accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Wislicenus: Die Küste von Annam, 
deren Fernwirkungen durch auffällige Aenderung im Aussehen des Wetters und 
im Zustande der See. 
Während des Nordostmonsuns, vom Oktober bis zum März, fällt sehr viel 
Regen, der zuweilen von heftigem Winde gepeitscht wird; es herrscht dann stets 
hoher Seegang, und auf der ganzen Küste, die dem Monsun ausgesetzt ist, steht 
heftige Brandung. In dieser Jahreszeit bieten die Küstengegenden südwärts von 
Hon Lon vortrefflichen Schutz für die Schiffe, die in. dem oft unangenehmen 
Kampfe gegen den Monsun, den sie vom Kap Padaran an auszuhalten hatten, 
ermüdet sind, oder die genöthigt sind, ihre Kohlen zu sparen. 
Gezeiten. Fluthwechsel tritt hier nur einmal. täglich ein; bei Niptide 
wird die Fluthwelle von einem zweiten, kaum fühlbaren Anschwellen begleitet. 
Die Fluthöhe. ist von der Deklination des Mondes abhängig. Der Fluth- 
wechsel erreicht die Größe von 2m, wenn die nördliche oder südliche Deklination 
am gröfsten ist; und er überschreitet nicht 0,5 m, wenn die Deklination Null ist. 
Bei Springtide ist die Dauer der Fluth doppelt so lang wie die der Ebbe; 
Hochwasser tritt ungefähr 7!/2 Stunden früher ein als in Do-Son.. 
Die grosse Bank (Grand Banc) liegt nordwärts von der Bucht von 
Nhatrang auf der Linie, die die Bergmasse vom Kap Mui Khe Ga mit den Inseln 
Kat und Pyramide verbindet; sie besteht aus einer grolsen unterseeischen An- 
häufung von Klippen und Kies, mit unregelmäfsigen Tiefen und Rändern, und 
hat innerhalb ihrer 10 m-Grenze ungefähr 1!/2 Sm Durchmesser, Ihre höchsten 
Erhebungen sind die Nordwestklippe, im nordwestlichen Theile, worauf bei 
Niedrigwasser nur 0,8 m Tiefe ist, und die Klippe Bowrayne, im südlichen Theile, 
worauf nur 1,3 m Wasser bleibt. An der Südseite wie an der Westseite ist die 
Bank sehr steil; aber im Norden und besonders im Osten dehnen sich die Klippen- 
zründe weit über die 10 m-Grenze hinaus; zwischen der grofsen Bank und der 
Insel Kaü, ungefähr in der Mitte des sie trennenden Fahrwassers, zeigt das Loth 
wieder eine Erhebung von 16m, mitten zwischen Tiefen von 20 bis 30 m. 
Nie dürfen Schiffe, und wenn sie auch noch so kleinen Tiefgang haben, 
der grofsen Bank zu nahe kommen. Wenn sie zwischen ihr und dem Festlande 
durchlaufen, um in die Bucht von Nhatrang hinein oder daraus auszulaufen, so 
müssen sie sich möglichst nahe an die Schildkröten-Insel halten. Wenn sie 
zwischen der großen Bank und der Pyramiden-Insel hindurchgehen, müssen sie 
dicht an letzterer vorbeilaufen. die ganz frei von Gefahren ist. 
Die Pyramiden-Insel (Ze Pyramide, auch ile Dune genannt} ist eine 
pyramidal geformte Bergmasse mit fast. kreisförmiger Grundfläche und von 230 m 
Höhe. Die Insel bildet mit Hon Lon eine treffliche Landmarke, wenn man von 
See die Küste ausmachen will. Ihre regelmäfsigen Kanten sind an der Aufsen- 
seite mit Steintrümmern bedeckt, während die Westseite etwas Pflanzenwuchs 
zeigt. Die Insel ist steil und ist am Fufßse ihrer Abhänge mit einem schmalen 
Kiesstrande eingefafst. 
Die Insel Kaü (auch Ca“), die neben der Pyramiden-Insel liegt, ist un- 
regelmäfsig geformt, hat mittlere Höhe und ist von Gesteinslagen gebildet. 
Einige spitze Klippen geben der Insel von See aus das Aussehen einer alten 
Burgruine; die Insel ist ohne Pflanzenwuchs. Von ihrer Südseite trennen sich 
drei felsige Inselchen ab, und auch bei ihrer Westspitze liegt. eine einzelne 
Klippe. (Die Klippen Dayot, die die Karten zwischen den Inseln Shala und 
Kaü zeigten, sind von mehreren Schiffen vergeblich gesucht worden; Fischer, 
die befragt wurden, erklärten, dafs zwischen den beiden Inseln keine Klippen 
wären. . 
Die Insel Kaü und die Pyramiden-Insel sind im Osten und Norden frei 
von Gefahren, 
Die Insel Shala, 5 Sm nordwärts von Kaü, ist 160 m hoch und länger, 
aber weniger spitz als die Dünen-Insel (ile Dune). Sie ist 2'/2 Sm von der 
Halbinsel der Kaps Sec und Verd (Mui kay Sung) entfernt; ein Fahrwasser mit 
24 bis 32m Tiefen trennt sie von dieser Halbinsel. Die Durchfahrt zwischen 
Shala und Kaü ist 36 bis 40 m tief. Etwa 9 bis 12 Sm ostwärts von diesen 
Inseln findet man 110 bis 137 m Tiefen. Innerhalb der Gruppe findet man 33 m 
und dann ganz plötzlich 6m auf der grofsen Bank. 
f; 
14)
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.