr in halber Höhe des 
Gebirges (nach Dayot) und ein guter Frischwasserplatz liegt im Innern des Ein- 
schnitis südwärts von der nordöstlichsten Klippenspitze des Kaps. 
Während des Südwestmonsuns kann man nordwärts vom Kap ankern, 
gegenüber von einer kleinen Bucht, in der man ebenfalls Wasser nehmen kann, 
Wenn man ıw S 53° W auf den Felsen Da Bia zusteuert, bis seine Grundfläche 
vom ersten Höhenzuge verdeckt wird, gelangt man auf 18 m Tiefe in '% Sm 
Abstand vom Lande. 
Die durchbohrte Klippe (Roche percde, perforated rock). Ungefähr 4 Sm 
ıw. N 9° W vom Kap Varella liegt eine Klippengruppe, wovon einige Klippen 
über Wasser liegen. Die mittelste ist die höchste; von mehreren Seiten kann 
man durch sie hindurchsehen. Zwischen dieser Klippengruppe und dem Festlande 
ist eine gute Durchfahrt, worin man bis zu 46 m Wassertiefe findet. 
Kua Da Rang. Die Küste wird nordwärts vom Kap Varella niedriger. 
Man sieht noch eine Felsenspitze und dahinter einige bewaldete Hügel von 
mittlerer Höhe. Etwa 500 m nordwärts von dieser Spitze mündet ein kleiner 
Wasserlauf dicht bei einem Dorfe ins Meer; von da ab treten die Berge mehr 
ins Innere zurück, und die Küste bleibt flach und zeigt bis nach Kua Da Rang 
nur niedrige Dünen. (Diese Aenderung im Aussehen lief bei der ersten An- 
segelung an die Küste auf das Vorhandensein einer tiefen Bucht, der Bucht von 
Phu-Yen auf den alten Karten, schliefsen, während in Wirklichkeit die Krümmung 
der Küste nach innen nur gering ist.) Die Tiefen vor dem Sandstrande sind 
sehr regelmäfsig; man findet 25 m in weniger als 1 Sm vom Straude und 49 bis 
57m in 4 bis 5 Sm Abstand. Auf dieser Strecke von 12 Sm, die rw N 35° W 
läuft, begrenzt die Küste eine weite Ebene, in deren Innerem man kaum die 
Gebirge erkennt, die etwa 60 km und weiter landeinwärts sind. 
Der Fluß Phu-Yen oder Kua Da Rang bewässert diese weite Ebene und 
ist für Dschunken schiffbar, Er scheint der bedeutendste Wasserlauf Annams zu 
sein, ist aber noch nicht erforscht. An der Südseite seiner Mündung bemerkt 
man einen runden Hügel und an der Nordseite einen einzelnen auffälligen Hügel 
von länglicher Form; auf dem nördlichen Hügel stehen die Ruinen einer alten 
Pagode. Weiter hinauf liegt ein schöner, ebenfalls einzelner Berg, der die Form 
eines Dreiecks von 400 m Höhe zeigt; Dayot hat ihn Epervier (Wurfnetz) genannt. 
Der Name ist die Uebersetzung des Gelehrtenwortes Chop chat (Netz), und that- 
sächlich erinnert der Umrifs des Berges an das Wurfnetz der Fischer. 
Gebirge. Nordwärts von Kua Da Rang bis zu der Gebirgsmasse an der 
Südseite der Einfahrt in die Bucht von Ksuandai bleibt die Küste sehr sandig 
und wird auf der ganzen Strecke von Vorgebirgen durchschnitten und von 
felsigen Stellen, die von Sanddünen umgeben sind; die Sände werden während 
eines grofsen Theils des Jahres von heftigen Winden gepeitscht. Hinter dieser 
Küstenlinie dehnen sich Hügel, Ebenen und Hochflächen aus, die gut bebaut 
sind; im Hintergrunde liegt eine lange Gebirgskette, deren Hauptspitzen, der 
„Kegel“ (Cöne) von 570 m Höhe und der „Keil“ (Coin) von 280 m Höhe mit 
dem schon beschriebenen „Wurfnetz“, der näher am Flusse Kua Da Rang und 
am Meern liegt. sehr gute Landmarken bilden. 
Die Inseln Bat Ma Lieng. Die Inseln Bai Ma Lieng verlängern das 
erste felsige Vorgebirge der Küste; es sind zwei von vielen Klippen umgebene 
Inseln. Die der Küste am nächsten liegende, die „grüne Insel“ (We Verte) genannt 
wird, ist 40 m hoch; sie zeigt eine kahle braune Platte und ist nur während der 
Regenzeit, d. h. während des Nordostmonsuns grün; die andere Insel ist flach 
und eiförmig und trägt eine einzige Kokospalme, nach der sie „Kokos-Insel“ 
(le Coco) genannt ist. Zwischen beiden Inseln liegt eine Klippenreihe, wovon
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.