Von Swatau nach Shanghai.
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Von Swatau nach Shanghai.
Aus dem Reisebericht S. M, S. „Iltis“, Kommandant Korv.-Kapt. Graf BAUDISSIN,
Am 1. Mai 1894 8% 20“ a verliefs S. M. S. „Iltis“ den Hafen von Swatau, um
nach Shanghai zu gehen. Aufserhalb des Hafens stand eine schwere Nordost-
dünung, die durch den immer noch auffrischenden aus ENE wehenden Monsun
an Stärke zunahm. Da das Schiff schwer arbeitete und sehr geringe Fahrt vor-
ausging, wurde beschlossen, zwischen der Insel Namoa und dem Festlande hin-
durchzusteuern. Die Passage ist nach der Karte Titel XI, No. 31 (Br. Adm.-
Karte No. 1957) ohne besondere Schwierigkeiten auszuführen. Man mufs jedoch
gut auf die zahlreichen schwimmenden und festen Fischerpricken aufpassen, durch
die das Fahrwasser stellenweise fast gesperrt wird. Da Wind und See noch
zunahmen, wurde um 1* 15” p auf Clipper Road geankert. Das Kanonenboot
lag hier ganz gut, auch als der Wind später nach Norden herumging, ;
Da es am 2. Mai morgens flauer geworden war, wurde die Reise fortgesetzt
und des immer noch wehenden Nordostmonsuns wegen anfänglich dicht unter
Land gesteuert, bis am nächsten Tage der Monsun aufhörte. Die Reise verlief
sehr schnell, da das Kanonenboot durch günstige Gezeitenströämungen noch in
seinem Kurse vorwärts versetzt wurde. Der im Allgemeinen bei Nordostmonsun
durch die Formosa-Strafse setzende Südweststrom wurde in der Nähe der Küste
nicht angetroffen.
Am 5. Mai 5% a befand sich das Kanonenboot vor dem Vernon-Kanal und
steuerte durch diesen und den Bell-Kanal in den Hafen von Tinghae, wo um
11 30" geankert wurde. Die Ansteuerung wurde nach der Karte Titel XI;
No. 62 (Br. Adm.-Karte No. 1395) ausgeführt und bietet keine besonderen
Schwierigkeiten. Es ist gut, auf den besonders an den Huken stark setzenden
Strom zu achten.
Ueber die Stromverhältnisse ist Folgendes zu berichten. Der Fluthstrom,
von SO kommend, setzt sowohl durch den Kanal zwischen den Inseln Tshusan
ınd Tawu als auch zwischen den Inseln Waewu und Pwantsbe hindurch. Vor
der Stadt Tinghae läuft er dann in südwest- bis westlicher Richtung unter Land
entlang durch den Waewu-Kanal. Die Schiffe im Tinghae-Hafen liegen deshalb
bei Fluth mit dem Bug nach Land zu. Während des Aufenthaltes des Kanonen-
bootes wurde durch Lothungen die Richtigkeit der Karte in Bezug auf den Mittel-
Grund kontrolirt und festgestellt,
Am 8, Mai 9* 15” a wurde die Reise nach Shanghai durch den Bell- und
Blackwall-Kanal fortgesetzt.
Die Ansegelung von Tai-wan-fu (Formosa) und der Taifun-Hafen
Bullock Harbour an der chinesischen Küste,
Bericht des Kapt. A. OTrTr vom Dampfer „Wuotan“.
Die Ansegelung der Rhede von Tai-wan-fu (Tai-wan) auf Formosa
ist in der Br. Adm.-Karte und den „Sailing Directions“ den jetzigen Verhält-
nissen nicht mehr entsprechend angegeben. Nordwestlich von dem Fort Zelandia
ist seit mehreren Jahren der Ort Amping entstanden, in dem die Europäer
wohnen. Die weißen Mauern und Dächer der Häuser von Amping sind bedeutend
weiter sichtbar als der hohe Baum auf Fort Zelandia und daher besser zur An-
segelung. Es empfiehlt sich, von den Pescadores kommend, nicht direkt für
Tai-wan-Rhede zu steuern, sondern ca 5 Sm West davon, um von-.den nördlich
gelegenen Bänken genügend frei zu kommen. Dann kann man auch schon die
Häuser von Amping sehen und seinen Kurs dafür setzen, .
Ein guter Ankerplatz für Dampfer ist Fort Zelandia in NO0'/20 mw. und
Fort Amping OzN mw. in 5,5 Faden (10 m), Von der Brandung ist man dort
ca 3/4 Sm entfernt.