Ann, d. Hydr. ete., XXH. Jahrg. (1894), Heft XII.
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Aus dem neuesten Segelhandbuch für Atjeh (Atshin),
Nord-Sumatra. ©)
Allgemeine Bemerkungen.
Als Küste von Atjeh wird gerechnet die Strecke von Huk Patikala an
der Westküste bis Huk Tamiang an der Ostküste.
Das Land wird von mehreren Bergketten durchzogen. Viele Gipfel,
deren einige eine Höhe von ungefähr 3000 m erreichen, weisen durch ihre Form
auf die vulkanische Beschaffenheit des Gebirges hin. Soweit bekannt, giebt es
nur noch einen thätigen Vulkan, nämlich den Goenoeng Gredong, an der West-
küste von Atjeh. Die Bergrücken laufen meistens parallel mit der allgemeinen
Küstenrichtung der Westküste. Die Nord- und Ostküste von Atjeh haben einen
langen niedrigen Küstensaum, aber erst an der Ostküste erhält das Tiefland vor
den Bergen eine ansehnliche Breite.
Eine Anzahl von Flüssen mündet in das Meer, doch nur im Osten von
Telok-Semawee trifft man einige etwas .bedeutendere an. Keiner von ihnen ist
für grofse Schiffe befahrbar; an der Westküste sind die meisten Flüsse nichts
weiter als schnellfliefsende Bäche.
Ausgenommen die Dampfbahn, wodurch der Hauptplatz Kota-Radja mit
den umliegenden Posten verbunden wird, und einige chaussirte Wege in der
Umgebung dieses Ortes und der von Edi, giebt es in Atjeh keine guten Wege.
Das Klima von Atjeh ist feucht und ungesund, Die Temperatur, ob-
schon hoch, ist im Mittel niedriger, als man nach der geographischen Lage des
Landes schliefsen sollte. Schwankend zwischen 25° und 35° C, zeigt sie oft
grofse und plötzliche Aenderungen und ist sehr verschieden je nach dem Ort,
wo man sich befindet. Auf der Nord- und Westküste zeichnen sich die Monate
März und April durch sehr hohe Temperaturen aus, auf der Ostküste alle Monate
des Südwestmonsuns.
Der Gesundheitszustand ist nicht überall gleich ungünstig; so kann
man bemerken, dafs zur Zeit der Herrschaft ansteckender Krankheiten diese in
Olehleh, im Gegensatz zu dem nahebei gelegenen Kota-Radja, wenig Opfer ver-
langen. In. Olehleh kommen verhältnilsmäfsig wenig Malaria-Krankheiten vor.
Die meisten Baien und die Mündungen der bedeutenderen Flüsse sind berüchtigt
durch die dort herrschenden Fieber. Die häufigsten Krankheiten sind Malaria und
Beriberi. Die besonders feuchten Monate in der letzten Hälfte des Jahres scheinen
ihre Entwickelung sehr zur befördern, während in den Monaten Januar und
Februar der Gesundheitszustand allgemein günstiger ist.
An Bord von Schiffen befindet man sich unter viel günstigeren hygienischen
Verhältnissen als an Land, wenn genügende Vorsichtsmalsregeln getroffen werden.
Es ist rathsam, die Bemannung nicht ohne Noth die Nacht an Land zubringen
zu lassen. Wenn an Deck geschlafen wird, darf dies jedenfalls nicht aufserhalb
der Sonnensegel geschehen, .
Man gebrauche so wenig wie möglich Wasser aus Brunnen und Quellen
in der Nähe der Küste. Dies ist meistens durch darin aufgelöste Salze mehr
oder weniger brackig und durch organische Stoffe und Abfall verunreinigt. Wenn
es nicht möglich ist, sich mit destillirtem Wasser zu versehen, muß man ver-
suchen, das Wasser höher hinauf an den Flüssen zu holen. Unter allen Umständen
ist es empfehlenswerth, alles von Land kommende Wasser ohne Ausnahme zu
kochen, ehe man es zum Gebrauch ausgiebt.
In weitem Sinne genommen, kann man die Küstenbevölkerung in
Atjeher, Pedireesen und Malaien eintheilen, während die Gebirgsgegenden von
1) „Gids voor het bevaren der vaarwaters van Atjeh, Hydrographisch Bureau te Batavia 1894“;
auszugsweise übersetzt mit Beibehaltung der Schreibweise geographischer Namen des holländischen
Originals,
Anz. d. Hydr. etc., 1894, Heft XIL