Wilmington, Nord-Carolina.
25 Cents für die Registertonne von See nach Wilmington und wieder in See.
Die Dampfer holen Schiffe oft ziemlich weit aus See ohne Extraforderung, bringen
sie jedoch ausgehend nur eben über die Barre, wo auch die Lootsen sich beeilen,
schnell ins Boot und mit dem Dampfer nach Hause zu kommen. ;
In Southport muß wegen Quarantäne- und Zollvisitation geankert werden.
Es wird erstere ziemlich strenge, doch mit möglichster Berücksichtigung der
Schiffsgeschäfte gehandhabt. Sehr viel hängt von der Reinlichkeit des Schiffes,
besonders der Kajüten- und Mannschaftsräumlichkeiten ab, und im Winter wird
das Schiff, wenn alle Leute gesund sind, mit Räucherpfannen versehen und kann
sofort nach Wilmington hinauf gehen. Im Sommer mufs der Ballast, besonders
Sand, in Southport gelöscht und der Raum gereinigt werden, worauf die Räucherung
beginnt, Bei Schiffen, welche Fracht suchend einkommen, erhält der Kapitän in
den meisten Fällen sofort Erlaubnif, persönlich zur Stadt zur Besorgung seiner
Geschäfte zu reisen. Es ist zu empfehlen, die Anweisungen des Quarantänearztes
möglichst willig zu befolgen; befeindet man sich mit dem Herrn Doktor, so hat
man nur Nachtheil davon, denn eine Instanz über ihm giebt es in Amerika kaum.
Die Stadt Wilmington liegt am linken Ufer des Kap Fear-Flusses, etwa
30 Sm von dessen Mündung. Der Flufslauf von Wilmington abwärts bis South-
port ist wenig gekrümmt. Das Fahrwasser wurde in letzter Zeit bedeutend ver-
bessert, indem man einerseits durch Versenken von Steinkisten vom Ufer ab
quer in den Flufs hinein, diesen eingeengt hat und andererseits durch Bagger,
die noch fortwährend in Arbeit sind, Kanäle graben lassen, so dafs zu Spring-
zeiten Schiffe mit 19 Fuls Tiefgang nach der Stadt hinauf kommen können.
Seit einer Reihe von Jahren wird Wilmington vielfach von deutschen
Schiffen aus dem Ostseegebiet besucht. Die Haupteinfuhrartikel sind Dung- und
andere Salze. Die meisten Segelschiffe kommen jedoch in Ballast, um hier Aus-
fracht zu nehmen. Der Baumwollexport Wilmingtons ist ein bedeutender, geht
aber, seitdem das Fahrwasser vertieft ist, zum allergröfsten Theile ınit Dampfern,
so daß für die Segler hauptsächlich Harz, Terpentin und Holz als Ladung
verbleiben.
Die Stadt Wilmington liegt auf einem etwas gegen die Umgebung erhöhten
sandigen Terrain und macht von fern einen imposanten Eindruck, besonders durch
die vielen Kirchthürme, welche in schlanken Spitzen das Häusermeer überragen,
Sieht man sich den Ort jedoch in der Nähe an, besonders die längs der Flufs-
seite gelegene Waterstreet, so ist man sehr enttäuscht. Alles starrt von Schmutz
und nach einem Regenschauer von Morast; die Häuser sehen verfallen aus;
gelegentlich durch Erdbeben verursachte Mauerrisse sind oft nicht wieder aus-
gebessert, die Magazine kaum besenrein. Etwas besser präsentirt sich die nächste
Parallelstrafse, Frontstreet; diese ist theilweise gepflastert und mit Trottoirs ver-
sehen. Hier sind die meisten Verkaufsläden, Post, Banken, Hotels und Klub-
häuser. Weiter stadteinwärts stehen die Wohnhäuser vereinzelt, in theilweise
recht hübschen Gärten, oft mehrere Kirchen mit schönen Predigerwohnungen in
jeder Straße, die jedoch meistens ungepflastert sind. Mehr landeinwärts kommt
man schliefslich zu einfachen Negerhütten, die sich an das niedrige Gebüsch im
Hintergrunde der Stadt anlehnen.
Eine Anzahl Deutsche, die selber oder deren Eltern vom Wesergebiet
einwanderten, bildet mit den anständigsten Theil der Einwohnerschaft. Es sind
meistens Handwerker, Ladeninhaber und Gastwirthe. Sie haben eine eigene
deutsche Kirche, worin abwechselnd deutsch und englisch gepredigt wird, da der
junge Nachwuchs kaum noch deutsch versteht.
Ein Seemannsheim und eine geräumige und bequem gelegene Lesehalle
stehen den Schiffsmannschaften zur Verfügung. Etwas näher sind ihnen leider
noch einige: sehr verrufene Boardinghäuser, wo liberal gepumpt wird, um die
Leute desto sicherer zur Desertion zu verleiten, die nur zu häufig vorkommt.
Zwei grofse Baumwollpressen, Quaianulagen verschiedener Kisenbahn-
gesellschaften, mehrere Holzsägemaschinen mit ihren wohlgefüllten Lagern, eine
Patentslip — Schiffe bis zu 500 Registertonnen können aufgenommen werden — mi$
Privatwerften, Harz-, Terpentin- und Holzlager abwechselnd, umsäumen die Fluß-
seite der Stadt. Auch am ‚gegenseitigen Flufsufer sind Lagerplätze für Harz,
Terpentin und Holzflöße sowie die Endstation einer Eisenbahn, die ihre Wagen
auf Leichtern mit eigenem Dampfer nach der Stadt schleppen läfst. Flufßsauf-
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