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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

418 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1894. 
angiebt und auch mir sich bestätigte, ist die in Rede stehende Störung damit 
doch nicht allemal und gauz zu verhüten. So bleibt denn nichts Anderes übrig, 
als das Thermometer mit dem Aräometer zu vereinigen, also ein Aränthermo- 
meter zu konstruiren, d. h. ein Instrument von der allgemeinen Gestalt des 
Aräometers, das aber die Ballastkugel zugleich als Gefäfs für ein Thermometer 
ausnutzt, dessen Skala im eylindrischen Aräometerkörper eingeschlossen ist. Auf 
die praktische Ausführung dieses keineswegs neuen Gedankens soll weiter unten 
eingegangen werden, 
Erhält man nun an diesen Aräothermometern oder auch anders die Temperatur 
des zu untersuchenden Wassers mit ausreichender Genauigkeit, so kommt weiter in 
Frage, ob man damit auch die Temperatur des Aräometerkörpers, von der 
dessen Volum abhängig ist, mit gleicher Zuverlässigkeit babe. Freilich wird 
nur bei Aräometern von bedeutender Empfindlichkeit, d. h. von sehr voluminösem 
Körper bei sehr dünnem Skalenhalse, eine Unsicherheit der Temperatur von 0,2° 
sehon deutlich bemerkbar: ist die (kubische) Ausdehnung des Glases, z. B. des 
besseren thüringischen, = 0,000028, der Aräometerkörper aber == 180 ccm, der 
Skalenhals 3 mm dick, so macht eine Temperaturdifferenz von 0,2° (gleich einer 
Volumausdehnung von 0,001 ccm) einen Standunterschied von 0,14 mm am Halse, 
was eben gerade wahrzunehmen sein dürfte. Bei den gewöhnlichen Aräometern 
von 120 bis 140 cem oder bei merklich geringerem Ausdehnungskoefficienten des 
Glases dürfte erst ein halber Grad Temperatur deutlich hervortreten. Praktisch 
würde also bei genügender Zeit für Akkommodation und bei geböriger Vorsorge 
für die Durchmischung des Wassers im Cylinderglase dieses Bedenken nicht 
gerade so sehr ins Gewicht fallen. 
Anders aber ist es mit den an gewöhnlichen Gläsern wirksamen Er- 
scheinungen der sogenannten thermischen Nachwirkung, die man in der 
Aräometrie bisher ganz aufser Acht gelassen hat, während ihnen z. B. in der 
modernen Thermometerfabrikation mit Recht eine so grofse Wichtigkeit beigelegt 
wird. Diese Nachwirkungen!) an Thermometern bestehen in zwei verschiedenen 
Vorgängen: erstens darin, dafs nach einer vorübergehenden stärkeren Ausdehnung 
des Thermometergefäfßses und -Rohres, etwa nach kurzer Erwärmung bis zum 
Siedepunkt des Wassers, die eintretende Abkühlung des Glases nur unvollkommen 
mit einer entsprechenden Abnahme des Volums verbunden ist; das Volum des 
Glasgefäfses bleibt also größer als der Glastemperatur angemessen ist, während 
das eingeschlossene Quecksilber der Temperaturabnahme genau entsprechend sein 
Volum verkleinert. Die Folge ist ein niedrigerer Stand des Quecksilberfadens 
in der Thermometerröhre, eine „Depression des Nullpunktes‘“ der Skala, die nach 
einiger Zeit (nach einigen Stunden) zu verschwinden pflegt. Bei häufigem 
Temperaturwechsel wird aber die Volumänderung des Gefälses sehr komplicirt, 
weil sich die Reste früherer Nachwirkungen mit den eben frisch hervorgerufenen 
kombiniren. Nicht weniger störend ist dann die zweite Folge der Temperatur- 
wechsel, die man als „säkulare Nachwirkung“ von der anderen, vorübergehend 
wirksamen, unterscheidet; sie besteht in einer stetigen Zusammenziehung des 
Volums der Thermometergefäße und damit also einem Ansteigen des Eispunktes, 
was man wohl nur zum Theil auf das allmähliche Ueberwinden der hohen 
Schmelz- und Bearbeitungstemperaturen, denen die Glastheile zuletzt noch beim 
Thermometerfabrikanten ausgesetzt gewesen sind, zuschreiben darf, zum anderen 
Theile aber (nach Dr. O. Schott in Jena) auf Festigkeits-, Lage- und Spannungs- 
änderungen, die schon weit unter der Erweichungstemperatur der Gläser nach- 
gewiesen sind.?) Bei Thermometern ist auch wohl die Luftleere in der Kapillare 
nicht ganz ohne Wirkung. 
Diese thermischen Nachwirkungen sind am gröfsten bei den sowohl Kali 
wie Natron enthaltenden thüringischen Gläsern, dagegen kleiner bei Gläsern, 
bei denen entweder nur Kali oder nur Natron verwendet ist. Schon eine kleine 
Beimengung, auch nur von Spuren, des Kali zum Natron oder umgekehrt macht 
sich deutlich fühlbar. Bekanntlich wird nun (seit dem Jahre 1885 etwa) für 
bessere Thermometer fast ausschliefslich das sogenannte Jenaer Normalglas 
1) Wiebe, „Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften“, Berlin, Bd. 36, 1884, S. 843, 
and Bd. 44, 1885, S. 1021. 
2) „Sitzunusberichte des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleifses in Berlin“, 1892, S. 171.
	        
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