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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

460 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1894. 
Nordostkurs anzusteuern, je nachdem die Gelegenheit und die Lothungen einen 
etwas östlicheren oder westlicheren Standpunkt ergeben. Bei Tage wird man 
dann wohl die Küste der Long-Bai zuerst in Sicht bekommen, sie ist bewaldet 
und von gelben Sanddünen umsäumt. Zur Nachtzeit und bei klarem Wetter 
muß man mehr darauf rechnen, das Feuer von Kap Fear zu sichten, als obiger 
Küste nahe zu gehen, und sollte man dann östlicher sein, so wird wahrscheinlich 
das Feuer vom Feuerschiff der Untiefe zuerst in Sicht kommen. Auf 12 Faden 
(22 m) Wassertiefe angelangt, befindet man sich jedoch aufserhalb der Sichtweite 
desselben und kann nun erwarten, bald das Kap Fear-Feuer zu sehen, falls 
keine Nebelschicht auf dem Lande lagert. Dies ist im Winter oft der Fall, 
während draußen klare Luft ist, indem sich bei südlichen Winden die mitgeführte 
warme Luft über dem kalten Lande zu Nebel verdichtet. Unter eine Wassertiefe 
von 8 Faden (14!/a m) würde ich dann nicht rathen zu gehen, und dies auch nur 
auf einem zuerst mehr westlichen Kurse, damit man der Fryingpan-Untiefe fern 
bleibt. Die Heultonne, welche etwa in NW vom Feuerschiff an der Südwest- 
kante der Untiefe liegt, ist hier von grofsem Nutzen. 
Der Einlauf zum Kap Fear-Flufs geht jetzt allein durch den Bald Head- 
Kanal, woselbst eine tiefe Rinne ausgebaggert worden ist. Kap Fear-Feuerthurm 
steht auf Bald Head, dem Westende des flachen Smith-Eilands, welches im süd- 
lichen Theil niedriges Buschwerk aufweist. Der Thurm ist weifßs und zeigt ein 
helles Drehfeuer von einer halben Minute Zwischenpause. Der sogenannte New 
Inlet im NO des Smith-Eilands ist durch einen Damm geschlossen, um die Ge- 
wässer des Flusses durch den Bald Head-Kanal zu drängen und diesen vor Ver- 
sandung zu schützen. 
Die Ansegelungsmarke dieses Kanals ist durch eine Glockentonne bezeichnet; 
dieselbe liegt in 5 Faden (9 m) Wasser, die beiden rothen Feuer von Oak-Eiland 
an der Westseite des Fahrwassers in Linie NNO, und zwei kleine weifse Baken- 
feuer auf Smith-Eiland, von denen das eine an der Nordkante von Bald Head 
steht, in Linie N0z0!/40. In letzterer Richtung wird die Barre angesteuert, und 
man trifft dort an B. B. schwarze, an St. B. rothe Tonnen. Ist die Barre passirt, 
30 hat man nordöstlich von dem ersten Paar Leitfeuern auf Smith-Eiland wieder 
zwei rothe Lichter ca NO0'/A40 in Linie zu halten, bis die beiden Feuer von Bald 
Head — das Kap Fear-Feuer und das erste Leitfeuer über der Barre — nahezu 
in Linie sind und nun allmählich nördlicher und westlicher zu steuern, bis sie 
sich vollständig decken, auf welcher Kurslinie (SS0'40—NNW!/AW) man dicht 
an der Nordseite von Oak-Eiland vorbeikommt. Hier ist der beste Ankerplatz 
des ganzen Reviers, selbst wenn sich auch etwas Dünung bemerkbar macht. Von 
hier bis Southport passirt man noch ein rothes Bakenfeuer auf einer Bank 
nördlich vom Fahrwasser. Die Richtungslinien sind rechtweisend, 
Ueber die Barre des Kap Fear-Flusses können bei Springfluth Schiffe mit 
einem Tiefgang bis zu 21 Fuß kommen. In der Mitte der Rinne ist noch mehr 
Wasser, doch ist der gebaggerte Kanal noch sehr enge. Nordöstliche Winde 
bringen höhere, südliche geringere Fluthsteigung, letztere auch leichte Dünung. 
Dann sind die Lootsen sehr vorsichtig und bringen beladene Schiffe nicht aus, 
ohne dafs sie sicher sind, dafs diese nicht den Grund berühren, weil sie dann 
leicht steuerlos werden und aus dem Fahrwasser gerathen, 
Das Lootsenwesen an der Barre des Kap Fear-Flusses wird zur Zeit sehr 
nachlässig gehandhabt, da die Lootsen jetzt alle in einer Gesellschaft vereinigt 
sind. Sie kommen den Schiffen erst eben aufserhalb der Barre in kleinen Booten 
entgegen, während bei der früheren Konkurrenz immer draufsen, oft schon beim 
Fryingpan-Feuerschiff Kutter angetroffen wurden und aufserdem an der Oak Eiland- 
Küste sowie auf Smith-Eiland Lootsen wohnten, die mit schnellen Ruderbooten 
den Kuttern oft die Schiffe wegkaperten. Wie hier hat in den meisten Häfen 
der amerikanischen Küste südlich von Kap Hatteras die Lootsenkonkurrenz auf- 
gehört, und die hohen Lootsentaxen sind aufser Verhältnifs mit den geleisteten 
Diensten, die häufig in nichts mehr bestehen, als das gelootste Schiff hinter dem 
Schleppdampfer her steuern zu lassen. Bei beladenen Schiffen erhält der Lootse 
mehr Geld als der Schleppdampfer, und die Schiffahrt leidet hart darunter bei 
diesen schlechten Frachten. 
. Es sind zwei gute Schleppdampfer in Southport stationirt, die zu einer 
Kompagnie gehören, sie haben feste Taxen ıür gewöhnliche Schleppdienste
	        
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