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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1894.
Westlich wird die Talili-Bai begrenzt durch die Kabakada-Spitze, auf
der weithin sichtbar das eisengedeckte Wohnhaus des Wesley’schen Missionars liegt.
Die Man-Insel ist ca 650 Fufs (200 m) hoch, stark bewaldet und an der
Küste mit Kokospalmen bestanden. Schmale Strandriffe umgürten die Insel und
erstrecken sich von den Südost- und Südwestspitzen der Insel auf eine gröfsere
Entfernung in die See.
Die Eingeborenen von Neu-Pommern, von Kap Gazelle bis nach Kabakada
sind im Allgemeinen friedliebend und von den Händlern und Missionaren bereits
mehr oder weniger civilisirt. Viele der jüngeren Leute waren schon in Neu-Cuinea
oder an anderen Plätzen als Arbeiter, und beinahe alle sprechen oder verstehen
ein wenig pidjin-englisch.
Der Haupttauschartikel ist Tabak in kleinen dünnen Stangen von
bestimmter Form und Güte, sowie ein Muschelgeld von kleinen auf Rotangstreifen
aufgereihten Kaurimuscheln, Diwarra genannt. Die Abgabe von Feuerwaffen und
Spirituosen an Eingeborene ist verboten.
An Lebensmitteln sind von Vegetabilien und Früchten gewöhnlich je
nach der Jahreszeit zu haben: Taro-Knollen, die sich nur wenige Tage halten,
oder Yams, die sehr guten Schiffsproviant für die Reise abgeben und sich monate-
Jang aufbewahren lassen. Ferner kann man süfse Kartoffeln bekommen, Bananen
verschiedener Art, Ananas, Kokos- und Kanariennüsse, sowie von den Pflanzungen
der Ansiedler Lemonen, Orangen, Mangos und andere Südfrüchte.
Von Fleischnahrung ist zu haben: Schweine, Hühner, Wildtauben,
Fische, sowie die faustgrofsen Eier der Megapoden oder Buschhühner. Schild-
kröten werden nur selten gefangen und noch seltener zum Kaufe angeboten.
Die Eingeborenen verkaufen im Allgemeinen nur gegen Muschelgeld. Die
Preise stellen sich bei den Unterhändlern in deutschem Geld für Schweine auf
ca 0,50 Mk. pro Pfund lebend Gewicht, Hühner ca 0,75 Mk. pro Stück, Yams
0,03 bis 0,04 Mk. pro Pfund.
Neu-Mecklenburg, West- und Nordküste.
Die Westküste von Neu-Mecklenburg läuft vom Kap St. Georg ca 25 Sm
NNW bis zum Kap Hunter, dann nordwärts weitere 30 Sm bis zum Kap
Rossel und von da nordwestlich bis zur Steffen-Strafse. Sie ist auf der
ganzen Länge rein und frei von abliegenden Untiefen oder Riffen. Auf der süd-
lichen Hälfte fallen die Berge steil bis in das Meer hinein ab, und die Insel
bildet nur einen hohen Grat, der sich an einzelnen Stellen bis zu 7000 Fufs erhebt
und bis zu den höchsten Punkten dicht bewaldet ist. Die Häfen an der Süd-
spitze, Praslin, Sulphur und Carteret sowie der als Port Breton bekannte ehe-
malige Sitz des Kolonisationsversuchs des berüchtigten Marquis de Ray haben
für die heutige Schiffahrt kein Interesse. Sie sind alle unter Segel schwer er-
reichbar und bieten keine Hülfsmittel irgend welcher Art.
Das weniger anbaufähige, den hohen Bergen im Hintergrunde der Häfen
vorgelagerte Alluvialland wird oft von wochen- und monatelang anhaltenden
Regengüssen überschwemmt und ist von verderblichen Fiebern verpestet,
Die Eingeborenen stehen hier auf der niedrigsten Stufe, haben niedrige,
kaum feste Wohnsitze zu nennende Hütten in der Nähe ihrer kümmerlichen
Pflanzungen und nähren sich hauptsächlich von Fischfang und wildwachsenden
Früchten.
Von Kap Rossel nordwärts wird das Land mehr hügelig, und die ein-
zelnen Berge sind durch tiefe Schluchten und Thäler voneinander getrennt, haben
aber immer noch Höhen von über 2000 Fuls.
Die Wesley’sche Mission unterhält vom Hunter-Hafen auf Neu-Lauenburg
aus hier einige kleine Stationen, hauptsächlich wohl des an dieser Küste schwung-
haft betriebenen Handels mit Schildpatt wegen.
Zwischen den Kaps Givry und Strauch wird das Land niedriger und
fällt an einer Stelle bis zu 300 Fuß, so dafs die Insel. von Weitem aus gesehen,
hier einen Einschnitt zu haben scheint.
Von Kap Strauch bis zu der Angriffs-Insel nimmt das Land wieder
die Gestalt eines schmalen, nach beiden Seiten rasch abfallenden Grates von
ca 2000 Fuß Höhe an. Hier kommen die Eingeborenen in ihren Kanus oft