140 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1894,
sehr veränderlich, nachts weht es dann meistens aus NE und Ost. Im Februar
kommt der Wind viel aus Strichen zwischen SE und Süd, aber die Zahl der
Winde zwischen WNW und West ist doch auch grofs. Nachts treten ebensoviel
Südwest- als Ostsüdost- und Südostwinde auf. März zeichnet sich durch West-
winde tags und Nordost- und Ostwinde nachts aus,
Im April herrschen besonders Südwest- und Nordwestwinde, nachts sowohl
wie tags. Von Mai an fangen Nordwestwinde an, stark hervorzutreten. Sie
nehmen in den folgenden Monaten mehr und mehr zu und erreichen ihr Maximum
im Oktober. Von diesen Monaten ist der August merkwürdig durch die große
Anzahl der Nordostwinde. Nachts kommt in den Monaten Mai bis November
der Wind meist aus Strichen zwischen NW und NE.
Regenfall.
Die Küsten von Atjeh liegen in einem Gebiet mit viel Regen. Es ist zu
bemerken, dafs es auf den Inseln nördlich von Atjeh und an der Westküste
viel mehr regnet als an der Nord- und Ostküste. An den letztgenannten Küsten
fallt umsoweniger Regen, je östlicher der Platz gelegen, wo man sich befindet,
Der besonders grofse Regenfall auf den Inseln nördlich von Atjeh (das
ganze Jahr genommen: 28 0/o Regentage) wird schnell von Schiffen bemerkt,
die einige Zeit auf der Rhede von Olehleh verweilen. Man sieht da oft, dafs
die Regenwolken sich um die Gipfel der Berge des Hinterlandes von Grofs-Atjeh
bilden. Danach ziehen sie längs dieses Gebirges und über die Inseln Nasi, Beras
and Weh, wo man sie sich ausregnen sieht. Diese Inseln und der Atjeh-Vor-
sprung werden dem Auge entzogen, aber Poeloe-Toean bleibt meistens sichtbar
and die Rhede von Olehleh frei von Regen.
Der Regenfall auf den Inseln und an der Nord- und Ostküste von Atjeh
steht in keinem Zusammenhang mit den Monsunen, aber trotzdem lälst sich in
der Zu- und Abnahme der Anzahl Regentage im Laufe des Jahres einige Regel-
mäfsigkeit entdecken.
Die wenigst nasse Jahreszeit fällt in die Monate, die dem Frühjahrs-
kentern voraufgehen, Februar und März, und am meisten regnet es in den
Monaten, die dem Herbstkentern des Monsuns voraufgehen, Oktober und No-
vember. An der Ostküste von Atjeh, wo die Monsune später einsetzen als an
der Nordküste, hat man den meisten Regen im November und Dezember,
Ebensowenig wie an der Nord- und Ostküste steht an der Westküste der
Regenfall in Verbindung mit dem herrschenden Monsun. Aufserdem besteht da
auch nicht die mindeste Regelmäfsigkeit in der Zu- und Abnahme der Regen-
menge mit dem Verlaufe des Jahres. Im Allgemeinen weicht die Regenmenge
in den verschiedenen Monaten nicht viel voneinander ab. Man kann nur sagen,
dafs, in dem nördlichen Theil der Westküste die mittlere Anzahl Regentage kleiner
ist in den vier ersten Monaten als in den acht letzten, und dafs im südlichen
Theil der Februar beinahe ein trockener Monat genannt werden kann,
Trotzdem besteht ein Unterschied in der Weise wie der Regen hernieder-
kommt, je nach dem herrschenden Monsun. Während des Nordostmonsuns ist
es tagsüber gewöhnlich trocken und die Luft leicht bewölkt, aber nach Sonnen-
untergang häufen sich Regenwolken über dem Lande zusammen, um sich auf der
ersten Wache oder in der Hundewache des Regens zu entledigen. Bei einem
einigermaf[sen beträchtlichen Abstand vom Lande ist man dann meist schon aufßser-
halb des Regengebietes.
Während des Südwestmonsuns, genauer im September, Oktober und No-
vember, hat man sowohl bei Tage als bei Nacht eine dicht bewölkte Luft und
böiges Wetter. Der Regen geht in Regenböen nieder und hält bisweilen mehrere
Tage hintereinander an.
See und Dünung.,
Nord- und Ostküste. Während des Nordostmonsuns steht gewöhnlich
westliche oder südwestliche Dünung auf der Küste, die häufig bei steifer Seebriese
nachmittags schnell zur See anschwillt. Dünung und See legen sich aber schnell,
so dafs man nachts und vormittags gewöhnlich ruhiges Wasser trifft. Wenn
während mehrerer Tage ein steifer Nordost weht, nehmen See und Dünung stark
zu. Für Schiffe, die irgendwo an der Nordküste von Atjeh zu Anker liegen.