Wislicenus: Die Küste von Annam.
Ostwärts von Phan-ry setzt sich der sandige Strand bis zu einer felsigen
Spitze fort; diese Spitze gewährt den Dschunken Schutz gegen den Nordost-
monsun. Dann läuft der Strand weiter ostwärts bis zur Spitze Lagan,
Die Spitze Lagan (auch Logan geschrieben). Die Spitze Lagan liegt
etwa 15 Sm in rw. N 62°O von der Spitze Guio; sie ist eine niedrige und
schmale Landzunge, die sich noch eine weite Strecke seewärts unter Wasser
fortsetzt. An der Westküste der Spitze sieht man einige Häuser, die eine kleine
Bucht einfassen; diese Bucht hat für kleine Fahrzeuge guten Ankerplatz. Auch
nordwärts von der Spitze Lagan liegt ein Dorf; ihm gegenüber kann man auf
9 bis 11 m Tiefe, Grund Sand und Muscheln, ankern. Man muß die Spitze Lagan
in gutem Abstande passiren, weil eine Klippenplatte sie unter Wasser mehr als
1 Sm nach SW fortsetzt.
Die Bank Vulcan. 2'/2 Sm südwärts von der Spitze Lagan hat der „Vulcan“
im Jahre 1862 eine Bank von ungefähr 1 Sm Ausdehnung gefunden, worauf nur
87 m Wassertiefe ist.
Die Bänke Amazon, Duchaffaut und Alth@a. Die Bank Amazon
liegt 4 Sm in rw. S 30° O0 von der Spitze Lagan, die Bank Duchaffaut 6 Sm in
rw. S 26° 0 und die Bank Althea 13 Sm in S 20° O von derselben Spitze. Diese
Bänke sind Theile einer Ansammlung von Untiefen, die von einander {durch
Kanäle von 12 bis 18 m Wassertiefe getrennt werden. Die Grundfläche dieser
Untiefen besteht aus rothem Thonstein; die höchsten Spitzen, wovon eine nur
{m Wasser hat, sind Korallen in pilzförmigem Aufbau (champignons de corail).
Grofse Schiffe müssen also in ungefähr 14 Sm Abstand um die Spitze Lagan
herumgehen, um diese Gefahren zu vermeiden; besonders bei Dünung ist dies
1öthig. Wenn man näher unter Land vorbeilaufen will, so ist es gut, der vom
„Infernet“ angegebenen Deckpeilung zu folgen: den Gipfel von Pulo Cecir de Terre
in Eins mit dem Gipfel des Kaps Padaran, in rw. N 45° O; diese Peilung führt
über Tiefen von mehr als 10 m. Auf allen diesen Bänken findet man, ganz
ebenso wie an der ganzen Ostküste von Annam, zuweilen sogar auf beträchtlichen
Tiefen, Bambusstangen von den Fischern verankert. Man mufs der Schraube
wegen auf diese Stangen aufpassen.
Nach Mittheilung des französischen Dampfers „Melbourne“ wurde 8,7 m
Tiefe in folgenden rechtweisenden Peilungen gelothet: die Spitze Lagan in Nord
5 Sm; der Berg Guio in S82° W; die Südostkante von Pulo Cecir de Terre in
N40° 0. Etwa ’%1 Sm in WSW von dieser Stelle war 10,5 m Tiefe und 1'4 Sm
in NO von der ersten Stelle war 10 m Tiefe.
Pulo Cecir de Terre (Kulao-Kau). Diese Insel, die die Eingeborenen
Hon Kau nennen, liegt 7'/2 Sm rw. N 60° O von der Spitze Lagan: die Insel
ist niedrig und halbkreisförmig, etwa 1 Sm lang und im Mittel !/s Sm breit.
In der Nähe ihres Mittelpunktes ist eine Felsmasse, die höher als die anderen
Theile der Insel ist und die von der Brücke eines grofsen Schiffes schon auf
15 Sm Abstand ausgemacht werden kann. Wenn man sie zuerst erkennen kann,
ist sie einem Kirchthurm oder einem Bootssegel ähnlich. Die ganze Insel ist
felsig und unfruchtbar. An der Südseite und Östseite ist sie frei von Gefahren;
dort findet man 16 und 17 m Tiefen, Felsgrund, in 4 Kabllg. Abstand. Dagegen
ist die ganze nördliche und westliche Küste von einer Sandbank umgeben, die
sich fast auf 1 Sm Breite bis zur 5 m-Grenze ausdehnt; einige Klippen auf dieser
Bank sind über Wasser sichtbar.
Die Bank Breda. Im Norden und NW von Pulo Cecir de Terre bildet
die Küste eine breite und tiefe Bucht zwischen der Spitze Lagan und der Süd-
westspitze der Felsmasse des Kaps Padaran. Im nördlichen Theile der Bucht
sieht man das hohe Land von Cecir, das sehr gebirgig und höckerig ist, und bis
an die Küste herantritt. Die Bank Breda, die in dieser Bucht liegt, ist 3 Sın
in rw, N 33° O0 von dem nordöstlichen Ende von Pulo Ceecir de Terre entfernt
und 2 Sm von der Südwestspitze der Bergmasse des Kaps Padaran. Ueber der
Bank ist 4m Wassertiefe, Grund Korallen und Felsen, Um die Bank herum
beträgt die Tiefe 6 bis 8 m, auf einem Raume von % Sm Ausdehnung; dann
nehmen die Tiefen im Osten und SO plötzlich auf 20, 33 und 55 m zu. In der
Bucht, zwischen der Bank und der Küste sind die Lothungen sehr unregelmäßig,