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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Wislicenus: Die Küste von Annam, 
Dieser regelmäfsige Wechsel kann für einige Tage durch Windstille oder durch 
westliche bis westsüdwestliche Winde unterbrochen werden. 
Der Nordostmonsun, der viel frischer als der Südwestmonsun weht, setzt 
nach einer Zeit von unregelmäfsigem Wetter, mit Stürmen und selbst mit Taifunen 
begleitet, ein. Zuweilen geht ihm auch eine lange, todtie Stille voraus; dann 
unterbricht der Monsun die Stille ganz plötzlich mit einem heftigen Windstofs, 
den man in dieser Gegend den Aufbruch nennt. Die Briese bleibt sehr frisch, 
bei bedecktem Himmel und Seegang, während der Monate November, Dezember 
und Januar. Im Februar wird der Wind meist etwas schwächer; doch kommen 
kräftigere Stöfse, bei denen der Wind nördlicher dreht, vor, besonders in der 
Gegend von Tourane. Im März wird der Monsun handlicher; er ist dann 
zuweilen von leichten östlichen bis südöstlichen Briesen unterbrochen. Daran 
schließen die Windstillen an, die der Zeit des Südwestmonsuns vorausgehen; 
um diese Zeit ist die Hitze erdrückend groß. 
Das Kap Padaran, das vom Mai bis zum Oktober die Grenze des Südwest- 
monsuns bildet, ist auch die Stelle, wo der Nordostmonsun am heftigsten weht. 
Wenn der Nordostmonsun am stärksten weht, läuft auch der Strom, der ihn 
begleitet, bei diesem Kap ziemlich stark; um diese Zeit ist es für Dampfer nicht 
immer leicht, das Kap zu passiren; mehrere sind dabei mit den Kohlen nicht 
ausgekommen. Im Allgemeinen weht der Nordostmonsun viel stärker nordwärts 
als südwärts vom Kap Padaran; beide Monsune haben längs der Küste eine 
Richtung, die sich mit der Küste krümmt. 
Taifune. Südwärts vom Kap Varella sind die Taifune selten. Zwischen 
diesem Kap und Tourane suchen sie die Küste fast jedes Jahr heim, namentlich 
in den Monaten September und Oktober. Durch die Depeschen, die von den 
Wetterwarten in Manilla und Hong-kong ausgehen, können die Schiffe in den 
Hafenplätzen der annamitischen Küste, wo französische Geschäftsträger sind, die 
Annäherung jeder cyklonischen Bewegung zwei und sogar drei Tage im Voraus 
erfahren, Diese Sturmwarnungen werden erst dann besonderen Werth bekommen, 
wenn die Seeleute durch eine Reihe von Semaphorstationen an der Küste ge- 
warnt werden können. (Bei dem grofsen Interesse, das das französische Marine- 
ministerium für die Sicherheit der Seefahrer überall zeigt, ist zu erwarten, dafs 
solche Stationen in absehbarer Zeit an der annamitischen Küste ebenfalls ein- 
gerichtet werden.) 
Gezeiten. Der Gezeitenwechsel ist an der Küste von Annam auffallend 
unregelmäfsig. Der Wechsel ist zuweilen täglich, zuweilen halbtäglich, je nach 
dem Orte, und auch an demselben Orte je nach der Zeit verschieden, Die 
Fluthhöhe hängt hauptsächlich von der Mondsdeklination ab. Im Anhange zu 
dieser Segelanweisung sind auf Seite 38 genauere Angaben über die Gezeiten 
gemacht. 
Der gröfste Fluthwechsel, der beim Kap Saint-Jacques 4m beträgt, ist 
2m in Nhatrang und nimmt bis nach Tourane hin. wo er nicht gröfser als 1,30 m 
wird, ab. 
Strömungen. Vom Kap Saint-Jacques bis zum Kap Padaran sind die 
Strömungen während der Monsunzeiten nicht beträchtlich; sie überschreiten selten 
eine Seemeile Geschwindigkeit in der Stunde. Vom Kap Padaran bis zum Kap 
Varella sind sie während des Nordostmonsuns stark und erreichen bis zu 4 Sm 
Geschwindigkeit. 
In demselben Monsun erreichen sie 1'/2 Sm zwischen dem Kap Varella 
und Kuin-Hone; 2 Sm von Kuin-Hone bis nach Kulao-Ray und fast ebensoviel 
von Kulao-Ray bis nach Tourane. 
Vom August bis zum Ende des September ist der Strom zwischen dem 
Kap Varella und Tourane schwach; indessen hat man dort beobachtet, dafs 
Ströme vorherrschen, die nach SSO setzen und zwar mit einer mittleren Ge- 
schwindigkeit von °% 4 Sm in der Stunde. Am Schlusse dieser Abhandlung ist 
eine Uebersicht der Strömungen an der Küste von Tonkin und Annam gegeben. 
Das Kap Ba-ke. Das Kap Ba-ke liegt 4 Sm in ıwN 62° O von der 
Spitze Tram; es ist ein kleiner Berg von 120 m Höhe, der von kleinen Hügeln 
umgeben ist. Die weifslichen Dünen, die den Strand einsäumen, sind etwas
	        
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