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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Ha 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1894 
Gajoen und Alaen bewohnt werden. Eine ausführliche Beschreibung dieser 
Völker würde zu weit führen und liegt auch aufserhalb des Rahmens dieser 
Arbeit. Trotzdem wird eine gewisse Kenntnifs der Küstenbevölkerung für den 
Händler in Atjeh nicht überflüssig erscheinen. 
Die hervorragendsten Charakterzüge der Atjeher sind: Unabhängigkeits- 
sinn, Grausamkeit und Treulosigkeit. Das wenige Vertrauen, das in sie 
gesetzt werden kann, erschwert sehr das Anknüpfen von Handelsbeziehungen. 
Selbst die unternehmenden Chinesen sind oft Opfer der Handelskniffe der 
Atjeher. 
Schiffe, die in Atjeh Handel treiben, können sich nicht genug in Acht 
nehmen vor verrätherischen Handlungen von Seiten der KEingeborenen. Man 
lasse nie bewaffnete Personen an Bord kommen, noch unbewaffnete in grofser 
Anzahl und habe stets ein wachsames Auge auf die an Bord gekommenen. Ob- 
wohl Seeräuberei seit der Befestigung der niederländischen Herrschaft merklich 
abgenommen hat, sind doch noch in den letzten Jahren verrätherische Angriffe 
auf Schiffe gemacht worden. 
Der Handel, der infolge des Kriegszustandes viel gelitten hat, beginnt 
in den letzten Jahren wieder aufzuleben. Die Hauptausfuhrartikel sind Pfeffer 
und Betelnüsse, ferner Guttapercha, spanisches Rohr, Häute und Kopra. KEin- 
geführt werden: Steinkohlen, Vieh, Petroleum, Krämerwaaren und Lebensmittel. 
Infolge eines im Jahre 1883 angenommenen Beschlusses, dafß Regierungsgüter 
durch niederländische Fahrzeuge verschifft werden müssen, fahren die meisten 
Schiffe, welche die Küsten von Atjeh berühren, unter niederländischer Flagge. 
Die bedeutendste Dampferlinie ist die der Königlichen Packetfahrt-Gesellschaft. 
Uebrigens beschränkt sich die Dampferfahrt hauptsächlich auf Verbindungen 
mit Penang. Die Segelschiffahrt beschränkt sich auf die inländischen Fahrzeuge, 
Schoner und einige gröfsere Schiffe, die Kohlen bringen. 
Durch die Königliche Packetfahrt-Gesellschaft werden die folgenden Küsten- 
plätze angelaufen. Einmal alle 14 Tage von Batavia aus Olehleh, Segli, Telok- 
Semawee, Edi und zurück. Einmal alle vier Wochen von Padang aus Tampat- 
Toean, Soesoe, Melaboe und Poeloe-Raja nach Olehleh und von Olehleh über 
dieselben Plätze zurück nach Padang. 
Die vertragsmäfsigen Reisen dehnen sich durch einen unverbindlichen Dienst 
aus: von Olehleh über Penang nach Singapore und zurück. Aufserdem wird 
zinmal alle vier Wochen ein unverbindlicher Dienst unterhalten: von Padang 
über Siboga, Baros, Singkel, Melaboe, Poeloe-Raja, Olehleh, Telok-Semawee, Edi 
and Penang nach Singapore. Einmal alle vier Wochen: von Batavia über Belawan 
nach Edi und zurück. 
An den Küstenplätzen der Westküste trifft man Personen, die mit dem 
Fahrwasser in der Nähe der Küste bekannt zu sein vorgeben und sich zur Aus- 
äbung von Lootsendiensten bereit erklären. Die Erfahrung hat aber gelehrt, 
dafs die Anweisungen dieser Leute meist sehr wenig Vertrauen verdienen. 
Steinkohlen kann man in Olehleh bekommen. Eine Kohlenstation in 
der Sabang-Bai (Poeloe-Weh) ist im Werden. 
Olehleh ist durch ein unterseeisches Kabel mit Deli verbunden und über 
Land mit Kota-Radja. 
Wetter, Winde, Strömungen ete. 
Die Küsten von Atjeh liegen innerhalb des Südwest- und Nordost-Monsun- 
gebietes. Die Monsune treten aber in ganz verschiedener Weise auf, je nach 
dem Ort, wo man sich befindet. Die Gestalt des Landes von Nord-Sumatra, 
dessen hohe Bergrücken senkrecht zur Richtung der Monsunwinde in offener 
See stehen, ist eine Hauptursache der grofsen Abweichungen in der Richtung 
dieser Winde. Allgemein gesprochen bringt der Nordostmonsun viel schönes 
Wetter und der Südwestmonsun unbeständiges böiges Wetter und bedeckte Luft. 
Bei der Nordspitze von Sumatra und bei den Inseln, die nördlich davon 
liegen, giebt es ziemlich scharf voneinander abgegrenzte Perioden, worin die 
Winde einer Richtung folgen, die mit der der Monsunwinde auf offener See 
übereinstimmt. Geht man an der Nord- und Ostküste nach Osten und an der 
Westküste nach Süden, so werden die Abweichungen von den regelmäfsigen 
Monsunwinden stets größer.
	        
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