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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Ann, d. Hydr. ete., XXH. Jahrg. (1894), Heft XII. 
435 
Aus dem neuesten Segelhandbuch für Atjeh (Atshin), 
Nord-Sumatra. ©) 
Allgemeine Bemerkungen. 
Als Küste von Atjeh wird gerechnet die Strecke von Huk Patikala an 
der Westküste bis Huk Tamiang an der Ostküste. 
Das Land wird von mehreren Bergketten durchzogen. Viele Gipfel, 
deren einige eine Höhe von ungefähr 3000 m erreichen, weisen durch ihre Form 
auf die vulkanische Beschaffenheit des Gebirges hin. Soweit bekannt, giebt es 
nur noch einen thätigen Vulkan, nämlich den Goenoeng Gredong, an der West- 
küste von Atjeh. Die Bergrücken laufen meistens parallel mit der allgemeinen 
Küstenrichtung der Westküste. Die Nord- und Ostküste von Atjeh haben einen 
langen niedrigen Küstensaum, aber erst an der Ostküste erhält das Tiefland vor 
den Bergen eine ansehnliche Breite. 
Eine Anzahl von Flüssen mündet in das Meer, doch nur im Osten von 
Telok-Semawee trifft man einige etwas .bedeutendere an. Keiner von ihnen ist 
für grofse Schiffe befahrbar; an der Westküste sind die meisten Flüsse nichts 
weiter als schnellfliefsende Bäche. 
Ausgenommen die Dampfbahn, wodurch der Hauptplatz Kota-Radja mit 
den umliegenden Posten verbunden wird, und einige chaussirte Wege in der 
Umgebung dieses Ortes und der von Edi, giebt es in Atjeh keine guten Wege. 
Das Klima von Atjeh ist feucht und ungesund, Die Temperatur, ob- 
schon hoch, ist im Mittel niedriger, als man nach der geographischen Lage des 
Landes schliefsen sollte. Schwankend zwischen 25° und 35° C, zeigt sie oft 
grofse und plötzliche Aenderungen und ist sehr verschieden je nach dem Ort, 
wo man sich befindet. Auf der Nord- und Westküste zeichnen sich die Monate 
März und April durch sehr hohe Temperaturen aus, auf der Ostküste alle Monate 
des Südwestmonsuns. 
Der Gesundheitszustand ist nicht überall gleich ungünstig; so kann 
man bemerken, dafs zur Zeit der Herrschaft ansteckender Krankheiten diese in 
Olehleh, im Gegensatz zu dem nahebei gelegenen Kota-Radja, wenig Opfer ver- 
langen. In. Olehleh kommen verhältnilsmäfsig wenig Malaria-Krankheiten vor. 
Die meisten Baien und die Mündungen der bedeutenderen Flüsse sind berüchtigt 
durch die dort herrschenden Fieber. Die häufigsten Krankheiten sind Malaria und 
Beriberi. Die besonders feuchten Monate in der letzten Hälfte des Jahres scheinen 
ihre Entwickelung sehr zur befördern, während in den Monaten Januar und 
Februar der Gesundheitszustand allgemein günstiger ist. 
An Bord von Schiffen befindet man sich unter viel günstigeren hygienischen 
Verhältnissen als an Land, wenn genügende Vorsichtsmalsregeln getroffen werden. 
Es ist rathsam, die Bemannung nicht ohne Noth die Nacht an Land zubringen 
zu lassen. Wenn an Deck geschlafen wird, darf dies jedenfalls nicht aufserhalb 
der Sonnensegel geschehen, . 
Man gebrauche so wenig wie möglich Wasser aus Brunnen und Quellen 
in der Nähe der Küste. Dies ist meistens durch darin aufgelöste Salze mehr 
oder weniger brackig und durch organische Stoffe und Abfall verunreinigt. Wenn 
es nicht möglich ist, sich mit destillirtem Wasser zu versehen, muß man ver- 
suchen, das Wasser höher hinauf an den Flüssen zu holen. Unter allen Umständen 
ist es empfehlenswerth, alles von Land kommende Wasser ohne Ausnahme zu 
kochen, ehe man es zum Gebrauch ausgiebt. 
In weitem Sinne genommen, kann man die Küstenbevölkerung in 
Atjeher, Pedireesen und Malaien eintheilen, während die Gebirgsgegenden von 
1) „Gids voor het bevaren der vaarwaters van Atjeh, Hydrographisch Bureau te Batavia 1894“; 
auszugsweise übersetzt mit Beibehaltung der Schreibweise geographischer Namen des holländischen 
Originals, 
Anz. d. Hydr. etc., 1894, Heft XIL
	        
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