Hernsheim: Die Segelroute von Sydney nach der Blanche-Bai. 413
weit nach See hinaus, bringen aber selten etwas Anderes zum Tausche als einige
Stücke Schildpatt.
Die Angriffs-Insel, eine mit dem Festlande durch ein Riff verbundene
Koralleninsel in 2° 55‘ S-Br und 151° 7‘ O-Lg bezeichnet den südlichen Eingang
zu dem hier 6 Sm breiten Gazelle-Kanal. Die den Kanal im Süden begrenzende
Sandwich-Insel bildet ein rechtwinkeliges Dreieck mit Seiten von 8, 10 und
13 Sm; die längste Seite ist nach Süden gekehrt. Die dem Kanal zugekehrte
Nordseite ist rein, westlich und südlich von der Insel erstrecken sich aber längere
Riffe in die See hinaus, die auch bei Hochwasser Korallen und Steine über
Wasser zeigen. In NW der Insel erhebt sich ein kegelförmiger, ca 600 Fuls
hoher Berg, der Bendemann-Berg, während die Insel sonst nur ca 200 Fufs
hoch ist. Im Westen von der Sandwich-Insel und durch einen, übrigens durch
viele Korallenblöcke und Untiefen beengten Kanal von ihr getrennt, liegen auf
einem grofsen Barrier-Riff die Redlands-Inseln, kleine Inselchen mit einigen
Palmen und anderen Bäumen.
Die der Sandwich-Insel gegenüber liegende Küste von Neu-Mecklenburg, von
S. M. S. „Gazelle“ im Jahre 1876 genau untersucht, bietet unter dem Namen
Dorfhafen und Holzhafen nur enge, für die Schiffahrt unbrauchbare kleine Buchten,
wo damals Feuerholz für die Maschine des Schiffes geschlagen wurde. Aufser ganz
geringen Mengen von Früchten und Gemüsen, vielleicht hier und da einem kleinen
Buschschweinchen, ist von den Eingeborenen trotz ihrer Vorliebe für Eisen aller
Art, rothes Zeug und Kalkperlen nichts von Belang zu erhalten.
Der über 700 Fufs hohe, kegelförmige Dietert-Berg ist leicht kenntlich
und dient, allenthalben über dem hier niedriger werdenden Lande sichtbar, als
Landmarke.
Der die Baudissin-Insel von dem Festlande trennende Albatrofs-Kanal
hat für die Schiffahrt wenig Interesse und ist von Süden nicht leicht erkennbar.
Bendemann-Berg auf der Sandwich-Insel peilt vom Eingange in den Kanal, der
durch ein kleines Inselchen bezeichnet wird, SO p. K.
Kap Jeschke ist die nordwestlichste Spitze der Baudissin-Insel und be-
zeichnet den südlichen Eingang zur Steffen-Strafse. Es ist umgürtet von
einem bei Niedrigwasser theilweise trocken fallenden Riff, welches steil nach
See zu abfällt und beim Passiren der Strafse am besten dicht umsegelt wird, um
auf diese Weise die in der Mitte der Steffen-Strafse liegende Bank zu vermeiden.
Diese zeigt am südlichen Ende 8 m Tiefe, während auf dem Nordende einzelne
Stellen mit nur 1'/a3 m gefunden wurden.!) Von hier ist der Kurs durch die
Steffen-Strafse NW. Die die Strafe im Osten begrenzenden Inseln sind alle
dicht bewaldet und von einem kleinen Strandriff umgeben. An der schmalsten
Stelle zwischen der Delolaweil- und der Ribnitz-Insel ist die Strafßse noch ca 2 Sm
breit und so tief, dafs nirgends geeigneter Ankergrund in der Stralse selbst zu
finden ist. Die Gezeiten werden sehr von den herrschenden Winden beeinflufst
und laufen, die Fluth nördlich, die Ebbe südlich, mit einer Geschwindigkeit von
1 bis 3 Knoten per Stunde.
Die westlich von der Straße liegende Inselgruppe besteht aus der am
weitesten nach Süden vorspringenden Mausoleum-Insel, deren 650 Fufs (200 m)
hoher Mittelpunkt die Form eines Sarges hat, und mehreren niedrigen, dicht be-
waldeten Inseln, welche durch ein grofses Riff miteinander verbunden sind.
Nachdem Kap Jeschke und die nördlich davon liegende Randewig-Insel
passirt ist, öffnet sich zwischen dieser im Süden und der Delolaweil-Insel im
Norden das Nusa-Fahrwasser, eine zwischen der Nordwestküste von Neu-
Mecklenburg und vielen Inseln durchführende Passage mit Ankergrund in 10 bis
20 m Wassertiefe, Die Passage ist breit genug zum Kreuzen bei günstiger Gezeit,
die Fluth setzt östlich, die Ebbe westlich ca 2 Knoten per Stunde, beide hier
ebenfalls von den herrschenden Winden sehr beeinflußst.?)
Die Kaboteron-Insel mit einer Handelsstation, deren mit Wellblech
gedeckte Häuser leicht kenntlich sind, liegt etwa 3 Sm vom Eingange in das
Fahrwasser, Vor der Station ist guter Ankergrund in 15m Tiefe. Von hier
aus wird die Passage enger. Sie führt zwischen den durch einen schmalen Spalt
‘) Vgl. „Ann, d. Hydr. etc.“ 1893, S. 349,
2 Vgl. „Ann. d. Hydr. ete.“ 1883, S, 518, und 1885, S. 199.