Justus Perthes’ See-Atlas,
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Aber auch der Leser in der Heimath, welcher seine Freunde an Bord. in
Gedanken begleiten möchte, findet an dem See-Atlas einen Führer, der reiche
Belehrung bietet und hoffentlich dazu beitragen wird, nicht nur allgemein das
Interesse und die Freude am Seeleben zu erhöhen, sondern im Binnenlande auch
das Verständnifs für den Werth und die Bedeutung unserer Kriegs- und Handels-
flotten wesentlich zu fördern.
Notizen.
i. Mittheilung des Hydrographischen Amtes in Washington.
Unter Bezugnahme auf die Notiz in diesen Annalen, S. 353: „Tiefer Barometer-
stand“ hat das Hydrographische Amt hierher mitgetheilt, dafs es nur Barometer-
Ablesungen von verläßlichen Instrumenten veröffentlicht, und zwar sind die Ab-
lesungen verbessert, wenn nichts Anderes bemerkt ist.
2. Feuerschiff in Bahia Blanca (Argentinien).!) Laut Bericht des
Kapt. C. W. Stege von der Bark „Gerda“ liegt das neue Feuerschiff von Bahia
Blanca in der Linie der Tonnen No. 1 und No. 2 auf 7 Fad. (12,8 m) Wasser
in der Peilung Sierra Ventana mw. NNW'/AW, Das Schiff hat zwei Masten und
in der Mitte einen Leuchtthurm, welcher ein Drehfeuer zeigt. Die Lootsen-
station war — Ende April — auf dem Feuerschiff noch nicht eingerichtet.
3, Untiefen im Recherche-Archipel, Südküste von Australien.
Laut Bericht im „Sydney Morning Herald“ vom 7. Juni entdeckte Kapitän
Nightingall vom Dampfer „New Guinea“ auf seiner Fahrt von L’Esperance-
Bali nach Adelaide zwischen Mondrain-Insel und Southeast-Inseln zwei bisher nicht
in der Karte verzeichnete blinde Klippen, über welchen die See sich brach, Von
denselben liegt die eine SSW'/AW etwa 6 Sm von Drapers-Insel auf ungefähr
34° 18 S-Br und 122° 26‘ O-Lg, die andere etwas westlicher als SWzW!/W.
von der Insel auf ungefähr. 34° 19‘ S-Br und 122° 18' O-Lg.*) Als die Brecher
zuerst gesehen wurden, stand eine ziemlich hohe See; so dafs die Lage der
Klippen ziemlich genau festgestellt werden konnte. Nach der Höhe der Brecher
zu urtheilen, glaubt Kapt. Nightingall, daß die Lage der ersten Klippe auch
wohl bei schönem Wetter und ruhiger See erkennbar sein wird; bei der zweiten
ist er dessen aber nicht so sicher.
4, Bemerkung über Santos. Kapt. H. Hamer von der Bark „Ruthin“
schreibt: „Als wir uns am 31. Dezember 1893 der Bai von Santos näherten,
kam, trotzdem wir die Lootsenflagge wehen hatten, kein Lootse heraus, und wir
waren schließlich genöthigt, da der Wind uns am Weitersegeln hinderte, 4 Sm
aufserhalb der Einfahrt zu ankern. Zwei englische Barkschiffe lagen derselben
etwas näher. Auch am nächsten Tage kam kein Lootse an Bord, ebensowenig
liefßs sich ein Schleppdampfer blicken, obwohl den ganzen Tag hindurch die
Lootsenflagge von unserm Topp wehte. Ich fuhr mit meinem Boot nach den
englischen Schiffen und hörte, dafs diese schon fünf Tage hier anwesend waren,
ohne dafs sich Jemand vom Lande um sie gekümmert hätte. Als am folgenden
Tage (am 2. Januar) um 2*a ein leichter Südwestwind durchkam, gingen wir
ankerauf und segelten ohne-Lootsen weiter ein. Um 9 Uhr ging ich mit meinen
Papieren nach dem Fort und erfuhr hier, dafs kein Schiff dasselbe passiren
dürfe, bevor seine Papiere untersucht seien und der Gesundheitspafß als rein
befunden sei. Als ich diesen Forderungen nachgekommen war, erhielt ich vom
Fort einen Lootsen und konnte nun einsegeln. Den Lootsen ist es nicht ge-
stattet, eher an Bord zu gehen, als bis es sich herausgestellt hat, dals das Schiff
im Besitz eines reinen Gesundheitspasses ist. Ich hatte Gelegenheit, einen Schlepp-
dampfer von Santos zu erhalten, und kam noch an demselben Tage an die Stadt.
Den beiden englischen Schiffen gelang dieses erst am’ nächsten Tage. Während
unserer Anwesenheit in Santos bis zum 2. März kam es dreimal vor, dafs Schiffe,
welche auf der Rhede vergeblich auf einen Lootsen und einen Schleppdampfer
1) Vgl, Heft VI dieses Jahrganges der Annalen, Seite 155. :
3 Die „Nachr. fi. Seef,“ 1894, No. 1899, geben 122° 25‘ und 122° 16‘ O-Lg an.