170 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1894,
Winde nur vereinzelt am 1, und 2. aus Süd—SW, Stärke 8 bis 9, an der öst-
lichen Ostsee sowie am 6. aus WSW—NNW, Stärke 8, an der mittleren und
östlichen Ostsee beobachtet. Nachdem am 4. bis 6. zwei Theilminima über
Mittelskandinavien nach Finnland bezüglich Südschweden nach Kurland geschritten
waren, und sich die Depression am 8. bis 11. allmählich über ganz Europa aus-
gebreitet hatte, erschien ein tiefes Theilminimum vor dem Kanal, welches, am
12. bis 14. nach Finnland wandernd, den stärksten Sturm des Monats am 13,
und 14. aus SW— West, Stärke 8 bis 10, im Gefolge hatte und an der Nordsee von
Gewittern begleitet war. Der Sturm erreichte seine gröfste Stärke an der Nordsee
am Vormittag des 13., in Memel erst in der Frühe des folgenden Tages. Am
14. frischte der Wind an der Nordsee unter der Einwirkung eines kleinen Theil-
minimums abermals zu Sturm auf, der in Borkum nahe die gleiche Stärke wie
am 13. erreichte, jedoch beschränkte sich derselbe auf die Nordseeküste.
Nachdem am 14. und 15. noch zwei Theilminima von Südengland nach
Südskandinavien geschritten waren, stieg der Druck über ganz Europa. Von
Osten her fluthete hoher Druck nach Centraleuropa, und es traten zunächst
leichte südliche bis südöstliche Winde ein, die bis zum 19. anhielten. Im Innern
Russlands traten am 17. und 18. Barometerstände über 7/90 mm ein; die Lage
des Hochdruckgebietes bedingte während dieser Tage die Zufuhr warmer Luft
von dem Mittelmeergebiet her, so dafs das Wetter andauernd mild blieb, und
Nebel in grofser Ausdehnung auftrat. Als merkwürdig sind die am 17. und 18.
an der östlichen Ostsee im Gebiet einer flachen Depression bei hohem Luftdruck
gefallenen Niederschläge zu bezeichnen, welche in Colbergermünde am 17, eine
Höhe von 26 mm erreichten, während, der Wetterlage entsprechend, die übrigen
Küstentheile vorwiegend frei von Niederschlägen blieben.
Am 20. und 21. kam die Küste vorübergehend in den Bereich eines über
dem Norwegischen Meere lagernden Minimums, und traten dementsprechend
wieder Regenfälle mit ausgedehntem Nebel ein, dann gelangte ein Maximum
über Centraleuropa zur Ausbildung, welches bald eine NW--SE gerichtete Lage
annahm und, wie das erste Maximum, die Zufuhr warmer Luft-aus südlichen Gebieten
bedingte. Während der Herrschaft hohen Druckes vom 22. bis 27. war das
Wetter demnach mild und trübe, vielfach, zumal in grofser Ausdehnung am 24.,
irat Nebel ein, Regenfälle in geringer Menge erfolgten nur vereinzelt.
Am Morgen des 28. gehörte die Küste dem Depressionsgebiete eines tiefen
Minimums an, das in den letzten Tagen über Finnland südostwärts fortschritt
und der Küste von Neuem Niederschläge brachte. Gleichzeitiges starkes Steigen
des Luftdruckes über Westeuropa rief starke nordwestliche Winde auf der Rück-
seite des intensiven Luftwirbels hervor, so dafs in seinem Gefolge am 28. eine
starke Abkühlung und ausgedehnte, meist geringe Schneefälle, die einzigen dieses
Monats, sowie weit verbreiteter Nebel am 28. und 29, eintraten; stürmische
Winde aus NW—NNW, Stärke 8 .bis 10, wurden an der Ostsee wie vereinzelt
an der Nordsee am 30. beobachtet. Schon am 29. zeigten die Morgentemperaturen
wieder eine Zunahme, und war die Witterung am letzten Tage mild und trocken,
abgesehen von geringen Regenfällen, die noch an der östlichen Ostsee eintraten.
In den Monatsmitteln waren Luftdruck wie Temperatur erheblich zu hoch,
die Niederschläge in den Monatssummen, aufser in Neufahrwasser, erheblich zu
gering, während die mittleren registrirten Windgeschwindigkeiten theils etwas zu
grofs, theils etwas zu niedrig ausfielen. Durchweg überwogen die Winde aus
südlichen Richtungen bedeutend in der Häufigkeit ihres Auftretens; die Richtungen
der gröfsten Häufigkeit drehen, wie die Tabelle zeigt, falls man der Küste von
West nach Ost folgt, ziemlich stetig aus einer südwestlichen nach einer süd-
östlichen Richtung. ;
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