Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1893,
Küste“ im Mai des Berichtsjahres unsern deutschen Seeleuten übergeben werden.
Das Vorwort zum I. Theil, dessen Wiedergabe hier zweckmässig erscheint, lautet,
wie folgt:
„Damit der deutsche Seemann immer mehr unabhängig von der fremd-
Jändischen nautischen Litteratur werde, ist der Deutschen Seewarte seit dem
Herbste 1891 die Aufgabe zugewiesen worden, sich auch mit der Vorbereitung
und Anfertigung von Segel-Handbüchern in Verbindung mit Küsten-
Beschreibungen zu befassen, Den grösseren Segel-Handbüchern für den At-
lantischen und Indischen Ozean reiht sich nun ein Segel-Handbuch für den Eng-
lischen Kanal an. Dieses Werk wird in zwei Theilen erscheinen, wovon der
vorliegende I. Theil die englische Küste enthält. Aus Gründen der praktischen
Navigirung sind diesem Theile auch die Küstenfeuer der französischen Küste bei-
gegeben. Die letztere und die Kanal-Inseln werden in dem II. Theil behandelt
werden, welcher voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres erscheinen kann.
Das Segel- Handbuch für den Englischen Kanal schliefst sich nach Form
und Inhalt den durch die englische Admiralität herausgegebenen Werken ähnlicher
Art möglichst an; begreiflicherweise ist die darin gegebene Beschreibung der
englischen Küste im wesentlichen den letzteren entlehnt, wenn auch allenthalben
bei der Bearbeitung darauf Bedacht genommen wurde, alle neuen und modernen
Quellen zu entlehnenden Angaben zu benutzen. Besonders kommen hierbei die
in den zahlreichen Berichten, welche von den Schiffen der deutschen Marine
und den deutschen Dampfer-Gesellschaften und von Segelschiffen an die Direktion
gesandt worden sind, niedergelegten und nach den eigenen Erfahrungen geschrie-
benen Segel-Anweisungen der Seewarte in Betracht.
Abweichend von dem Hergebrachten erscheint es für deutsche Schiffe zweck-
mäfsig, die Beschreibung der Küsten nicht, wie bei dem englischen „Channel
Pilot“ von Westen nach Osten, sondern von Osten nach Westen fortschreitend zu
geben. Bestimmend wirkte hierbei der Umstand, dafs bereits das vom Hydro-
graphischen Amt des Reichs-Marine-Amtes herausgegebene Segel-Handbuch für
die Nordsee vorlag und daran unmittelbar angeknüpft werden konnte, indem aus
praktischen Gründen auf die für die Einsegelung von Nordosten in jenen Werken
gegebene Anweisung zurückgegriffen und deren Aufnahme in das Segel-Handbuch
des Kanals bewirkt werden konnte. Zweifellos ist dies für den aus der Nordsee
kommenden Seemann von praktischem Werthe, abgesehen von anderen, hier nicht
näher zu berührenden Gründen für diese Anordnung der Beschreibung des Kanals.
Die allgemeinen physikalischen Verhältnisse sind in dem Werke nach den
neuesten, bier bekannten Forschungs- Resultaten von der Seewarte bearbeitet
worden, wobei namentlich die englischen und französischen Werke eine ausgiebige
Verwerthung fanden. In letzterer Hinsicht waren in besonderem die betreffenden
magnetischen, meteorologischen, und die Gezeiten-Veröffentlichungen von grossem
Nutzen.
Dem vorliegenden Bande ist eine Tafel mit nach französischen Vertonungen
angefertigten Küstenansichten beigegeben, sowie eine Tiefenkarte, welche nach
der Karte der englischen Admiralität No. 1598 angefertigt und in Meter- Linien
übertragen worden ist. Nach den neuesten vorliegenden, englischen Lothungen
sind in dieser Karte 10 Meter-Linien eingeschaltet worden, wodurch deren Brauch-
barkeit bei den Lothungen zu Zwecken der praktischen Navigirung erhöht wird.
Bei der stets wachsenden Bedeutung, welche.die Lothungen in der Schiffahrt
unserer Tage gewinnen, und bei der Möglichkeit der Anwendung der erprobtesten