Krümmel: Ueber einige neuere Beobachtungen an Aräometern.
497
wurde. An Bord werden, abgesehen von den Schwierigkeiten etwaiger Temperatur-
ausgleichungen, die Schiffsschwankungen eine Ablesung der Skala auf 0,1 mm,
wie ich sie an Land durchführte, nicht gestatten; hier wird man, wie meine Er-
fahrungen ergeben und schon Buchanan an Bord des „Challenger“ gefunden
hat, nur halbe Millimeter mit Sicherheit ansetzen dürfen; bei Aräometer 53 ist
+ 0,5 num = + 0,000:02, also immer noch sehr vortheilhaft.
Einige Schwierigkeit verursacht beim Aräothermometer die als Folge der
Reinigung mit dem wärmeren Handtuch gewöhnlich auftretende Erwärmung des
Thermometergefäfses um mehrere Grade über die Wassertemperatur hinaus; bringt
man das Instrument dann in den Standcylinder,. so hat man bei der nun ein-
tretenden Abkühlung mit dem sogenannten „todten Gang“ des Thermometers zu
kämpfen: der Quecksilberfaden haftet in.der Kapillarröhre ‚und zeigt leicht ‚eine
zu hohe Temperatur. Ich fand es zweckmäfsig, durch kurze Schläge mit einem
harten Körper gegen die Wandung des Standeylinders Erschütterungen hervor-
zurufen, die sich auch auf den Aräometerkörper fortpflanzten, wie das Verhalten des
Aufsatzgewichtes ergab. Dann zeigte alsbald das im Aräometer eingeschlossene
Thermometer genau denselben Stand, wie ein vorzügliches daneben frei im Wasser
aufgehängtes anderes Thermometer. — —
Zum Schlufs darf ich wohl noch darauf hinweisen, dafs ich die in meinem
früheren Aufsatze vom Jahre 1890 angedeutete kardanische Aufstellung des
Wassercylinders, in welchem das Aräometer beobachtet wird, auf zahlreichen
Untersuchungsfahrten in der westlichen Ostsee im letzten Jahr praktisch erprobt
habe und den Beobachtern an Bord bestens empfehlen kann, Es ist ein vier-
beiniges, 20 cm ‘hohes Stativ aus lackirtem Bandeisen . von 1,5 cm Breite, in
dessen oberen quadratischen ‚ Verbindungsreifen (von 16 cm Seite) die beiden
kardanischen Ringe eingehängt sind. Der innerste Ring (von 10cm lichter
Weite) trägt an vier Drahtstangen eine schwere KEisenscheibe (vom gleichen
Durchmesser), auf welcher der 90,5 cm breite Fufs des Cylinderglases stehen
soll. Die Scheibe befindet sich, wenn das Stativ auf horizontaler Tischplatte
steht, nur etwa 1. cm über dieser. Die Beine des Stativs sind nach unten ein
wenig schräg nach aunfsen gerichtet (wie an sogenannten. Bauerntischen) und an
dem eigentlichen Fufsende kurz nach aufsen umgebogen und hier mit einem Loch
versehen, so dafs man Nägel durchschlagen kann, um das Stativ gegen jedes
Rutschen im Seegang zu schützen. Mit diesem Stativ, das ein Schlosser in
wenigen Stunden zusammennietet, hahe ich an Bord die besten Erfahrungen
gemacht, und jedesmal nur bedauert, dafs ich es nicht schon auf der Plankton-
Expedition im oceanischen Seegang hatte benutzen können. Bei sehr heftigen
Schiffsschwankungen, denen ich einmal auf einem kleinen Fährdampfer im Sep-
tember 1893 in der äußeren Kieler Bucht und östlich von Alsen ausgesetzt war,
versagte freilich auch diese Vorrichtung; doch bleibt sie immer bequem an Bord,
wo man horizontale Tischflächen ja so leicht nicht zur Verfügung hat. ;
Kiel, Oktober 1894,
Justus Perthes’ See-Atlas.
Eine Ergänzung zu Justus Perthes’ Taschen-Atlas, entworfen und bearbeitet
von Hermann Habenicht, 24 kolorirte Karten in Kupferstich mit 127 Hafen-
plänen. Mit nautischen Notizen und Tabellen von Erwin Knipping. Gotha,
Justus Perthes, 1894. Preis Mk. 2,40, -
Die Schiffahrt und der überseeische Verkehr gewinnen für Deutschland
von Jahr zu Jahr eine um so gröfsere Bedeutung, je mehr sich unser Vaterland
als Industriestaat und Kolonialmacht entwickelt. Schon die bei stetig wachsender
Bevölkerung unvermeidliche Auswanderung hat viele Tausende von Deutschen
über den Ocean geführt, welche die Verbindung mit dem Vaterlande nicht auf-
Ann. d. Hydr. etc... 1894, Heft XI,
»