416 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1894.
dort übersehbare Resultate geben; man mufßs wenigstens die Möglichkeit haben,
zweifelhafte Ergebnisse sofort zu erkennen und durch Wiederholung der Beob-
achtungen am Örte selbst oder doch ganz in der Nähe die etwa aufgestiegenen
Zweifel möglichst zu lösen. Untersucht man aber die Proben immer erst nach-
träglich im Laboratorium, so kann unter Umständen eine ganz neue Expedition
nothwendig werden, um Aufklärung zu schaffen. Freilich ist man in den meisten
Fällen wohl seiner Apparate, z. B. der Wasserschöpfer, so sicher, dafs man auf
ihre Zuverlässigkeit bauen kann. Aber wer an Bord Erfahrung hat, wird wohl
zugeben, dafs auch die scheinbar zuverlässigsten Instrumente Einem einmal ur-
versehens einen Streich spielen. Aber selbst wenn all dieses nicht sehr ins
Gewicht fallen sollte, so haften doch auch der Chlortitrirung noch manche Mängel
an; der grölste darunter ist die Unsicherheit des sogenannten Chlorkoeffcienten,
der, wie ich an anderer Stelle ausführlich nachgewiesen habe, ') im Allgemeinen
mit dem Salzgehalt schwankt, aber der aufserdem noch, namentlich bei den
niedrigen Salzgehaltsstufen der Ostsee, beträchtliche örtliche Unterschiede bei
sonst gleichem Salzgehalt zu haben scheint, eine Eigenthümlichkeit, die schon
Jacobsen erkannt und der verschiedenen Zusammensetzung der Fluflswasser zu-
geschrieben hat. Für eigentlich oceanisches Wasser fallen diese Bedenken viel-
leicht fort, aber dafür kommen die an Bord schwer zu bekämpfenden Temperatur-
störungen, denen Pettersson eben dadurch aus dem Wege geht, dafs er alle
Wasserproben sich ins Laboratorium schicken läfst, wo er die Temperatur von
15° einhalten kann.
Will man wirklich im Laboratorium das specifische Gewicht genau und
einwandfrei bestimmen, so wird man nicht umhin können, sich der analytischen
Waage und eines Sprengel’schen oder Ostwald’schen Pyknometers zu be-
dienen;?) freilich wird man dazu das Doppelte oder Dreifache der Zeit für die
einzelne Bestimmung brauchen wie für die Chlortitrirung oder Aräometer- oder
Refraktometer-Beobachtung. Diese letzten drei Methoden sind aber allein an
Bord möglich,®) und es kommt darauf an, die ihnen anhaftenden Mängel nach
Möglichkeit zu beseitigen. Für das Aräometer soll das nun im Folgenden ver-
sucht werden.
Einer der fühlbarsten Mängel der aräometrischen Methode liegt in der
Temperaturbestimmung. Sowohl von dem zu untersuchenden Wasser im Cylinder-
glase wie von dem Aräometerkörper selbst soll man die Temperatur genau genug
(0,1°) kennen, um die erforderliche Reduktion auf 17,5° (oder eine andere
Normaltemperatur) vornehmen zu können. Der Fall, dafs die Temperatur der
eben zur Untersuchung geschöpfiten Wasserprobe ungefähr gleich der der Luft-
temperatur im Beobachtungsraume an Bord ist, kommt, wie schon Pettersson
ganz richtig hervorgehoben hat, nicht eben häufig vor (in unseren Breiten an
Sommertagen mit bedecktem oder regnerischem Wetter am ehesten); sonst muß
immer eine Ausgleichung zwischen der Temperatur des Wassers einerseits, der des
Mefsglases und der des Aräometers andererseits stattfinden. Hierzu gehört einige
Zeit: erst wenn eine vollkommene Ausgleichung der Temperaturunterschiede voll-
zogen ist, wäre eine einwandfreie Ablesung des Aräometers möglich. Am einfachsten
wird das erreicht, wenn die Wasserprobe überhaupt nicht gleich in das Cyliuderglas
gethan, sondern in eine Standflasche über Nacht aufbewahrt werden kann. So
ist J, Y. Buchanan an Bord des „Challenger“ verfahren; aber nicht in allen
Fällen ist ein Aufschub von 12 bis 24 Stunden rathsam oder möglich, Die
Praxis hat denn auch als empfehlenswerthe Regel ergeben: Die Temperatur
zweimal mit dem Thermometer zu messen, zuerst vor und dann nach der Aräo-
meterablesung, so dal das Mittel aus beiden Werthen als die Temperatur des
Wassers im Glase angesetzt werden kann. Sorgt man dafür, dafs das Wasser
gut durchgerührt wird (am besten durch kräftiges Drehen und Auf- und Ab-
pendelnlassen des Aräometers selbst), so wird das Thermometer wohl einwand-
freie Temperaturen ansagen, Ich persönlich habe immer so geräumige Stand-
eylinder (von 60 oder Z5 cm lichter Weite) in Benutzung, dafs das Wasser-
1) „Geophysikalische Beobachtungen der Plankton-Expedition“, S. 70,
2) Vgl. die vortreffliche Anleitung hierzu in W, Ostwald’s „Hand- und Hülfsbuch zur Aus-
führung physikochemischer Messungen“, Leipzig 1893, S. 108 f£.
3) Die Schwimmermethode, über die ich demnächst kurz berichten werde, könnte vielleicht
noch neben den drei genannten in Betracht kommen.