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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1894.
Von Callao nach Honolulu.
Aus dem Reisebericht S. M, S. „Alexandrine“, Kommandant Korv.-Kapt. SCHMIDT.
Am Mittwoch, den 15. August 1894, morgens 8 Uhr, verließ S. M. 8.
„Alexandrine“ mit Dampf auf in zwei Kesseln den Hafen von Callao.
Um nach Möglichkeit den Südostpassat und die Süd-Aequatorial-Strömung
auszunutzen, war geplant, den in „Findlay’s Pacific Directory“ und den „Pacific
[slands“, Vol. II, niedergelegten Erfahrungen entsprechend in der Mitte des
Südostpassats West zu machen und den Aequator zwischen 130° und 138° W-Lg
zu schneiden.
Der Wind ging im Laufe des 16. auf SSE, doch nahm er erst am 18.
einen passatähnlichen Charakter an. Dafs der Einflufs des hohen Landes auf-
hörte, zeigte sich auch daran, daß der während des ganzen Aufenthaltes in
Callao stets bezogen gewesene Himmel aufklarte und die Sonne wieder schien.
Während des ersten Theiles der Reise bis zum 27. August wurden häufig Sprüh-
regenböen beobachtet, in denen jedoch kein Wind war. Der Passat wehte weder
nach Richtung noch nach Stärke gleichmäfsig. Im Allgemeinen ging der Wind
des Morgens gegen 5 Uhr auf ESE und Ost, bis Stärke 3 abflauend, wurde dann
während des Vormittags SE und frischte nachmittags bis Stärke 5 und 6 auf.
Abends schralte der Wind nach SSE und Süd, einzelne Male bis SzW, behielt
aber dieselbe Stärke wie nachmittags bei, um, wie erwähnt, gegen Morgen wieder
abzuflauen und östlich zu werden,
Der Süd-Aequatorial-Strom wurde vom 16. August ab angetroffen, derselbe
setzte ungefähr in den Richtungen, welche in der Stromkarte des Atlas „Wind
and current charts of the Pacific Ocean“ angegeben sind; die Stromstärken
standen anfänglich hinter den in der erwähnten Karte verzeichneten zurück,
später, als das Schiff sich dem Nordrande der Strömung näherte, wurden Stärken
von 42 bis 67 Sm angetroffen.
Am 29. August nachmittags wurde der Aequator in 132° W-Lg passirt,
Am Morgen des 31. August wurde in 5° N-Br und 137° W-Lg die Kalmenregion
erreicht. Der Passat hörte auf, und flaue westsüdwestliche bis westnordwestliche
Winde, von Regenschauern begleitet, nahmen seine Stelle ein. Da das Schiff
aufserdem seiner Position nach dicht vor der Zone des Aequatorial-Gegenstromes
zein mulfste, so wurde der Kurs auf NzW gesetzt, um den Kalmengürtel und den
Oststrom rechtwinkelig zu schneiden und möglichst schnell zu passiren. Nachts
um 12 Uhr sprang der Wind in einer Regenböe auf NNE, Stärke 6, und wurde
im Laufe des 1. September zum Nordostpassat, der, bei schönem klaren Wetter
in Stärke 5 bis 6 wehend, bis zum Schluß der Reise anhielt, allmählich mehr
nach Ost holend, je nördlicher das Schiff kam.
Der Uebergang aus dem Süd-Aequatorial-Stom in den Gegenstrom vollzog
sich in bemerkenswerther Weise. Vom Mittag des 30. bis Mittag des 31. August
hatte der Süd-Aequatorial-Strom mit grofser Stärke gesetzt, der gröfsten, welche
während der Reise beobachtet wurde, N 58° W, 67 Sm. Um 12 30” p, den
31. August, passirte das Schiff eine starke, sich in west—östlicher Richtung aus-
dehnende, ca ! Meile breite Stromkabbelung. Die Farbe des Wassers nahm
ein intensiveres Blau an, und die Wassertemperatur stieg um 1° im Gegenstrom.
Um 5*p ergab das Besteck eine Versetzung von 10‘ nach Osten. Der Gegen-
atrom hielt während des 1. September an, am 3. September mittags wurde in
12° N-Br wieder Westversetzung festgestellt, das Schiff war in den Nord-
Aequatorial-Strom eingetreten.
Am 6. September 5% a wurde in den Innenhafen von Honolulu gedampft
und am Quai festgemacht,