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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1894.
lagerte seinen Kern bis zum 17. nach Süddeutschland; an seinem Nordabfall
wehten längs der Küste in diesen Tagen von Südwest nach West drehende
Winde, welche nur auf Rügen am 16. Sturmesstärke, 8 bis 9, erreichten. Am
14. und 15. traten noch Niederschläge auf, im Osten noch am 16., dann trat
trockene Witterung ein, welche bis zum 19. anhielt. Die Morgentemperaturen,
welche meist etwa vom 8. an, bis nach Mitte des Monats ziemlich stetig, zunächst
Jangsam, dann schneller, gestiegen waren und am 14. an der Nordsee besonders
hoch lagen, zeigten am 17. und 18. wieder allgemein eine Abnahme,
Unter dem Andrang eines tiefen Minimums von Nordwesten her verlagerte
sich das Maximum am 18. bis 21. nach Südrussland, während allmählich die
eyklonalen Isobaren vorrückten und nahe ganz Europa der Herrschaft der im
NW und West gelegenen Minima und ihrer Theilminima unterwarfen. Am 22.
yewann die Depression über Nordeuropa nach Ost an Ausdehnung, während
abermals hoher Druck von Frankreich her in den Kontinent drang, so dafs an der
Küste allgemein südwestliche und westliche Winde zur Herrschaft gelangten, die bis
zum 26. währten, bei Maximum über Centraleuropa und Depression über Nord-
europa; stürmische Winde aus SW—West, Stärke 8, wehten an der Küste
mehrfach am 21, und 22., vereinzelt am 20., 23. und 25. Die Morgentemperaturen
lagen im Westen vom 20. an meist anhaltend sehr hoch und erfuhren im Osten
wieder eine Steigerung durch den Eintritt der westlichen Luftströmung. Geringe
Niederschläge erfolgten fast täglich am 20. bis 25., und mit Ausschlufßs der Nordsee-
Küste, noch am 26. und 27.
Nachdem am 26. ein flaches Minimum von Südschweden über die südliche
Ostsee südostwärts gewandert war, erfolgte am 27. die Vereinigung des über
Frankreich lagernden Hochdruckgebietes mit einem Maximum über Finnland.
Dieses zunächst SW—NE gestreckte Hochdruckgebiet gewann rasch an Aus-
dehnung und Intensität, indem der Luftdruck über weitem Gebiet 780 mm über-
stieg, und nahm bald eine West—Ost gerichtete Lage an. Die Morgentemperaturen
sanken, doch währte die am 28. durch trockenes Wetter charakterisirte Herr-
schaft des Maximums nicht lange, da bereits am 29. ein tiefes Minimum vom
Eismeer herannahte und das Maximum sich schnell südwärts verlagerte. Am
Morgen des 30. sank das Barometer in Vardö bereits unter 725 mm und schritt das
Minimum, diese Tiefe beibehaltend, und von gewaltigem Umfang, rasch südostwärts
über das Weiße Meer nach dem Innern Russlands. Seine Herrschaft über die
Küste kennzeichneten die im Osten schon am 29. eintretenden und allmählich
nach Westen fortschreitenden, am 31. auch auf die Nordsee ausgedehnten, meist
geringfügigen Niederschläge; an der Ostsee traten am 30. und 31. stürmische
Winde aus westlichen Richtungen, Stärke 8 bis 9, in seinem Gefolge auf, und
‘ührten die kräftigen westlichen Winde am Ende des Monats wieder eine all-
gemeine Zunahme der Temperatur herbei.
Im Monatsmittel lag die Temperatur um 1 bis 3° über der Normale, die
Morgentemperaturen lagen an der Nordsee fast durchweg, an der Ostsee, außer
vom 2, bis 10., mit nur vereinzelten Ausnahmen, unter ihren vieljährigen Werthen.
Ebenso übertrafen das Mittel des Luftdruckes, wie, mit Ausnahme von Memel,
die mittlere registrirte Windgeschwindigkeit die normalen Werthe, während die
Niederschläge meist die langjährigen Monatsbeträge nicht erreichten. Schwere
Stürme traten im Dezember nicht an der Küste auf. Die Winde aus Süd bis
Südwest wurden durchweg am häufigsten beobachtet.
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